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Wir lassen uns nicht aussperren! — Studierenden-Versammlung an der LMU

Am Mittwoch trafen sich etwa 110 Personen in der Münchner Ludwig-Maximilians Universität (LMU), um bei einer Vollversammlung über Klimagerechtigkeit zu diskutieren. Die Uni-Leitung versuchte, das Treffen zu verhindern, drohte mit der Polizei und verweigerte sogar der Presse den Zutritt.

Wir lassen uns nicht aussperren! - Studierenden-Versammlung an der LMU

Siemens-Chef Joe Kaeser treibt den Bau ein­er der größten Kohlem­i­nen der Welt in Aus­tralien mit voran, während gle­ichzeit­ig dort ver­heerende Wald­brände das Land ver­wüsten. Dafür wird Siemens seit Wochen von der Klimabe­we­gung „Fri­days For Future“ kri­tisiert. Ein Grund für die Münch­n­er Studieren­den auf den Zusam­men­hang von Konz­ern­in­ter­essen, Kli­makrise und die Ver­ant­wor­tung der Uni­ver­sitäten hinzuweisen, die von den Unternehmen gespon­sert wer­den.

Um unter anderem dieses The­ma zu disku­tieren, trafen sie sich am Abend des 22. Jan­u­ar im Lichthof der LMU, um von dort gemein­sam in einen der Hörsäle zu gehen. Ein Prob­lem, wie sich her­ausstellte, denn die Uni-Ver­wal­tung ver­suchte, die Ver­anstal­tung zu ver­hin­dern. Die Secu­ri­ty rief schon eine halbe Stunde vor Ver­samm­lungs­be­ginn die Polizei, verzichtete dann aber auf deren Ein­satz, als sich etwa 80 Per­so­n­en in der Großen Aula einge­fun­den hat­ten. Zurück ziehen woll­ten sie sich allerd­ings nicht, und block­ierten die Türen, um weit­ere cir­ca 30 Per­so­n­en von der Ver­samm­lung abzuhal­ten. Die Uni-Ver­wal­tung schränk­te auch die Presse­frei­heit ein, indem sie einem Jour­nal­is­ten der Sued­deutschen Zeitung den Zutritt ver­weigerte.

Statt dem Entwick­eln nüt­zlich­er Tech­nolo­gien für die Men­schheit, betreiben die Münch­n­er Uni­ver­sitäten damit kli­maschädliche Forschung. So auch die Waf­fen­forschung an der LMU: Am Insti­tut für Chemie und Phar­mazie in Großhadern forscht Pro­fes­sor Har­ald Klapötke an ein­er „Grü­nen Bombe“, die zynis­cher­weise zwar umwelt­fre­undlich­er sein soll, aber den­noch für Kriege ver­wen­det wird. In der Diskus­sion wiesen die Studieren­den darauf hin, dass das Ziel der Klimabe­we­gung vor allem „Klim­agerechtigkeit“ sei. Es habe nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn NATO-Armeen mit Waf­fen­tech­nolo­gie der LMU die Konz­ern­in­ter­essen in anderen Län­dern mil­itärisch durch­set­zen.

Eine Stu­dentin sagte: „Hätte die Uni Inter­esse daran, Kli­maschutz umzuset­zen, hätte sie dies längst machen kön­nen.“ Die Konz­ern- und Armeein­ter­essen sprächen jedoch dage­gen. In vie­len Rede­beiträ­gen wurde betont, dass sich die Studieren­den selb­st organ­isieren müssten, da es nicht die ger­ing­sten demokratis­chen Mitbes­tim­mungsrechte wie eine Ver­fasste Studieren­den­schaft, eine beschlussfähige Vol­lver­samm­lung oder über­haupt das Recht auf freie Ver­samm­lun­gen in Uni­ver­sität­sräu­men gäbe. Die Antwort der Ver­wal­tung, dass Ver­samm­lun­gen in Uni­ver­sität­sräu­men nach Anmel­dung dur­chaus möglich seien, ern­tete Gelächter, denn nur Ver­anstal­tun­gen unter dem Aspekt der Wis­senschaft ohne poli­tis­che Wer­tung wer­den genehmigt, und auch dann nur mit der Unter­stützung ein­er Fakultät.

Studierende suchen die Verbindung zu Beschäftigten

Der Wun­sch nach Möglichkeit­en zu demokratis­ch­er Entschei­dung und der Mit­gestal­tung der Uni­ver­sität band hier­bei auch  die Beschäftigten der Uni­ver­sitäten mit ein. Ein Dozent der LMU betonte, dass es wichtig sei, auch die Reini­gungskräfte, das tech­nis­che Per­son­al und die wis­senschaftlichen Mitarbeiter*innen einzubeziehen, die von niedri­gen Löh­nen, befris­teten Verträ­gen und im Falle der Secu­ri­tys von Out­sourc­ing betrof­fen sind.

Auch in weit­eren Rede­beiträ­gen wurde die Verbindung zur Arbeiter*innenbewegung hergestellt. So müssten zum Beispiel bei den Tar­ifver­hand­lun­gen im Öffentlichen Dienst im Juli gemein­same Streiks, Aktio­nen und Ver­samm­lun­gen von Studieren­den und Beschäftigten des Nahverkehrs ermöglicht wer­den. Damit könne man für bessere Arbeits­be­din­gun­gen und einen kosten­losen Öffentlichen Nahverkehr ein­treten, mit dem wiederum ein wichtiger Beitrag für das Kli­ma geleis­tet werde.

Darüber hin­aus gab es zahlre­iche Vorschläge für kreative Aktio­nen wie Ban­ner­drops, einen Eltern-Kind-Tag oder „Die-Ins“, bei dem sich eine Per­so­n­en­gruppe plöt­zlich tot­stellt, um auf die Kli­makatas­tro­phe hinzuweisen. Zudem wurde für eine Aktion bei der Aktionärsver­samm­lung von Siemens in der Münch­n­er Olympia­halle am 5. Feb­ru­ar gewor­ben, um daraus eine all­ge­mein zugängliche Bürg­erver­samm­lung zu machen.

Die Studieren­den beton­ten auch, wie wichtig es ist, die Zusam­me­nar­beit mit den Fach­schaften zu suchen, um für die Zukun­ft deut­lich mehr Inter­essierte zu erre­ichen. Es ist damit zu rech­nen, dass die Studieren­den in den näch­sten Monat­en mit dem The­ma der Klim­agerechtigkeit weit­er in die Öffentlichkeit gehen.

Die Vol­lver­samm­lung wurde von „Kli­ma bren­nt, Uni bren­nt“ organ­isiert und von Stu­dents For Future bewor­ben. Ihre Tre­f­fen find­en jew­eils fre­itags statt, das näch­ste Mal am 24. Jan­u­ar um 15 Uhr im Münch­n­er Uni­ver­sitäts­ge­bäude Schellingstraße 3. Neben unab­hängi­gen Studieren­den beteiligten sich an der Vol­lver­samm­lung auch Mit­glieder des Antikap­i­tal­is­tis­chen Kli­ma­tr­e­ffs, der Linksju­gend Sol­id und der Marx­is­tis­chen Jugend sowie ein Vertreter der neuge­grün­de­ten migrantis­chen Wäh­lervere­ini­gung Zusam­men Bay­ern (ZuBa), die zu den Münch­n­er Stad­tratswahlen am 15. März antreten wird.

One thought on “Wir lassen uns nicht aussperren! — Studierenden-Versammlung an der LMU

  1. Keine Name sagt:

    Das ist eine typ­is­che Ver­hal­tung der Faschis­ten.

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