Jugend

“Schüler*innen und Studierende sollen in ganz Deutschland auf die Straße gehen”

SCHULSTREIK! Ein bundesweiter Aktionstag gegen Rassismus und rechte Hetze ist für den 28. April geplant. Ein Interview mit Swantje (17), Schülerin am Sportgymnasium Magdeburg und aktiv bei den Students Against Racism.

Die Gruppe “Stu­dents Against Racism” aus Magde­burg hat sich an ein­er Kon­ferenz in Berlin beteiligt, auf der beschlossen wurde, zu einem bun­desweit­en Schul­streik aufzu­rufen. Was habt ihr vor?

Wir waren rund 40 Aktivist*innen aus ver­schiede­nen Städten, und wir haben uns vorgenom­men, ein Zeichen gegen Ras­sis­mus und für gren­zen­lose Sol­i­dar­ität zu set­zen. Am 28. April sollen Schüler*innen und Studierende in ganz Deutsch­land auf die Straße gehen. Das Bünd­nis heißt Jugend gegen Ras­sis­mus.

Bei dem Tre­f­fen haben wir konkrete Forderun­gen aufgestellt: Wir fordern volle Rechte für alle Men­schen in diesem Land und die Öff­nung der Gren­zen. Dazu fordern wir das Recht auf Arbeit und gew­erkschaftliche Organ­isierung für Geflüchtete. Uns geht es auch um die Ursachen der Flucht. Wir wollen das Ende aller Krieg­sein­sätze der Bun­deswehr und den Stopp der Rüs­tung­sex­porte.

Wie wollt ihr in weniger als vier Monat­en einen bun­desweit­en Ak­tionstag auf die Beine stellen?

Wir ver­suchen es ein­fach. Durch vorherige Aktio­nen haben wir ziem­lich gute Kon­tak­te zu vie­len begeis­terten Schülern und Studieren­den sowie zur linken Szene. Wir müssen das nicht allein schaf­fen. Wir mobil­isieren so gut wir kön­nen in Magde­burg und Umge­bung. Andere Bünd­nisse nutzen ihre Möglichkeit­en auch. In den let­zten Monat­en gab es Schul­streiks gegen Ras­sis­mus in Berlin, Ham­burg, Bre­men, Frank­furt am Main und weit­eren Städten. Wir müssen das ver­net­zen, dann wird das schon.

Was für Aktio­nen habt ihr in Magde­burg bish­er gemacht?

Die AfD und andere rechte Grup­pierun­gen sind in unser­er Stadt lei­der sehr aktiv. Deswe­gen sind wir bei den Protesten gegen den örtlichen Pegi­da-Ableger “Magi­da” dabei. Aber wir unter­stützen zum Beispiel auch Willkom­mensfeste für Geflüchtete. Unsere High­lights waren bish­er unsere drei eigen­ständig organ­isierten Schüler*innendemos. Die let­zte am 16. Dezem­ber war die bish­er größte und toll­ste: 750 junge Men­schen nah­men teil. Denn wir wollen eine Zukun­ft, in der Ras­sis­mus und rechte Het­ze keinen Platz find­en.

Wie habt ihr euch als Schüler*innen zusam­menge­fun­den, um poli­tis­che Aktio­nen zu organ­isieren – warum nicht ein­fach Klei­der­spenden?

Als vor knapp einem Jahr Pegi­da in Dres­den viel Zulauf bekam, dauerte es nicht lange, bis es auch in Magde­burg rechte Aufmärsche gab. “Magi­da” machte die rechte Szene hier wieder salon­fähig. Anfangs gab es viel Gegen­protest. Als dieser abflaute, haben wir entsch­ieden, sel­ber aktiv­er zu wer­den. Denn was nutzen Klei­der­spenden, wenn sich Geflüchtete nicht auf die Straße trauen kön­nen?

Deshalb organ­isierten wir unsere erste Schüler*innendemo. Dafür haben wir vor den Schulen plakatiert und gefly­ert. Auch Lehrer*innen haben in ihren Klassen dafür gewor­ben. Wir woll­ten nicht nur demon­stri­eren. Wir woll­ten mehr junge Men­schen motivieren, sich einzubrin­gen. Wir woll­ten frischen Wind in die linke Szene Magde­burgs brin­gen.

Die “Magi­da”- und AfD-Men­schen behaupten, sie wären für die Zukun­ft der Kinder auf der Straße. Das akzep­tieren wir nicht! Mit ihrem Ras­sis­mus wer­den sie nicht unsere Zukun­ft verbessern. Wie die ausse­hen soll, wis­sen wir selb­st am besten.

Aus unserem lock­eren Demozusam­men­schluss wuchs ein festes Team von tollen Men­schen. Wir kön­nen uns aufeinan­der ver­lassen und unsere Ideen gemein­sam auf die Straße tra­gen. Außer­dem ent­standen wirk­lich gute Fre­und­schaften.

Magde­burg hat eine starke rechte Szene. Habt ihr als anti­ras­sis­tis­che Aktivist*innen da keine Angst?

Na klar haben wir manch­mal Angst – oder zumin­d­est ein ungutes Gefühl im Bauch. Wir wis­sen, dass wir in der recht­en Szene keine Unbekan­nten sind. Es gab Dro­hun­gen, viele von uns wur­den angepö­belt, ver­fol­gt oder sog­ar kör­per­lich ange­grif­f­en.

Wir lassen uns davon aber nicht ein­schüchtern. Ganz im Gegen­teil. Diese Het­zre­den erin­nern uns immer wieder daran, wofür wir uns ein­set­zen. Wir wollen und kön­nen uns nicht damit abfind­en, dass rechte Idiot*innen durch unsere Straßen laufen. Wenn wir anfan­gen zu resig­nieren und den Kopf in den Sand steck­en, lassen wir zu, dass rechte Idioten unsere Zukun­ft gestal­ten. Die wollen wir aber in die eige­nen Hände nehmen – und der bun­desweite Schul­streik am 28. April soll ein weit­er­er Schritt in die Rich­tung sein.

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