Jugend

Marxismus im 21. Jahrhundert: Hunderte Jugendliche nehmen an Online-Lesekreis von KGK Campus teil

Die aktuelle Krise macht vielen Arbeiter:innen und Jugendlichen deutlich, dass der Kapitalismus für sie nur mehr Ausbeutung und Unterdrückung bereit hält. Viele suchen deshalb nach Auswegen aus der Krise. Seit mehreren Wochen beteiligen sich Hunderte Jugendliche an einer Lesekreis-Reihe von Klasse Gegen Klasse Campus, die mit Hilfe des Marxismus Antworten auf die Fragen der gegenwärtigen Situation gibt.

Marxismus im 21. Jahrhundert: Hunderte Jugendliche nehmen an Online-Lesekreis von KGK Campus teil

Die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie ist ernüchternd – neben der Krise, die vom Virus ausgeht, hat die arbeitende Bevölkerung mit Entlassungen, Prekarisierung und einer großen aufkommenden Perspektivlosigkeit zu kämpfen. Jugendliche trifft es dabei besonders hart: erhöhter Druck durch Online-Schule und Uni, viele haben ihre Nebenjobs, wie in der Gastronomie, verloren und leiden immer häufiger unter psychischen Problemen. Doch als wäre das nicht schon schlimm genug, wird die Jugend auch besonders häufig als Sündenbock in der Corona-Krise genutzt. Und das, obwohl immer mehr bekannt wird, dass vor allem in nicht-systemrelevanten Betrieben, die trotz fast 1.000 Coronatoten täglich immer noch nicht geschlossen werden, größte Ansteckungsgefahr herrscht.

Gleichzeitig sind die Jugendlichen aber Teil und Motor wichtiger demokratischer Kämpfe – erinnern wir uns an das Engagement bei Fridays for Future oder die Unterstützung der Black Lives Matter Bewegung im Sommer diesen Jahres. Die Jugend sucht nach Antworten auf die Krisen, die sie besonders hart treffen werden – der Klimawandel, der die Lebensgrundlage selbst bedroht, oder auch die verstärkte Ausbeutung durch die Kapitalist:innen, wie sie durch die zunehmende Prekarisierung oder die Erhöhung des Rentenalters durchgesetzt wird. Es ist klar, dass die Jugend, die so stark von den gegenwärtigen und zukünftigen Krisen betroffen ist, im Zuge der aktuellen Situation den status quo des kapitalistischen Systems immer mehr in Frage stellt. Das neoliberale Märchen vom “Ende der Geschichte”, von der Alternativlosigkeit des Kapitalismus, als “bestes aller Systeme”, wird von der Jugend als das entlarvt, was es ist: Eine Lüge.

Der aufgezwungene ideologische Konsens über die Unmöglichkeit des Sozialismus, den die Vertreter:innen des bürgerlichen Staates weiterhin aufrecht erhalten wollen, bröckelt. Lange konnten sie zwar von der Karikatur des Sozialismus der stalinisierten Sowjetstaaten profitieren, die sie als das notwendige Resultat jeder sozialistischen Bestrebung verkaufen konnten. Doch produziert der Kapitalismus, um mit Karl Marx zu sprechen, immer noch seine eigenen “Totengräber”. Im Zuge der stetig wiederkehrenden und sich verschärfenden Krisen, die der Kapitalismus in den letzten Jahren hervorgebracht hat, wenden sich erneut immer größere Teile der Jugend den Ideen des Sozialismus denjenigen Theoretiker:innen und Revolutionär:innen zu, die schon seit mehr als hundert Jahren für eine klassenlose Gesellschaft kämpfen.

Im Zuge dieses Prozesses veranstalten wir als Klasse Gegen Klasse Campus seit einem Monat eine Workshop-Reihe, die sich mit der Aktualität und Relevanz des Marxismus im 21. Jahrhundert beschäftigt. Gemeinsam mit über 100 Teilnehmenden diskutieren wir über die Grundlagen der marxistischen Gesellschaftsanalyse sowie über die wichtigsten strategischen Debatten des Marxismus. Gestützt auf Texte von Marx, Engels, Luxemburg, Lenin, aber auch auf aktuellere Artikel aus dem Internationalen Zeitungsnetzwerk von Klasse Gegen Klasse führen wir Debatten über die drängendsten Fragen der Gegenwart. Der revolutionäre Marxismus liefert dabei immer noch gültige Antworten auf die Fragen des Staates, der Polizei(-gewalt), des Rassismus, der Spannung zwischen Reform und Revolution.

Anhand des “Kommunistischen Manifestes” stellten wir fest, dass der Klassenkampf der “Motor der Geschichte” ist, der heute im Kampf zwischen den Kapitalist:innen und den Arbeiter:innen ausgetragen wird. Der bürgerliche Staat steht dabei nicht getrennt von der Klassengesellschaft, sondern fungiert als “Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet” (Marx/Engels). Dies sieht man an den Rettungen von Banken und Konzernen durch staatliche Gelder während der Weltwirtschaftskrise ab 2007/08 oder aktuell während der Corona-Pandemie. Die Proteste gegen rassistische Polizeigewalt auf der ganzen Welt machen wiederum den gewalttätigen Charakter der bürgerlichen Herrschaft gegenüber den Ausgebeuteten und Unterdrückten deutlich.

Während besonders im akademischen Kontext die Tendenz besteht, den Marxismus entweder gänzlich hinter sich zu lassen, oder ihn von den realen Klassenkämpfen zu entkoppeln, verstehen wir unseren Lesekreis nicht als Baustein für einen akademischen Elfenbeinturm, sondern als Aneignung der marxistischen Theorie, die eine klare Anleitung zum revolutionären Handeln aufzeigt, um den Kapitalismus zu stürzen. Es geht darum, die Kämpfe der Arbeiter:innenklasse und der Unterdrückten zu untersuchen, um Schlussfolgerungen für die aktuellen und kommenden Bewegungen und Aufstände zu geben, die den Kapitalismus endgültig auf den Friedhof der Geschichte verbannen können.

Der Marxismus präsentiert sich dabei nicht als eine Strömung unter vielen, sondern vermittelt diejenigen Ideen, die uns die Werkzeuge an die Hand geben, um die individualisierenden, reformistischen und staatstragenden Visionen der prominentesten Strömungen innerhalb der Linken zu analysieren und zu überwinden. Der Lesekreis ist in diesem Sinne auch ein Ort des klaren ideologischen Kampfes mit der Perspektive der revolutionären Organisierung, die notwendig ist, wenn wir die Welt – um es mit Marx zu sagen – nicht nur verschieden interpretieren, sondern auch verändern wollen.

Wir laden alle, die sich für den revolutionären Marxismus interessieren dazu ein, auch jetzt noch an unserem Lesekreis teilzunehmen. Es stehen uns noch einige spannende Sitzungen bevor, konkret wird es beim nächsten Treffen um die Grundzüge der marxistischen Staatstheorie gehen, die wir uns mittels Lenins “Staat und Revolution” aneignen wollen.

Falls ihr dabei sein wollt, könnt ihr uns auf Instagram, Facebook, Telegram oder per Mail eine Nachricht zukommen lassen. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, hier die Inputs der letzten Sitzungen nachzuholen, um euch auf den aktuellsten Stand zu bringen.

Workshop-Reihe: Der Marxismus im 21. Jahrhundert

Nächster Termin: Montag, 11.01., 18:30 Uhr

Thema: Grundlagen der marxistischen Staatstheorie

Zoom-Link nach Anmeldung über Social Media oder per Mail erhältlich

 

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