Deutschland

Bundeswehr verkauft Besatzung wie ein Videospiel

Nach der Online-Serie „Die Rekruten“ und der massiven Imagekampagne in ganz Deutschland will die Bundeswehr mit einer neuen Serie Kriegspropaganda betreiben. Diesmal werden acht Bundeswehr-Soldat*innen bei ihrem Einsatz in Mali begleitet.

Bundeswehr verkauft Besatzung wie ein Videospiel

„Bun­deswehr Exclu­sive“, so heißt die Fort­set­zungs-Serie der Bun­deswehr auf YouTube, die ab dem 16. Okto­ber auf dem gle­ich­nami­gen Kanal zu sehen sein wird. Schon jet­zt sind die Innen­städte voll mit Plakat­en, die im Stil eines Videospiels für die Pro­pa­gan­daserie der Bun­deswehr wer­ben. Sie will damit an den Erfolg anknüpfen, den die erste Serie dieser Art, „Die Rekruten“ hat­te.

Die neue Serie, von der 40 Episo­den gedreht wur­den, die von Mon­tag bis Don­ner­stag täglich aus­ges­trahlt wer­den, hat die deutsche Armee 6,6 Mil­lio­nen Euro gekostet. Schon die vorherige Serie kostete über acht Mil­lio­nen Euro. Beim „Wer­ben für’s Ster­ben“ scheut sich die Bun­desregierung und ihre Armee wed­er Kosten noch Mühen.

Das strate­gis­che Ziel dieser Serie, zusam­men mit der mas­siv­en Imagekam­pagne der let­zten Jahre durch Plakate und Wer­bev­er­anstal­tun­gen, ist die Auf­besserung der Wahrnehmung der Bun­deswehr und die Gewin­nung neuer Rekrut*innen. Die Bun­deswehr rüstet sich nicht nur mit der Ein­stel­lung neuer Soldat*innen, dem Ankauf neuer Waf­fen und Panz­er und der all­ge­meinen Bud­geter­höhung für die gestiege­nen mil­itärischen Anforderun­gen in der Welt.

Es geht auch um einen „ide­ol­o­gis­chen“ Kampf um die Wahrnehmung der Bun­deswehr und ihrer Aus­land­sein­sätze in der Bevölkerung. Noch immer genießt die Bun­deswehr – im Gegen­satz zur Polizei – nicht über eine unhin­ter­fragte Unter­stützung bei den Massen. Dies kön­nte bei noch größeren Ein­sätzen zu einem Hin­der­nis für das „Engage­ment“ wer­den.

Besatzung in Mali

Zudem ist es nicht zufäl­lig, dass ger­ade der Aus­land­sein­satz in Mali im Zen­trum der Serie ste­ht. Erst zu Beginn des Jahres stock­te der Bun­destag den Ein­satz im afrikanis­chen Land auf bis zu 1.000 Soldat*innen auf, um vier deutsche Kampfhub­schrauber und vier Trans­porthub­schrauber zu sta­tion­ieren. Die Bun­deswehr selb­st beschreibt auf ihrer Web­site die strate­gis­che Bedeu­tung des deutschen Ein­satzes im Mali: „Die erneute Erweiterung der Beteili­gung an MINUSMA ist ein Baustein des umfassenden Ansatzes der Bun­desregierung zur Sta­bil­isierung der Lage in Mali und der Sahel-Region.“

Die Bun­desregierung hat schon im Zuge des G‑20-Gipfels einen „Mar­shall-Plan“ für Afri­ka präsen­tiert und damit ihr geopoli­tis­ches Inter­esse an der Aus­beu­tung des Kon­ti­nents für ihre impe­ri­al­is­tis­chen Inter­essen unter­mauert. In diesen Rah­men fall­en auch die unter­schiedlichen Abkom­men zur Ein­schränkung der Bewe­gungs­frei­heit wie die „Migra­tionspart­ner­schaften“ und die Rück­führungsabkom­men mit Tune­sien, Marokko und anderen Län­dern. Es han­delt sich also um eine strate­gis­che Präsenz der Bun­deswehr in der Region, um ein­er­seits Migra­tions­be­we­gun­gen zu stop­pen und ander­er­seits ökonomis­che Abhängigkeitsver­hält­nisse zu ver­tiefen und das Elend in Afri­ka zu ver­schär­fen.

„Bun­deswehr Exclu­sive“ spielt dabei nur eine kleine, jedoch nicht zu ver­nach­läs­si­gende Rolle, wenn man die hohen Zuschauerzahlen der ver­gan­genen Serie in Betra­cht zieht. Von Seit­en der Gew­erkschaft für Erziehung und Wis­senschaft (GEW) wurde die Serie deshalb dafür kri­tisiert, Bun­deswehr-Ein­sätze wie einen „Aben­teuer­spielplatz“ darzustellen und sie dadurch zu ver­her­rlichen. Die GEW fordert anstatt von Wer­bung für die Armee mehr Wer­bung für Stellen im Bil­dungssek­tor.

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