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Therapeut*innen bleiben laut

Heute hatten die Physio- und Ergotherapeut*innen an der Charité ihren achten Warnstreiktag. Der Berliner Senat hat Abhilfe versprochen, aber haben noch nichts geliefert. Die Psychotherapeut*innen in Ausbildung haben sich angeschlossen.

Therapeut*innen bleiben laut

“Eine 100 prozentige Tochter­fir­ma?” ‚rief Marzena Manske ihren Kolleg*innen zu. “Ich lache mich kaputt!” Die Phys­io­ther­a­peutin arbeit­et seit 15 Jahren an der Char­ité. Doch während dieser Zeit hat­te sie nie einen Arbeitsver­trag mit dem Uni­ver­sität­sklinikum. Sie war immer nur über Sub­un­ternehmen angestellt. Deswe­gen ver­di­ent sie bis zu 800 Euro weniger als ihre Kolleg*innen mit Tar­ifver­trag für die gle­iche Arbeit.

Jet­zt streikt Manske zusam­men mit ihren Kolleg*innen von der Char­ité-Tochter­fir­ma CPPZ. Sie fordern die Ein­führung des Tar­ifver­trages für den öffentlichen Dienst (TVÖD), der für die Stamm­belegschaft der Char­ité gilt. “Wir wer­den so lange laut sein, bis die Ver­ant­wortlichen uns hören!” ‚rief Manske, und blies in ein Horn.

Am Mon­tag war Auf­sicht­sratssitzung der Char­ité – und gle­ichzeit­ig der achte Warn­streik­tag der CPPZ-Kolleg*innen. Als der Berlin­er Finanzse­n­a­tor Matthias Kol­latz in seinem Dienst­wa­gen vorge­fahren wurde, erwarteten den Sozialdemokrat Pfiffe und Buhrufe.

Pikant: Das Vor­stands­ge­bäude wurde durch Kolleg*innen ein­er anderen Char­ité-Tochter, der CFM, geschützt. Diese Kolleg*innen haben keinen Tar­ifver­trag und ver­di­enen nur knapp über Min­dest­lohn. Kol­latz, für seinen Teil, steckt rund 16.650 Euro pro Monat in die Taschen. “Wenn die Stadt sparen muss, dann soll­ten sie auch 40 Prozent weniger ver­di­enen” ‚sagte Lukas vom Botanis­chen Garten in ein­er Sol­i­dar­itäts­botschaft.

Eben­falls beim Protest dabei waren die Psychotherapeut*innen in Aus­bil­dung (PiA) in der Char­ité. Anders als die Berufs­beze­ich­nung ver­muten lässt, han­delt es sich dabei um studierte Psycholog*innen, die eine Weit­er­bil­dung für Psy­chother­a­pie machen, und im Kranken­haus nor­mal mitar­beit­en. Für ihre Arbeit erhal­ten sie eine “Aufwand­sentschädi­gung” von 150 Euro im Monat – oder 1,40 Euro pro Arbeitsstunde.

Bei fast jedem ihrer acht Streik­tage waren die Therapeut*innen mit einem anderen Arbeit­skampf sol­i­darisch – zum Beispiel let­zten Mittwoch am jüdis­chen Kranken­haus. Die Gegen­seite sagt, sie will den Streik deswe­gen ver­bi­eten lassen, weil es ein “poli­tis­ch­er Streik” sei. Die Therapeut*innen ließen sich von dieser Dro­hung jedoch nicht beein­druck­en.

Richter*innen in Deutsch­land behaupten, dass Beschäftigte nicht gegen Out­sourc­ing streiken dür­fen – Aus­gliederung würde zur “unternehmerischen Frei­heit” gehören. Die Therapeut*innen streiken deswe­gen für die Ein­führung des Flächen­tar­ifver­trages – wenn der TVöD bei der Tochter­fir­ma gel­ten würde, dann wäre diese Niedriglohn-Fir­ma kom­plett über­flüs­sig.

Die CPPZ und die Char­ité ver­suchen bish­er, die Therapeut*innen mit einem Tar­ifver­trag unter TVöD-Niveau abzus­peisen. Die Kolleg*innen machen nicht den Ein­druck, als ob sie das jemals akzep­tieren wer­den. Manske sagt, sie habe die “Aus­beu­tung” ein­fach satt.

Der Berlin­er Sen­at hat nun weit­ere Gelder für die Charté an die Bedin­gung geknüpft, dass die CPPZ wieder eingegliedert wird, und dass andere Tochter­fir­men Tar­ifverträge bekom­men. Doch solche Ver­sprechen liefert die rot-rot-grüne Regierung seit über zwei Jahren – passiert ist bish­er gar nichts.

Der acht­tägige CPPZ-Streik ist erst­mal zu Ende. Aber der Arbeit­skampf geht weit­er. Eine Gele­gen­heit, um mehr Sol­i­dar­ität aufzubauen, ist am kom­menden Don­ner­stag um 18 Uhr. Ver­schiedene Grup­pen rufen zu ein­er Kundge­bung vor der Franzö­sis­chen Botschaft am Bran­den­burg­er Tor auf, um Sol­i­dar­ität mit den gel­ben West­en in Frankre­ich zu zeigen.

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