Geschichte und Kultur

Die Tribute von Panem – Filme aus der Welt der AfD?

[SPOILERWARNUNG!] Neun Stunden und acht Minuten – so lange dauern die vier Teile der Serie "Die Tribute von Panem" insgesamt. Hier kämpft eine mutige junge Frau gegen das System, am Ende führt sie sogar eine Revolution an. Also ein linker Film? Von wegen. Dahinter steckt ein absurd konservatives Weltbild.

Die Tribute von Panem – Filme aus der Welt der AfD?

Es fängt mit ein­er Satire auf das Real­i­ty-TV an: Die Hunger­spiele wirken wie eine Extrem­form des “Dschun­gel­camps”. Soll­ten wir uns nicht als Gesellschaft dafür schä­men, dass Mil­lio­nen Men­schen ein­schal­ten, um sich von men­schlichem Leid und Erniedri­gung unter­hal­ten zu lassen? Wie weit wollen wir das eigentlich treiben?



Im Jahr 2000 führte ein japanis­ch­er Film diesen Gedanken zu Ende: In “Bat­tle Royale” wer­den Schüler*innen gezwun­gen, sich gegen­seit­ig umzubrin­gen. Dem ersten Teil der “Tri­bune von Panem” fehlt jedoch dieser Mut: Es geht um Kinder, die andere Kinder umbrin­gen müssen, und den­noch wer­den die bru­tal­en Tat­en nicht gezeigt.



Bis zum zweit­en Teil der Rei­he hat sich das The­ma gewan­delt: Jet­zt geht es um die Rebel­lion gegen ein aus­beu­ter­isches Sys­tem. Für ein Hol­ly­wood-Film ist erstaunlich, dass Frauen die zen­trale Rollen ein­nehmen: Da ist nicht nur Jen­nifer Lawrence als knall­härteste Kämpferin über­haupt, son­dern auch Julianne Moore als Kom­man­dan­tin des mil­itärischen Auf­s­tandes.



Doch die Botschaft der Rebel­lion wird ver­dor­ben, weil dem Film jed­er Feinsinn fehlt. “Rebel­lion ist gerecht­fer­tigt!” proklamieren die Produzent*innen, in den Worten Maos. Doch rebel­liert wer­den darf nur gegen das reine, uneingeschränk­te Böse eines Präsi­den­ten Snow, also gegen einen Herrsch­er, der aus Spaß und Vergnü­gen seine Untertan*innen quält.



Das Prob­lem ist, dass unsere realen Herrscher*innen in der Regel nicht so trans­par­ent sind. Sie begrün­den ihre Herrschaft mit wichtig klin­gen­den “Werten” und beängsti­gen­den Dro­hun­gen. Sie ver­steck­en die Dik­tatur ein­er winzi­gen Min­der­heit von Kapitalist*innen hin­ter ein­er kom­plizierten Insze­nierung der par­la­men­tarischen Demokratie.



Also wenn der Herrsch­er von Panem Kinder bom­bardiert, dann sagt er auch ganz offen, dass es um den Erhalt sein­er Macht geht – dann ist klar, dass wir gegen ihn kämpfen müssen. Doch wenn die Herrscher*innen der USA oder der EU Kinder bom­bardieren, dann wollen sie eigentlich gegen den Ter­ror­is­mus gekämpft haben und da gibt es nun­mal Kol­lat­er­alschä­den und und und – tja, und müssen sie dann gestürzt wer­den?



Der let­zte Teil der Film­serie ver­sucht, ein paar Grautöne in dieses Schwarz-Weiß-Welt­bild einzufü­gen, als die Kom­man­dan­tin der Rebel­lion nach ihrem Sieg von rein gut zu rein böse mutiert. Plöt­zlich will sie doch keine freien Wahlen mehr durch­führen lassen – sie will sog­ar neue Hunger­spiele ver­anstal­ten. Die banale Botschaft dahin­ter: “Macht macht kor­rupt”. Und die Lösung, die der Film find­et, lautet: “Demokratie”.



Nach fast neun Stun­den erleben wir ein paar Sekun­den dieser „Demokratie“, als Pay­lor – die prak­tisch keine Rolle gespielt hat – als neue Präsi­dentin verei­digt wird. Doch wir erfahren gar nichts darüber, ob ihre Herrschaft das Leben der ein­fachen Men­schen bess­er macht. Hat sich die Rebel­lion über­haupt gelohnt? Wir sehen nur, dass Plutarch – ein dubios­er Poli­tik­er mit unklar­er Agen­da – weit­er­hin die Strip­pen zieht. (Soviel zu den Frauen – im Hin­ter­grund bleibt ein Mann an der Macht.)


Aus Frus­tra­tion über dieses poli­tis­che Sys­tem ziehen sich die bei­den Protagonist*innen zurück in ihren zer­störten Dis­trikt, um dort in per­fek­ter Iso­la­tion ihr Lebensende abzuwarten. Sie haben nicht mal Nachbar*innen – sie leben von der Natur, ohne jegliche gesellschaftliche Inter­ak­tion. Im Epi­log sehen wir sie als het­ero­sex­uelles Paar mit zwei kleinen Kindern. Ihr Glück find­en sie auf die einzige Art, wie es in diesem reak­tionären Uni­ver­sum möglich ist: in der Kern­fam­i­lie.



Der Film spielt also mit Bildern jugendlich­er Rebel­lion, um let­z­tendlich ein Welt­bild zu ver­mit­teln, das selb­st inner­halb der AfD ein biss­chen absurd wirken dürfte: Man hat so viel Abnei­gung vor der Poli­tik, so viel Angst vor dem gesellschaftlichen Fortschritt, dass man sich am Lieb­sten kom­plett aus der Gesellschaft zurückziehen würde. Was für reak­tionäre Filme!

4 thoughts on “Die Tribute von Panem – Filme aus der Welt der AfD?

  1. Der böse Wolf sagt:

    Sel­ten einen so linken Schwachsinn gele­sen,
    Dik­taturen sind also immer “rechts” und nie links ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.