Frauen und LGBTI*

Rebecca und Claudia: Es sind Femizide!

Der schreckliche Fall von Rebecca hielt die Öffentlichkeit wochenlang in Atem. Nun gibt es den nächsten Fall eines Frauenmords, ohne jede Spur von der Leiche. Lasst uns klar sagen, worum es sich handelt: Frauenmorde!

Rebecca und Claudia: Es sind Femizide!

Seit über zwei Monaten wird die 15-jährige Rebecca aus Berlin bereits vermisst. Doch bisher fehlt jede Spur vom Verbleib des Mädchens. Die Familie hofft daher weiterhin, sie lebend wiederzufinden. Die offiziellen Stellen gehen jedoch von einem Tötungsdelikt aus und suchen nach der Leiche. Deshalb wurde auch eine umfassende Kennzeichenerfassung auf den Autobahnen im Raum Berlin angeordnet. Im Rahmen der Ermittlungen wurde auch zwei Mal der Schwager der Verschwundenen vorübergehend festgenommen.

Doch ob tot oder lebendig, ob der Schwager zu Recht oder zu Unrecht von den Behörden verdächtigt wird: Fest steht, dass Rebecca vor zwei Monaten zum Opfer eines Verbrechens wurde, weil sie eine Frau ist. Auch wenn bundesweit auf den Titelblättern über den Fall berichtet wurde, blieb (mit Ausnahmen) die Skandalisierung dieses Fakts aus. Daher müssen wir umso mehr auf den schrecklichen Umstand dieses skandalösen Verbrechens hinweisen.

Vor wenigen Tagen wurde ein weiterer Fall bekannt, wo eine Frau mutmaßlich ermordet wurde, ohne dass man weiß, wo die Leiche ist. Schon seit Ende März ist die 35-jährige Claudia aus Zossen verschwunden. Der Ex-Ehemann und Vater des gemeinsamen Kindes hatte sich bei seiner Vernehmung in Widersprüche verstrickt und wurde daraufhin festgenommen. Über den Tatzeitpunkt konnte er keine Angaben machen. Dabei wollte er sich mit der Mutter seiner Tochter zu einem gemeinsamen Termin an der Schule treffen. Die Behörden gehen davon aus, dass sie von ihrem ehemaligen Lebenspartner ermordet wurde.

Damit geraten in den letzten Monaten zwei Femizide im Raum Berlin in den Fokus der Öffentlichkeit. Dabei wird in Deutschland etwa alle drei Tage eine Frau durch ihren Partner oder Expartner umgebracht. Diese Zahl ist auch im globalen Vergleich relativ hoch. In Lateinamerika, wo die Zahl an Femiziden – die Ermordung von Frauen, weil sie Frauen sind – ähnlich hoch ist, kommt es regelmäßig zu massiven Mobilisierungen. Unter dem Motto #NiUnaMenos („nicht eine weniger“) wird gegen Femizide protestiert.

In Deutschland bleibt solch ein Protest häufig aus, auch weil in der öffentlichen Debatte eher von tragischen Einzelschicksalen berichtet wird. Aber die Fälle von Rebecca und Claudia (neben vielen anderen) belehren uns eines Besseren. Auch kann sich die Lage aufgrund der derzeitigen weltweiten Welle feministischer Proteste auch in Deutschland rasch ändern.

In den meisten Fällen werden die Frauen von ihrem Partner oder Expartner ermordet, nicht von „wildfremden Männern fremder Herkunft“. Die Gewalt an Frauen innerhalb der Familie ist schreckliche Realität in Deutschland. Sie ist eng verbunden mit der ökonomischen Situation von Frauen, die oftmals in Teilzeit zu schlechten Löhnen arbeiten, und aufgrund der prekären Lage am Wohnungsmarkt sich vielfach eine Trennung gar nicht leisten können. Die Unterbringung von Geflüchteten in Lagern begünstigt Gewalt gegen geflüchtete Frauen. Sie werden zudem Opfer von fremdenfeindlicher Gewalt auf der Straße.

Das ist nur ein Ausschnitt dieses ganzen Spektrums an Gewalt gegen Frauen: die Kette der Gewalt, die mit dem Femizid ihr schreckliches Ende findet. Lasst uns dagegen unsere Empörung auf die Straße tragen, als Zeichen gegen Femizide und die allgemeine Gewalt gegen Frauen.

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