Unsere Klasse

Gelbe Westen im Krankenhaus

Therapeut*innen der Charité sind acht Tage im Warnstreik. Ihre Forderung: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" Jeden Tag unterstützen sie einen anderen Arbeitskampf.

Gelbe Westen im Krankenhaus

“Wir wollen Gle­ich­stel­lung”, sagt eine Kol­le­gin am Mega­fon, “denn wir ver­di­enen bis zu 800 Euro weniger für die gle­iche Arbeit!”

Am heuti­gen Mittwoch ver­sam­melten sich um 12 Uhr 80 Kranken­haus­beschäftigte vor dem Jüdis­chen Kranken­haus in Berlin-Wed­ding. Viele von ihnen tru­gen neon­gelbe Streik­west­en. Zwei ver­schiedene Arbeit­skämpfe waren zusam­mengekom­men:

1. Auf der einen Seite waren die Therapeut*innen der Char­ité, die die ganze Woche im Warn­streik sind. Etwa die Hälfte von ihnen ist über die hun­der­prozentige Tochter­fir­ma CPPZ angestellt – deswe­gen ver­di­enen sie so viel weniger als ihre Kolleg*innen mit Char­ité-Arbeitsverträ­gen.

2. Auf der anderen Seite waren Mitarbeiter*innen vom Jüdis­chen Kranken­haus, die sich ger­ade 30 Minuten Zeit für eine “aktive Mit­tagspause” genom­men haben. Sie haben bald Tar­ifver­hand­lun­gen und fordern Löhne nach dem Tar­ifver­trag für den Öffentlichen Dienst (TVöD).

In Wirk­lichkeit sind es nicht zwei ver­schiedene Arbeit­skämpfe, son­dern der gle­iche Kampf. In zwei öffentlichen Kranken­häusern fordern die Beschäftigten: “Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit!” Es gibt bere­its den TVöD – dieser muss für alle Beschäftigten im Kranken­haus ohne Aus­nahme gel­ten.

Die Kolleg*innen müssen mit den Geschäfts­führun­gen von Tochter­fir­men ver­han­deln. Wirk­lich etwas zu sagen haben die Vorstände der Kranken­häuser. Aber auch die sind nur ein aus­führen­des Organ. Die poli­tis­che Entschei­dungs­macht liegt beim Berlin­er Sen­at aus SPD, Linke und Grü­nen.

Der Berlin­er Sen­at hat­te vor zehn Jahren in allen Berlin­er Lan­desun­ternehmen Tochter­fir­men gegrün­det, um Tar­ifverträge zu unter­laufen und Niedriglöhne zu zahlen. Deswe­gen wurde immer wieder für die Losung gekämpft: “Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit!”

Die rot-rot-grüne Regierung ver­sprach bere­its im Wahlkampf und in ihrem Koali­tionsver­trag die Wiedere­ingliederung der Tochter­fir­men. Aber bish­er haben sie nur Ausre­den und leere Ver­sprechen geliefert. Die Arbeit­skämpfe bei der Char­ité-Tochter CFM und der Vivantes-Tochter VSG beka­men keine Unter­stützung und mussten sich mit leicht­en Lohn­er­höhun­gen – weit unter Tar­ifniveau – zufriedengeben.

Jet­zt streiken die Physio- und Ergotherapeut*innen. Ihr aktueller Warn­streik begann am Mon­tag und läuft bis zum kom­menden Mon­tag. Sie waren bere­its bei einem Lan­desparteitag der SPD, wo die Sozialdemokrat*innen auch einen Antrag beschlossen haben, der die Forderun­gen der CPPZ-Kolleg*Innen unter­stützt. Ihr Frak­tionsvor­sitzen­der Raed Saleh sagte, man sollte seine Partei “nicht an den Worten, son­dern an den Tat­en messen.”

Sehr richtig. Es sind zwei Wochen ver­gan­gen. Am Don­ner­stag spricht Saleh auf ein­er Betrieb­sver­samm­lung der CPPZ. Welche Tat­en kann die SPD, kann der Sen­at bis jet­zt vor­weisen?

Am kom­menden Mon­tag um 13.45 Uhr wer­den die CPPZ-Kolleg*innen vor der Auf­sicht­sratssitzung an der Char­ité (Char­ité­platz 1) protestieren. Hier brauchen sie so viel Sol­i­dar­ität wie möglich – von Char­ité- und anderen Krankenhauskolleg*innen, von Arbeiter*innen ander­er Betriebe und von sol­i­darischen Studieren­den. Schließlich gehen die Arbeits­be­din­gun­gen in Kranken­häusern uns alle an.

Die Charité-Manager*innen und die zuständi­gen Politiker*Innen ver­suchen seit Jahren, sich gegen­seit­ig die Ver­ant­wor­tung zuzuschieben. Sie wür­den ja gern ordentliche Löhne zahlen, aber sie hät­ten keine Möglichkeit dazu… Darauf kön­nen Beschäftigte nur antworten: Diese gle­ichen “Expert*innen” haben die Kranken­häuser zer­split­tert. Es ist ihre Auf­gabe, sie wieder zusam­men­zu­flick­en.

Und wenn sie Moti­va­tion­shil­fe brauchen, dann sind Streiks und Block­aden sehr effek­tiv. Die Kolleg*innen aus Frankre­ich in ihren gel­ben West­en zeigen das ger­ade Woche für Woche. Wenn die Bosse unsere Belegschaften spal­ten, dann kön­nen wir nur mit der größt­möglichen Ein­heit unser­er Kämpfe antworten. Die CPPZ-Kolleg*innen, die fast jeden Tag diese Woche einen anderen Arbeit­skampf unter­stützen, gehen die ersten Schritte in diese Rich­tung.

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