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Rosa und Karl: Bündnis gegen Bündnis

Rosa und Karl: Bündnis gegen Bündnis

Die Neuköll­ner Kneipe Tris­teza war brechend voll, als am Don­ner­stag Abend die Frage disku­tiert wurde, wo linke Berliner­In­nen am 13. Jan­u­ar hinge­hen soll­ten: Zur tra­di­tionellen Lux­em­burg-Liebknecht-Demon­stra­tion in Friedrichshain oder zur alter­na­tiv­en, von vor­wiegend sozialdemokratis­chen Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen getra­ge­nen “Rosa und Karl”-Demonstration in Mitte? Da die Kneipe als Ner­ven­zen­trum der anti­deutschen Szene in Berlin funk­tion­iert, war das größ­ten­teils ste­hende Pub­likum mehrheitlich auf Seit­en von let­zteren.
Zur Debat­te ein­ge­laden hat­te der “Prozess für eine neue antikap­i­tal­is­tis­che Organ­i­sa­tio­nen”, ein Bünd­nis aus rev­o­lu­tionären Grup­pen, das zur LL-Demo aufruft. Auf dem Podi­um waren zwei Vertreterin­nen vom “Rosa und Karl”-Bündnis und – da wed­er vom LL-Bünd­nis noch von den beteiligten Antifa-Grup­pen Red­ner­In­nen gefun­den wer­den kon­nten – zwei Vertreter vom NAO-Prozess.

“Der zen­trale Punkt für uns ist die Abgren­zung zum Stal­in­is­mus” erk­lärte die Aktivistin von der Gruppe Cos­mo­nau­tilus, wie die Rosa und Karl-Demo ent­standen ist. Ihre Gruppe ist Teil des Linkspartei-nahen Jugend­ver­ban­des [’sol­id], der selb­st über diese Frage “ges­pal­ten” ist. Weil nach “jahre­lan­gen Bemühun­gen” immer noch Stal­in- und Mao-Bilder auf der LL-Demo gezeigt wer­den, hat­te sich ein Bünd­nis aus “emanzi­pa­torischen und linksradikalen Grup­pen” für eine Alter­na­tive entsch­ieden.

Mar­tin Suchanek vom NAO-Prozess äußerte jedoch Zweifel daran, dass die Jusos und die DGB-Jugend, die Teil des “alter­na­tiv­en” Bünd­niss­es sind, “lupen­rein emanzi­pa­torisch” seien. Er begrüßte die Kri­tik am Stal­in­is­mus, meinte aber, dass das Erbe von Rosa Lux­em­burg weit über ein Fes­thal­ten an sozial­is­tis­ch­er Demokratie hin­aus­ge­hen muss. Unter anderem nan­nte er ihre Befür­wor­tung des Gen­er­al­streiks als rev­o­lu­tionäres Kampfmit­tel und ihren Kampf gegen den Reformis­mus und für eine rev­o­lu­tionäre Partei.

Die Grup­pen im “Rosa und Karl”-Bündnis hal­ten laut Eigen­darstel­lung “am Kom­mu­nis­mus als Utopie fest”. Wie es aus dem Pub­likum hieß, ist das Prob­lem damit nicht nur, dass Stal­in und Mao eben­so am “Kom­mu­nis­mus als Utopie” fes­thiel­ten, son­dern vielmehr die Aus­sage von Marx, wonach der Kom­mu­nis­mus kein “Ide­al” ist, “wonach sich die Wirk­lichkeit zu richt­en hat”, son­dern die “wirk­liche Bewe­gung, welche den jet­zi­gen Zus­tand aufhebt.” Dadurch auf ihre Prax­is ange­sprochen, ver­wies die Naturfre­un­de­ju­gend auf ihre von der Sozialdemokratie und vom Staat finanzierten Jugend­fahrten. Auch wenn nie­mand diese Fahrten ablehnenswert fand, so sind sie auch weit vom rev­o­lu­tionären Klassenkampf, den Lux­em­burg propagierte, ent­fer­nt. Genau­so hat das “emanzi­pa­torische” Bünd­nis Grup­pen wie die Berlin­er Jusos dabei, die impe­ri­al­is­tis­che Kriege und den deutschen Mil­i­taris­mus unter­stützten. Die Bünd­nisvertreterin­nen sahen sich nicht ver­an­lasst, sich davon zu dis­tanzieren.

“Man muss sich nicht auf alles beziehen, das jemand, der 1919 gestor­ben ist, gesagt hat” hieß es dazu im Schluss­wort von den Rosa und Karl-Vertreterin­nen. Das ist wohl wahr. Die Frage bleibt aber offen, ob die sozialdemokratis­chen Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen von heute sich auf irgen­det­was beziehen, das Rosa Lux­em­burg jemals gesagt hat.

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