Brot und Rosen

Starke Frauen, starke Wirtschaft? Wir brauchen keinen CEO-Feminismus

Der Frauenkampftag lockt wie jedes Jahr Bürgerliche hinter dem Schrank hervor, die sich daran erinnern, dass Frauen auch Menschen sind. Unsere Autorin meint: Darauf können wir verzichten.

Starke Frauen, starke Wirtschaft? Wir brauchen keinen CEO-Feminismus
Bild: Simon Zamora Martin / klassegegenklasse.org

Endlich 8. März, der Tag der Blumen und Pralinen, der Tag, an dem uns das Kapital vor allem Rabatte auf Unterwäsche und Kochgeschirr schenkt. Der Internationale Frauenkampftag hat es unter dem viel weniger bedrohlichen Namen „Weltfrauentag“ aus der kommunistischen Schmuddelecke auch in den Kapitalismus des Westens geschafft. Und damit reißen auch etliche Angehörige der herrschenden Klasse die Klappe auf, um uns zu erinnern, was wir vor allem sind: Arbeiter:innen, die gefälligst zu funktionieren haben.

Peter Altmaier für das Wirtschaftsministerium: Findet Chefinnen in Männerberufen toll

„Ohne starke Frauen würde unsere Wirtschaft nicht an der Weltspitze mitspielen“, sagt Peter Altmaier. Und nutzt dies als Aufhänger, um sich bei uns für diesen wertvollen Beitrag zu bedanken. In seinem Video kommen Chef:innen typischer „Männerberufe“ zu Wort, denen er „heute mal zuhören will“.

Altmaier scheint zu glauben, demokratische Rechte müssten über Produktivität erkauft werden, eine Logik, die wir auch immer wieder in Bezug auf Geflüchtete und Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten sehen. Wir glauben das nicht.

Ach ja, und wenn wir so zentral sind – wie wäre es dann mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit? Oder dem Recht auf kostenlose, legale und sichere Abtreibung, zusammen mit guter sexualkundlicher Erziehung, sowie dem Zugang zu kostenlosen Verhütungsmitteln? Dann könnten wir gleich noch viel produktiver sein.

Angela Merkel: Warnt vor alten Rollenbildern

In ihrer Ansprache für den Frauentag äußert sich Angela Merkel besorgt über die Entwicklungen in der Pandemie – wie auch wir immer und immer wieder berichten, bleiben die Folgen, besonders die nötige Sorgearbeit in erster Linie an Frauen hängen.

Dem entgegenzusetzen hat die Kanzlerin nur einen Appell. Als würden Millionen Arbeiter:innen morgens aufwachen und sich denken: „Mensch, Pandemie, lasst mal die 1950er zurück holen!“

Kein Wort über die materiellen Bedingungen dieser Ungleichheit. Kein Wort über Lohnunterschiede, die oft dazu führen, dass im Zweifelsfall der Mann weiter arbeitet, kein Wort über das Versagen des Staates, die Betreuung der Kinder nach der Schließung von Schulen und Kitas sicher zu stellen oder die Eltern zumindest zu unterstützen.

Alte Rollenbilder aufzubrechen ist kein Appell, sondern verbunden mit dem Kampf für die Vergesellschaftung von Reproduktionsarbeit!

Google Play Store: Will, dass wir unsere Emotionen im Griff haben, und schlank und produktiv sind

Auch Google liebt uns und bereitet uns eine tolle Liste mit Inhalten für den „Internationalen Frauentag“ auf. Eine Liste mit „Apps für starke Frauen“: Drei „Mindfulness“ Apps, eine Fitness App und drei Business-Apps. In dieser Reihenfolge.

Außerdem hat Google für uns Interviews geführt, mit Chefinnen und Mitarbeiterinnen, in denen sie über ihre feministische Kapitalismusvision reden. Natürlich zusammen mit Werbung für ihre Apps.

Wow. Wir sind so inspiriert!

UN Women: Feiert die „Generation Equality“ und unser Mitwirken am System 

Seit 1975 gehört der „Weltfrauentag“ zu den offiziellen UN-„Feiertagen”. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Women in leadership: Achieving an equal future in a COVID-19 world“ (Frauen in der Führung: Eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19 Welt erreichen).

Lang und breit preisen sie Frauen und ihren wichtigen Beitrag in der Welt an: „Die vollständige und wirkungsvolle Teilhabe und Führung in allen Bereichen des Lebens treiben Fortschritt für alle voran.“

Wenn die UN-Women (UN-Frauen) davon sprechen, die Welt zu „formen“, wird schnell klar, was sie damit meinen. Teilhabe am kapitalistischen System und Mitverwaltung eben dieses Systems. Die Botschaft ist: Damit es für alle besser wird, musst du umso härter in diesem System partizipieren.

Ja, wir wollen und werden die Welt formen. Aber eine Welt, die klassenlos und befreit ist. Eine gute Welt für alle von uns, nicht nur die wenigen Frauen, die Bosse geworden sind.

Martina Merz: Feministische Rüstung mit Thyssen-Krupp

Eine weitere Vertreterin des deutschen Imperialismus, die sich zu Wort meldet, ist Martina Merz, Vorstandsvorsitzende des Rüstungskonzerns Thyssen-Krupp. In einem auf dem offiziellen Thyssen-Krupp Twitter veröffentlichten Statement spricht sie davon, dass auch ihr Konzern nicht von Sexismus frei ist, und dass Unterdrückung an vielen Achsen passieren kann.

Beides wahr, aber ziemlich wild von einer Frau, die mit den Waffen ihrer Firma auf so eine unmittelbare Weise den deutschen Imperialismus unterstützt, der in Deutschland wie in den Ländern, die er unterwirft Sexismus stützt und schützt.

Der patriarchale Kapitalismus wird nicht in einer einzelnen Firma gestürzt werden, und schon gar nicht von den Chef:innen.

Für echte Frauenbefreiung! Für den Sozialismus!

So bekommen wir keine Befreiung. Für eine wirkungsvolle Perspektive sind wir heute auf der Straße, schließ dich uns an!

Außerdem werden wir im Laufe der nächsten Tage von Aktionen und Forderungen berichten.

Schick uns gerne Material (Berichte, Fotos, Videos, Interviews, …) aus deiner Stadt, oder auch Gastbeiträge an unsere Redaktion (info@klassegegenklasse.org) über deine feministischen Kämpfe und Diskussionen!

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