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US-Abschiebebehörde verhaftete 680 Migrant*innen: Lasst die Gefangenen frei, schließt die Lager!

Nach den Razzien gegen Migrant*innen in Mississippi ist es wichtiger denn je, dass sich Arbeiter*innen mobilisieren, um festgehaltene Migrant*innen zu befreien, die Konzentrationslager zu schließen und die Grenzen zu öffnen.

US-Abschiebebehörde verhaftete 680 Migrant*innen: Lasst die Gefangenen frei, schließt die Lager!

In der größten jemals in einem einzel­nen Bun­desstaat durchge­führten Razz­ia gegen Migrant*innen in der gesamten Geschichte der USA, wur­den let­zten Mittwoch Nach­mit­tag in Mis­sis­sip­pi 680 migrantis­che Arbeiter*innen in vier ver­schiede­nen Fleis­chver­ar­beitungs­fab­riken von Agent*innen des DHS (“Depart­ment of Home­land Secu­ri­ty”, US-amerikanis­ches Min­is­teri­um für Innere Sicher­heit, A.d.Ü.) festgenom­men. Zeug*innen berichteten, wie hun­derte ihrer Kolleg*innen gefes­selt und in Busse ver­laden wur­den, wo viele von ihnen für weit­ere Ver­fahren zur örtlichen Basis der Nation­al­gar­de gebracht wur­den. Die Migrant*innen wur­den fest­ge­hal­ten und weg ges­per­rt, man ließ ihre Kinder ohne jede Benachrich­ti­gung zurück. Infolgedessen kamen etliche Kinder von der Schule nach Hause und fan­den ihre Woh­nun­gen ver­schlossen und ihre Fam­i­lien­mit­glieder ver­schwun­den vor. Der lokale Fernsehsender WJTV Mis­sis­sip­pi berichtete von Kindern, die weinend durch die Straßen liefen und von Nachbar*innen zu ein­er nahegele­ge­nen Turn­halle gebracht wur­den, wo einige von ihnen die Nacht ver­bracht­en und andere darauf warteten, von Freund*innen aufgenom­men zu wer­den.

Während­dessen reiste Trump nach El Paso in Texas, wo nur weni­gen Tage zuvor ein weißer, nation­al­is­tis­ch­er Amok­läufer Hispanoamerikaner*innen als Ziel auswählte und 22 Men­schen tötete. Dank des mas­siv­en öffentlichen Auf­schreis war Trump gezwun­gen, einzuräu­men, dass ras­sis­tis­ch­er Hass diesen Amok­lauf aus­löste. Aber Trumps Hand­lun­gen erzählen eine andere Geschichte, die er nicht ein­mal zu ver­steck­en ver­sucht. Sowohl durch seine Poli­tik als auch durch seine Rhetorik unter­stützt Trump die Vorstel­lung, es gäbe eine “his­panis­che Inva­sion” in den USA: ein lan­desweit­er Not­fall, der durch eine Grenz­mauer, durch das Tren­nen von Fam­i­lien, durch Razz­ien der Abschiebe­be­hör­den und durch Ter­ror gestoppt wer­den sollte.

Die koor­dinierte Vorge­hensweise der Razz­ien, die große Anzahl ver­hafteter Migrant*innen, die Anwen­dung von Gewalt durch den DHS (Berichte lassen darauf schließen, dass mehr als 600 Agent*innen involviert waren) und die unglaublichen Men­gen an staatlichen und bun­desstaatlichen Ressourcen ergeben zusam­mengenom­men eine staatlich geförderte Ter­rorkam­pagne, die Mil­lio­nen undoku­men­tiert­er Arbeiter*innen, die ger­ade in den USA leben, verängsti­gen und ein­schüchtern soll. Obwohl Trump dazu gezwun­gen war, ein paar Worte gegen Ras­sis­mus zu ver­lieren, sind seine Hand­lun­gen ein Ver­such, weißen Nation­al­is­mus zu ermuti­gen und anzuheizen. In diesem Sinne ist der Schütze von El Paso eine Erweiterung von Trumps Poli­tik und Rhetorik – ein­er Poli­tik und Rhetorik, die zu bekräfti­gen er sich entschlossen hat. Und deswe­gen wer­den die Razz­ien nur zu noch mehr Gewalt ermuti­gen, mehr offen­em Hass und Diskri­m­inierung gegen Migrant*innen, Lat­inx, Peo­ple of Col­or und LGBTQ Per­so­n­en.

Während der let­zten Monate ist Mil­lio­nen von Men­schen bewusst gewor­den, dass die USA Konzen­tra­tionslager betreiben — manche haben sog­ar begrif­f­en, dass die Lager sowohl von den Republikaner*innen, als auch von den Demokrat*innen finanziert, unter­stützt und ein­gerichtet wur­den. In diesen Lagern wer­den Kinder von ihren Eltern getren­nt und Men­schen wer­den in völ­lig über­füll­ten und über­hitzten Räu­men gehal­ten. Sex­u­al­isierte Gewalt ist weit ver­bre­it­et und etliche Migrant*innen star­ben hier.

Doch nur zu wis­sen, dass es diese Konzen­tra­tionslager gibt, ist nicht genug. Wir müssen dafür kämpfen, sie zu abzuschaf­fen. Wir brauchen lan­desweite Mobil­isierun­gen von Massen, die zu den Lagern gehen und die augen­blick­liche Freilas­sung aller Gefan­genen fordern, eben­so wie das Schließen aller Konzen­tra­tionslager. Dem Beispiel der Wayfair-Arbeiter*innen fol­gend müssen wir die Gew­erkschaften dazu drän­gen, in den Streik zu treten und Aktio­nen zu organ­isieren, bis alle Lager geschlossen sind.

Aber, wir wis­sen auch, dass die Lager und die staat­ster­ror­is­tis­chen Ver­haf­tun­gen ein Ergeb­nis der Poli­tik der “starken Gren­zen” (“strong bor­ders”) sind, die alle Republikaner*innen und Demokrat*innen, eingeschlossen Bernie Sanders, unter­stützen. Die einzige echte Lösung für den Staat­ster­ror der Internierungslager und Razz­ien ist die Abschaf­fung von ICE und allen Kör­per­schaften, die Migrant*innen unter­drück­en. Es geht darum, die Gren­zen zu öff­nen und die freie Ein- und Durchreise aller Men­schen zu ermöglichen.

Lasst alle Gefan­genen frei.
Schließt die Konzen­tra­tionslager.
Schafft die Abschiebe­be­hörde ICE und alle Insti­tu­tio­nen, die Migrant*innen unter­drück­en, ab.
Öffnet die Gren­zen.

Dieser Artikel erschien in leicht ander­er Fas­sung zuerst am 8. August 2019 auf Englisch bei Left Voice.

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