Frauen und LGBTI*

Pride in Brasilien: 3 Millionen Menschen auf der Straße gegen Bolsonaro

Sao Paulo, eine Stadt, die für ihre Pride-Märsche bekannt ist, brach in diesem Jahr alle Rekorde: Mehr als 3 Millionen Menschen marschierten letzten Sonntag zum 50. Jahrestag von Stonewall gegen Jair Bolsonaro.

Pride in Brasilien: 3 Millionen Menschen auf der Straße gegen Bolsonaro

Am ver­gan­genen Son­ntag ver­sam­melte der LGBTI-Pride-Marsch in Sao Paulo mehr als 3 Mil­lio­nen Men­schen. Der Marsch pro­duzierte mit sein­er riesi­gen Teilnehmer*innenzahl beein­druck­ende Bilder, anlässlich des 50-jähri­gen Jubiläums von Stonewall – einem Auf­s­tand gegen die Polizeire­pres­sion gegen trans und homo­sex­uelle Men­schen in den USA, der den Beginn ein­er starken Welle des Kampfes für die LGBTI-Emanzi­pa­tion markiert.

In Brasilien find­et Pride heute in einem anges­pan­nten Kon­text statt, da mehrere Ereignisse die Grun­drechte von LGBTI-Per­so­n­en in Frage stellen. Erstens der Amt­santritt von Jair Bol­sonaro, einen recht­sex­tremen Präsi­den­ten, der enge Verbindun­gen zur Kirche unter­hält und nicht zögert, Aufrufe zur medika­men­tösen Behand­lung und Ermor­dung von Homo­sex­uellen zu machen. Aber auch die Ermor­dung von Marielle Fran­co, ein­er schwarzen les­bis­chen linksradikalen Aktivistin im März 2018, die das Bünd­nis der in Rio de Janeiro operieren­den paramil­itärischen Kräfte mit dem brasil­ian­is­chen Staat verurteilte.

Die brasil­ian­is­che LGBTI-Bewe­gung, die im ver­gan­genen Okto­ber Teil der Anti-Bol­sonaro-Bewe­gung “Ele Nao” war, zeigt ein­mal mehr ihre Stärke, indem sie für ihr Recht auf Respekt und Würde gegen die reak­tionäre Poli­tik des brasil­ian­is­chen Präsi­den­ten kämpft. Mit der Über­nahme der Fack­el von Stonewall weist sie den Weg zu ein­er Repoli­tisierung der LGBTI-Bewe­gung, die auf inter­na­tionaler Ebene von vie­len Regierun­gen koop­tiert und in die Staat­spoli­tik inte­gri­ert wurde. Davon zeugt zum Beispiel Israels Pink-Wash­ing und der rosa Kap­i­tal­is­mus, der unsere Iden­titäten und Sex­u­al­itäten kom­merzial­isiert und instru­men­tal­isiert, um neue Märk­te zu erschließen, aber auch um andere Bevölkerungs­grup­pen bess­er zu unter­drück­en.

Mit ein­er Abwech­slung aus Tanz und Slo­gans wandten sich die Teilnehmer*innen des Pride-Marsches in Sao Paulo radikal gegen das LGBTI-feindliche, ras­sis­tis­che und sex­is­tis­che Pro­jekt der Bol­sonaros und Trumps. Ihre Slo­gans schall­ten: “Lasst uns unsere Scham in Stolz ver­wan­deln!” und “Ele nao, Bol­sonaro raus!”

Dieser Artikel erschien in län­ger­er Fas­sung zuerst auf Franzö­sisch bei Révo­lu­tion Per­ma­nente.

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