Kein Tarifvertrag, kein Kaffee: Starbucks-Beschäftigte streiken in den USA

17.11.2025, Lesezeit 6 Min.
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Foto: LM/ Left Voice

Letzten Donnerstag nahmen in den USA Starbucks-Beschäftigten und ihre Unterstützer:innen an landesweiten Demonstrationen statt. Diese waren der Startschuss für einen unbefristeten Streik. Ein Sieg für die Starbucks-Beschäftigten wäre nicht nur ein Sieg für sie, sondern für die gesamte Arbeiter:innenbewegung.

Am Donnerstag Nachmittag versammelten sich in der herbstlichen Kulisse Brooklyns (New York City) die Starbucks-Beschäftigten, um ihren unbefristeten Streik zu starten. Kolleg:innen aus 25 Städten in den USA wollen sich beteiligen. Dem Guardian zufolge nahmen am ersten Streiktag über tausend Personen teil. Seit über einem Jahr verhandeln sie ihre Forderungen mit der Firma, bislang ohne Erfolg. Die Arbeiter:innen fordern bessere Bezahlung, mehr Personal, bessere Arbeitszeiten. Und dass der Konzern Verantwortung für die unzähligen Fälle übernimmt, wo das Arbeitsrecht missachtet wurde, vor allem bezüglich Union Busting.

92 Prozent der Starbucks-Mitarbeiter:innen stimmten dafür, den Streik zu beginnen. Dieser startete am „Red Cup Day“, einem Tag, den Starbucks besonders bewirbt und wo sie hohe Gewinne generieren. Die Streikenden baten darum, in Solidarität mit dem Streik Starbucks so lange zu boykottieren, bis der Streik gewonnen ist.

Auf der Demo waren neben den Streikenden auch Mitglieder anderer Gewerkschaften und solidarische Unterstützer:innen anwesend. Unter den Unterstützer:innen waren auch Mitglieder von Left Voice, der Schwestergruppe von Klasse Gegen Klasse aus den USA, anwesend. Rami Saied arbeitet seit zwei Jahren bei Starbucks und sagte in einem Videointerview: 

Es gibt in New York und im ganzen Land eine Lohnkrise, sodass das Geld nicht mehr zum Leben reicht. Die Menschen verdienen nicht mehr genug und Trump hatte versprochen, das zu ändern und die Lebensstandards zu verbessern – das ist einer der Gründe, warum er die Wahl gewonnen hat. Der Weg, wie wir gute Arbeitsbedingungen und Löhne bekommen von denen wir leben können, ist nicht die Anpassung an Trumps Rhetorik. Stattdessen müssen wir die Gewerkschaften und die Linke stärken.

Drei simple Forderungen, ein gieriger CEO

Obwohl die Gewerkschaft seit über einem Jahr für ihre Hauptforderungen kämpft, weigert sich Starbucks noch immer, ihr entgegenzukommen.

Stattdessen verfolgt der CEO Brain Niccol eine Verkaufsstrategie mit dem Namen „Back to Starbucks“. Diese wurde entwickelt, damit sich die Firma von sechs Quartalen sinkender Verkaufszahlen in Folge erholen kann. Für die Beschäftigten bedeutet diese Strategie, konstant unterbesetzt zu arbeiten und gleichzeitig eine höhere Arbeitslast durch neue Anforderungen. So müssen sie beispielsweise auf jeden Becher nicht nur den Namen der Person, sondern eine persönliche Nachricht schreiben. 

Während seine Angestellten mit dem starken Personalmangel und einem Hungerlohn zu kämpfen haben, verdient Niccols mehr als 6.000 mal so viel Geld wie die:der durchschnittliche Barista bei Starbucks. Der Einschätzung der Gewerkschaft nach würden die Erfüllung der Forderungen weniger Geld kosten, als Niccols im letzten Jahr in nur vier Monaten verdient hat (eine unfassbare Summe von 98 Millionen US-Dollar). Niccols hat einen Privatjet, mit dem er regelmäßig nach Seattle fliegt (wo sich das Starbucks-Hauptquartier befindet). Dies unterstreicht die Absurdität der Behauptung, dass Starbucks kein Geld hätte, um die Forderungen ihrer Beschäftigten zu erfüllen.

In der Realität sind Niccol und seine Geschäftspartner nicht nur gierig – sie haben auch Angst. Wenn die Beschäftigten den Kampf um den Tarifvertrag, den sie verlangen, gewinnen, würde es einfacher werden, sich in jedem Starbucks-Geschäft in den USA und der ganzen Welt gewerkschaftlich zu organisieren. Ein Sieg könnte die ganze Arbeiter:innenbewegung inspirieren und ermutigen. Diese besteht aus Millionen von Arbeiter:innen, die unzufrieden sind und bereit sind, gegen die Ausbeutung durch ihre Bosse und die Sparpolitik und den Rassismus von Trump und der Rechten zu kämpfen.

Das bedeutet, dass Arbeiter:innen und Linke den Kolleg:innen bei Starbucks helfen müssen, Niccols größte Albträume wahr werden zu lassen. 

Die Kämpfe verbinden – über Landesgrenzen hinweg

Anfang des Jahres rief die Gewerkschaft der Starbucks-Beschäftigten in Chile dazu auf, gegen Prekarität und geringe Bezahlung zu kämpfen. Sie erhielten solidarische Botschaften von den Kolleg:innen aus den USA. Der damalige Vorsitzende der US-Starbucks-Gewerkschaft, Antonio Páez, sagte in einem Video über den Streik in Chile:

Ihr Kampf ist auch unserer Kampf. Denn wenn Arbeiter:innen irgendwo auf der Welt sich gegen Prekarität erheben, tun sie es für uns alle. Grenzen trennen uns nicht (…) Starbucks ist ein multinationaler Konzern, dessen Geschäftsmodell die Prekarität ist (..) Deshalb ist dieser Streik größer als die einzelnen Geschäfte, oder die einzelnen Länder. Es ist ein Kampf für die Würde einer ganzen Generation von Arbeiter:innen.

Die Starbucks-Beschäftigten in den beiden Ländern vereint nicht nur ähnliche Streikziele, sondern auch ihre Unterstützung für Rechte für trans Personen und für die Befreiung Palästina. 

Starbucks Workers United (die US-Gewerkschaft) wird schon lange von queeren jungen Menschen angeführt. Sie sind Teil einer Generation von Arbeiter:innen, die die Brutalität und die Ausbeutung des Kapitalismus bekämpfen wollen. In diesem Sinne ist ihr Streik Teil des größeren Kampfes gegen weitere Prekarität und für die Rechte von multi-ethnischen, migrantischen, queeren Arbeiter:innen und Jugendlichen.

Dieser Streik findet auch während der durchgängigen Angriffe der Trump-Regierung und der extremen Rechten statt. Die ICE-Behörde terrorisiert migrantische Arbeiter:innen im ganzen Land und Trump nutzt Kürzungen in Medicare (staatliche Krankenversicherung), um die Gesundheitsversorgung von trans Personen anzugreifen. Seine Angriffe sind unbeliebt, und Hunderttausende haben bei den No Kings Demonstrationen und anderen Protesten ihre Bereitschaft, dagegen zu kämpfen, gezeigt. Damit diese Bewegungen stärker werden, muss sich die Arbeiter:innenbewegung mit ihnen verbinden.

Die Energie und Kraft der Starbucks-Beschäftigten hat das Potential, die Arbeiter:innenbewegung neu zu beleben. Diese muss sich unbedingt erheben und sich den Angriffen entgegenstellen. Der Streik bei Starbucks muss verbunden werden mit den bereits stattfindenden Kämpfen gegen Union Busting, Kürzungen, Abschiebungen und Repressionen. Das ist essentiell, um die Kampfkraft der gesamten Arbeiter:innenklasse zu stärken.

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