Frauen und LGBTI*

Schwuler Schiedsrichter siegt vor Gericht in der Türkei

Halil Ibrahim Dinçdağ wurde vor sechs Jahren von seinem Beruf als Schiedsrichter ausgeschlossen, weil er seine Homosexualität geoutet hatte. Nun gewann er ein Verfahren gegen den Türkischen Fußballverband (TFF). Das Gericht verurteilte den Fußballverband zu einer Geldstrafe von 23.000 Lira (7.000 Euro).

Schwuler Schiedsrichter siegt vor Gericht in der Türkei

Halil Ibrahim Dinç­dağ machte 2009 große Schlagzeilen, als bekan­nt wurde, dass er auf­grund sein­er Homo­sex­u­al­ität den Kriegs­di­enst ver­weigert hat­te. Der Türkische Fußbal­lver­band leit­ete diese Infor­ma­tion an die Medi­en weit­er. Dinç­dağ war gezwun­gen, sich in voller Öffentlichkeit zu sein­er Sex­u­al­ität zu beken­nen. Er ver­lor seine bei­den Berufe als Schied­srichter und Radiomod­er­a­tor.

Linke Fußball­fans sol­i­darisierten sich mit ihm. Auch in Deutsch­land wurde er von Aktivist*innen der Gruppe „Fußball­fans gegen Homo­pho­bie“ unter anderem nach Berlin, Leipzig und Ham­burg ein­ge­laden. Für sein Engage­ment bekam er im Jahr 2014 den „Respek­t­preis“ vom „Berlin­er Bünd­nis gegen Homo­pho­bie“.

Dinç­dağ pfiff zulet­zt bei einem Fre­und­schaftsspiel am 2. Novem­ber 2015 in Izmir für Geflüchtete aus Syrien. Organ­isiert wurde dieses Spiel gemein­sam von LBGT*-Organisationen wie Kaos GL und Geflüchteteninia­tiv­en.

Nach sein­er Ent­las­sung als Schied­srichter kämpfte Halil kon­stant gegen Arbeit­slosigkeit, außer­dem war er an Krebs erkan­nt. Der 39-Jährige ist inzwis­chen wieder gesund und sagte nach dem erfol­gre­ichen Gericht­surteil:  „Der 29. Dezem­ber 2015 ist ein Sieg des Kampfes gegen die Homo­pho­bie im Fußball und für die LGBT*-Bewegung in der Türkei.“ Das Gericht hat­te den Fußbal­lver­band TFF zu ein­er Geld­strafe wegen Diskri­m­inierung verurteilt. Halils Anwalt kündigte an, dass die Höhe der Geld­strafe in der näch­sten Instanz ange­focht­en wird. Er ver­langt 110.000 Lira. Der TFF erk­lärte am fol­gen­den Tag auf sein­er Web­seite, dass er jede Forderung aus dem Gericht­surteil anerken­nen und umset­zen wird. Den­noch bleibt offen, ob Halil sofort wieder als Schied­srichter eingestellt wird.

Dieser Sieg bedeutet, dass unzäh­lige LGBT*-Menschen in der Türkei jet­zt gestärkt gegen Diskri­m­inierung am Arbeit­splatz vorge­hen kön­nen. Wir begrüßen den wichti­gen Kampf von Halil Ibrahim Dinç­dağ und von LGBT*-Menschen im Kampf um ihre Rechte.

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