Hintergründe

Warum ist der Kapitalismus für die globale Erwärmung verantwortlich?

Die globale Erwärmung liegt nicht in der Verantwortung des Menschen im Allgemeinen, sondern in der Art und Weise, wie die Produktion auf dem Planeten organisiert ist, das heißt in der Verantwortung des Kapitalismus im Allgemeinen und der Kapitalist*innen im Besonderen. Ein Debattenbeitrag unserer Schwesterseite aus Mexiko von Farid Reyes.

Warum ist der Kapitalismus für die globale Erwärmung verantwortlich?

Vor kurzem wurde in Kuwait eine Tem­per­atur von 63 Grad Cel­sius reg­istri­ert, ein beispiel­los­es Ereig­nis. Einige Tage später ver­bre­it­ete sich die Nachricht, dass Alas­ka die höch­ste Tem­per­atur seit mehr als 100 Jahren erre­icht hat. Weit­er­hin kam es in Mexiko zu einem der schlimm­sten Wald­brände, die es je gab, was zusam­men mit den Schad­stof­fe­mis­sio­nen erneut zu sehr hohen Ozon­werten führte. Daraufhin wurde im Tal von Mexiko und in mehreren anderen Städten der Kli­man­ot­stand erk­lärt.

Es beste­ht kein Zweifel, dass die glob­ale Erwär­mung immer mehr Tausende von Men­schen bet­rifft und ten­den­ziell Mil­lio­nen betr­e­f­fen wird. In Net­zw­erken und Nachricht­ensendern zirkulieren ständig Nachricht­en und Bilder über die Fol­gen dieses durch das Indus­triezeital­ter verur­sacht­en Kli­mawan­dels: Eis­bären auf der Suche nach Nahrung im Müll, schmelzende Gletsch­er, Kälte- und Hitzewellen in ver­schiede­nen Teilen der Erde, Arten­ster­ben, Ver­säuerung der Ozeane, Kli­maflucht und weit­ere Katas­tro­phen.

Wissenschaftler*innen sind sich einig, dass was wir heute erleben nur der Beginn ein­er großen Kli­makrise ist, die die Men­schheit in den kom­menden Jahrzehn­ten tre­f­fen wird, und dass, wenn keine Sofort­maß­nah­men ergrif­f­en wer­den, um den Trend aufzuhal­ten oder umzukehren, die Fol­gen der glob­alen Erwär­mung katas­trophal sein wer­den.

In diesem Szenario weisen Stim­men aus allen Bere­ichen der Gesellschaft auf die Notwendigkeit zu han­deln hin. Wir haben gese­hen, wie junge Men­schen mit der Bewe­gung #Fri­daysfor­Future und anderen Ini­tia­tiv­en, die die Besorg­nis von Mil­lio­nen Men­schen über den Kli­mawan­del zum Aus­druck brin­gen, an vorder­ster Front im Kampf für eine Zukun­ft ste­hen. Um das Prob­lem anzu­greifen, ist es jedoch notwendig, seinen Ursprung und den der glob­alen Erwär­mung zu ver­ste­hen. Der Ursprung liegt in der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion­sweise.

Kapitalistischer Profit und Umweltzerstörung

Die Zyklen der Steigerung des Kap­i­tal­w­erts prallen direkt mit den Zyklen der Natur zusam­men. Ein Unternehmer ver­sucht, seinen Gewinn in kürzester Zeit zu max­imieren, um auf dem Markt zu konkur­ri­eren, indem er mehr Ver­mö­gen ansam­melt, das es ihm ermöglicht, wieder zu investieren und im Ver­gle­ich zu anderen Unternehmern bess­er auf dem Markt posi­tion­iert zu sein. In diesem Zyk­lus wird das Kap­i­tal aufgew­ertet. Das heißt, dass mit dem investierten Kap­i­tal (einge­set­zt beim Kauf von Rohstof­fen und Maschi­nen sowie bei den Löh­nen an die Arbeiter*innen) ein größer­er Betrag dadurch erzielt wird, dass der*dem Arbeiter*in nicht der Gesamtwert, den sie*er pro­duziert, gezahlt wird, son­dern nur ein Teil dessen, was sie*er in Form von Löh­nen pro­duziert.

Diese Aufw­er­tung des Kap­i­tals muss in kürzester Zeit und mit möglichst gerin­gen Kosten erfol­gen. Aus diesem Grund beuten die Unternehmer*innen die Ressourcen über­mäßig aus, sei es Land mit aus­gedehn­ten Viehzucht- oder Monokul­tur­plan­ta­gen, Tage­baue, Meere mit inten­siv­er Fis­cherei, unter anderem auch mit For­men der Über­aus­beu­tung, sodass der natür­liche Zyk­lus mit der Regen­er­a­tion nicht nachkommt. Mit anderen Worten, angesichts der oben genan­nten kap­i­tal­is­tis­chen Ratio­nal­ität sind die Ressourcen erschöpft, das Land kann seine Nährstoffe nicht regener­ieren und Fis­che kön­nen sich nicht wieder ver­mehren.

Zwar ist die Gesamtheit der kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschaftsweise – unter anderem die Kun­st­stoff­pro­duk­tion, die riesi­gen Indus­trieabfälle, die Ver­schmutzung von Flüssen, Wal­dro­dung, irra­tionale Wasser­nutzung und vieles mehr – umweltschädlich. Jedoch ist das, was am meis­ten für die glob­ale Erwär­mung ver­ant­wortliche Treib­haus­gase erzeugt die Nutzung fos­siler Brennstoffe, in erster Lin­ie Erdöl und Gas.

Kapitalistische Irrationalität versus Zukunft für die Menschheit

Wie erk­lärt es sich, dass trotz der War­nun­gen von Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt über die vor uns liegende Zukun­ft keine ern­sthaften Schritte zur Eindäm­mung der Treib­haus­gase­mis­sio­nen unternehmen? Die einzige Antwort ist, dass es kap­i­tal­is­tis­che Inter­essen in Priv­i­legien wie Luxu­s­güter gibt, die einige Wenige auf Kosten der Aus­beu­tung von Mil­lio­nen und der Zer­störung der Umwelt erhal­ten.

Wir kön­nen zum Beispiel die so genan­nten „Lob­bys“ von Sek­toren des Großbürg­er­tums, die Politiker*innen aller Län­der ihre Pläne aufzwin­gen, an erster Stelle nen­nen. Die Eigentümer*innen der Auto­mo­bil­her­steller und der Ölge­sellschaften, die von ein­er Hand­voll transna­tionaler Unternehmen kon­trol­liert wer­den, vertei­di­gen ihre Inter­essen hart­näck­ig. Es liegt im Inter­esse dieser großen Geschäft­sleute, dass Öl weit­er­hin als Haupt­brennstoff in der Indus­trie ver­wen­det wird.

Wenn man sich fragt, warum, anstatt zweite Stock­w­erke für Autos zu bauen, nicht ein­fach weniger umweltschädliche öffentliche Verkehrsmit­tel gebaut wer­den, liegt die Antwort in der Macht der Kapitalist*innen der Auto­mo­bil­branche sowie mit ihnen ver­bun­den­er Branchen. Für die Umweltzer­störung sind jedoch nicht nur die direkt mit der Gewin­nung von Brennstof­fen ver­bun­de­nen Branchen ver­ant­wortlich, son­dern die gesamte kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion.

Denn in der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft wird die Selb­ster­fül­lung im Kon­sum von Gütern erre­icht; Die Kapitalist*innen propagieren den Kon­sum, welch­er gren­zen­los sein muss. Ein Arbeit­er kann ein anstren­gen­des Leben mit lan­gen Arbeit­sta­gen und niedrigem Lohn führen, aber dank Kred­iten kann er sich ein Handy kaufen, mit dem er sein Elend teil­weise vergessen kann. Auf diese Weise erk­lärt der Markt, dass das Wichtig­ste sei, eine immer größere Anzahl an Waren zu erhal­ten, während der soziale Auf­stieg an der Fähigkeit des Einzel­nen gemessen wird, einen größeren Kon­sum zu erre­ichen.

Dazu kom­men noch Aspek­te wie die „geplante Obsoleszenz“, was bedeutet, dass Waren zu einem bes­timmten Zeit­punkt ein­pro­gram­miert und ohne Notwendigkeit aufhören zu funk­tion­ieren, so dass neue gekauft wer­den müssen. Die ganze Logik des Kap­i­tals ist hauptver­ant­wortlich für die Erschöp­fung der Rohstoffe.

Donald Trump, Bolsonaro und die Rechte drücken das Gaspedal in Richtung Barbarei

Tag für Tag gibt es neue alarmierende Nachricht­en über das Voran­schre­it­en der glob­alen Erwär­mung. Und doch verspot­tet Trump den Kli­mawan­del und Bol­sonaro erlaubt kap­i­tal­is­tis­chen Unternehmen, den Ama­zonas noch inten­siv­er zu zer­stören. Es fehlt nicht an fatal­is­tis­chen Posi­tio­nen und Prog­nosen zum Kli­mawan­del, die von Über­bevölkerung sprechen oder dass es sowieso schon zu spät sei, noch etwas dage­gen zu tun.

Marx hat­te geschrieben, dass das Kap­i­tal seine Krisen zu über­winden ver­sucht, indem es die bei­den Haup­tquellen des Reich­tums über­mäßig aus­beutet: die men­schliche Arbeit­skraft und die Natur. Die Anführer*innen der extremen Recht­en, die an die Macht kom­men, beschle­u­ni­gen mit diesen Mit­teln auf völ­lig unver­ant­wortliche Weise die ökol­o­gis­chen Katas­tro­phe.

Es ist klar, dass die Reichen sich nicht um den Kli­mawan­del küm­mern. Ob es sich um Wasser­man­gel, Dür­ren oder Hur­rikans han­delt, sie wer­den weit­er­hin lux­u­riös in kom­fort­ablen Gegen­den leben, mit pri­vat­en Wäldern oder kün­stlichen Seen und ohne sich um den Tod von Mil­lio­nen Men­schen zu sor­gen. Aber natür­lich nur, wenn sich die Arbeiter*innenklasse und ihre Ver­bün­de­ten nicht erheben. Und es sind die am stärk­sten mar­gin­al­isierten und unter­drück­ten Sek­toren, die die Fol­gen der glob­alen Erwär­mung am direk­testen zu spüren bekom­men wer­den, wie es bei der Wasserk­nap­pheit in ver­schiede­nen Städten Südafrikas der Fall ist, bei den Käl­te­toten auf den Straßen Argen­tiniens oder bei Atemwegserkrankun­gen durch Luftver­schmutzung in der Mon­golei.

Eine rationale Wirtschaftsplanung kann uns retten

Vor diesem Hin­ter­grund ist es wichtig zu ver­ste­hen, dass die glob­ale Erwär­mung nicht in der Ver­ant­wor­tung des Men­schen im All­ge­meinen liegt, son­dern in der Art und Weise, wie die Pro­duk­tion auf dem Plan­eten organ­isiert ist, das heißt in der Ver­ant­wor­tung des Kap­i­tal­is­mus im All­ge­meinen und der Kapitalist*innen im Beson­deren.

Jede indi­vidu­elle Ini­tia­tive oder Anstren­gung (wie Wassers­paren oder Müll­tren­nung) ist nüt­zlich, aber sie sind macht­los angesichts der Größe der Katas­tro­phe, die uns bedro­ht. Auf der anderen Seite muss die rev­o­lu­tionäre Linke disku­tieren und Über­gangs­maß­nah­men vorschla­gen, um von ein­er ver­schmutzen­den und zer­störerischen kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschaft zu ein­er Wirtschaft zu gelan­gen, die wed­er zer­störerisch noch umweltschädlich ist und die auf das Woh­lerge­hen kün­ftiger Gen­er­a­tio­nen einen Wert legt.

Die enor­men Fortschritte in Wis­senschaft und Tech­nolo­gie lassen uns glauben, dass eine andere Form der sozialen Organ­i­sa­tion und Pro­duk­tion möglich ist. Wenn man ver­sucht zu pro­duzieren, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedi­gen und nicht den Prof­it der Kapitalist*innen zu garantieren, kann man Rohstof­fgewin­nung und Pro­duk­tion ratio­nal neu organ­isieren, die Umweltver­schmutzung reduzieren und den Kon­sum auf lan­glebige Güter aus­richt­en.

Der ratio­nal geplante Güter- und Per­so­n­en­trans­port kann öffentlichen Verkehr gegenüber dem Pri­vat­wa­gen pri­or­isieren. Darüber hin­aus kön­nen schnelle Fortschritte bei der Ver­wen­dung von Kraft­stof­fen erzielt wer­den, die weniger schädlich für die Umwelt sind, sei es Solar‑, Geot­her­mie- oder Winden­ergie. Die Erhal­tung von Wäldern und Reser­vat­en sollte mit der höch­sten Hier­ar­chie erfol­gen, eben­so wie die Pflege der Fau­na.

Um diese Wirtschaft zu erre­ichen, müssten Arbeiter*innen die Indus­trie – vor allem die Energiewirtschaft – mit Unter­stützung von Wissenschaftler*innen und Techniker*innen öffentlich­er Uni­ver­sitäten demokratisch kon­trol­lieren. Das sollte stat­tfind­en im Rah­men eines gemein­samen Plans, in dem die notwendi­gen Ressourcen für diese Trans­for­ma­tion bere­it­gestellt wer­den.

Die Men­schheit muss sich nicht mit der ver­heeren­den Zukun­ft abfind­en, die der Kap­i­tal­is­mus uns ver­spricht. Es gibt einen Ausweg, und es geht darum, die Gesellschaft auf eine andere Weise zu organ­isieren. Eine Gesellschaft aufzubauen, die das Leben in den Mit­telpunkt stellt und nicht den Prof­it – eine sozial­is­tis­che Gesellschaft.

2 thoughts on “Warum ist der Kapitalismus für die globale Erwärmung verantwortlich?

  1. Anonym sagt:

    Ich finde die Charak­ter­isierung der Prob­leme, die durch unser Wirtschaften ent­standen sind sehr zutr­e­f­fend. Die Vorschläge auf welche Art und Weise wie die Prob­leme zu lösen sind find­en bei mir Anklang, allerd­ings will ich beto­nen, dass der Staat in dem ich leben will auch ein freier sein soll, ich will nicht dauer­haft kon­trol­liert und eingeschränkt wer­den. Trotz­dem muss es einen starken Staat geben, der durch Steuern aber auch Ver­bote, die aber die Frei­heit des Indi­vidu­ums nicht über das Maß ein­schränken, das Wirtschaften und das Han­deln der Men­schen bes­timmt. Mich stört hier auch die Ver­wen­dung typ­is­ch­er link­er Ide­ol­o­gisch aufge­laden­er Begriffe und Ideen, z. B. das die Arbeit­erk­lasse sich erheben muss. Kann nicht ein Arbeit­ge­ber (oder nen­nt ihr diese Men­schen lieber Kap­i­tal­is­ten?) auch für eine nach­haltige Wirtschaftsweise sein? Ich finde wir brauchen einen Gesamt­ge­sellschaftlichen Kon­sens darüber, das wir unsere Prob­leme lösen wollen und das unsere bish­erige Wirtschaftsweise nicht zielführend ist. Da es aber bei Rechten/Konservativen schw­er ist sie davon zu überzeu­gen, dass früher nicht alles bess­er war und alles so bleiben soll wie es ist, sollte man auf Sach­lich­er Ebene disku­tieren und ver­suchen allen die Argu­mente zugänglich zu machen. Alles ist Ide­ol­o­gisch aufge­laden, was 1. unsach­lich wirkt und 2. die Angst vor ein­er linken Dik­tatur aus­löst. Bei­des führt dazu, dass die zuerst sach­liche Beschrei­bung unser­er Prob­leme und die guten Ideen zur Prob­lem­lö­sung in den Hin­ter­grund gerückt wer­den.

    Grüße von Anonym (aus Angst vor dem Überwachungsstaat)

  2. Roland sagt:

    Eine in groben Zügen gute Ein­schätzung.
    Nein, einen Staat brauchen wir natür­lich nicht mehr. Wohin die Dik­tur des Pro­le­tari­ats geführt hat, zeigt uns die Geschichte. Um Natur und Kli­ma zu ret­ten, bedarf es neue Wege und eine Basis­demokratisch organ­isierte Gesellschaft
    Ein radikal Umdenken ist nötig. In ein­er Gesellschaft die auf Prof­it­max­imierung auf­baut, ist ein wirk­lich­er pos­i­tiv­er Wan­del nicht möglich.
    Die Rev­o­lu­tion muss in den Köpfen der Men­schen stat­tfind­en. Das ist schwierig, weil die Pro­pa­gan­da der Herrschen­den Klasse
    Über eine große Medi­en­macht ver­fügt.

    Ein wichtiges The­ma kam lei­der auch, wie
    fasst über­all zu kurz.
    Fleisch frisst die Welt. Ja hier muss
    man das eigene Kon­sumver­hal­ten hin­ter­fra­gen,
    also lieber ausklam­mern.
    Ich möchte es mit den Worten von
    Erich Müh­sam sagen * Du kannst nur frei sein wenn es alle sind *
    Die Gedankengänge weit­er­en­twick­elt,
    wir müssen alles Leben in unsere
    Vision ein­schließen.
    Nicht nur Ras­sis­mus ist ein Kind des
    Kap­i­tal­is­mus, Spezies­imus eben auch.

    Trotz allen trau­ri­gen Prog­nosen für die
    Zukun­ft, machen ger­ade jet­zt die jun­gen Leute Mut und Hoff­nung. Sie reduzieren nicht mehr alles nur auf CO2, sie begin­nen
    Zusam­men­hänge zu ver­ste­hen und streben
    nach ein­er gerechteren Welt.

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