Deutschland

Jutta Ditfurth gemeinsam mit AfD, CDU und “Junge Freiheit” gegen die Rechte der Palästinenser*innen

Für ihre Hetze gegen den revolutionären 1. Mai in Berlin bekommt Jutta Ditfurth viel Zustimmung – von der bürgerlichen Mitte bis zur extremen Rechten bestätigen alle den Vorwurf, dass die antikapitalistische Demo "antisemitisch verhetzt" sei.

Jutta Ditfurth gemeinsam mit AfD, CDU und

Dit­furths Beitrag auf Face­book zog Schlagzeilen nach sich: In der Berlin­er Zeitung, in der BZ (aus dem Haus Springers) sowie in der recht­sex­tremen “Jun­gen Frei­heit” [let­ztere Pub­lika­tion wer­den wir nicht ver­linken]. Das ras­sis­tis­che Het­zblatt zitierte Hans-Joachim Berg von der AfD und Kurt Wanser von der CDU, die sich hin­ter Dit­furth stell­ten.

Der stel­lvertre­tende AfD-Vor­sitzende Berg argu­men­tiert für ein Ver­bot der Demo:

Wenn selb­st für diese linksradikalen Ver­bände um Jut­ta Dit­furth der offene Anti­semitismus des 1.-Mai-Bündnisses nicht mehr trag­bar ist, dann sollte der Sen­at auch endlich han­deln. Die Kreuzberg­er 1. Mai-Demo gehört unter­sagt.

Der rechte CDU-Abge­ord­nete Wanser zweifelt an der Effek­tiv­ität eines Ver­botes, aber stimmt grund­sät­zlich zu:

Die Ver­nich­tung Israels zu fordern, ist so ziem­lich das Schlimm­ste, was man in unserem Land fordern kann. (…) Wer in eine solche Rich­tung argu­men­tiert, stellt sich selb­st außer­halb der Gesellschaft und hat in unserem Land nichts mehr ver­loren.

Worauf stützt sich der Vor­wurf des Anti­semitismus? Einzig und allein auf die Tat­sache, dass die Gruppe FOR Pales­tine am Bünd­nis teil­nimmt. Diese Gruppe tritt für die “Abschaf­fung” des Staates Israel ein. Wie FOR Pales­tine im Inter­view mit Klasse Gegen Klasse erk­lärte:

Den Staat Israel möcht­en wir durch einen einzi­gen Staat erset­zen, in dem alle Einwohner*innen des Lan­des gle­ich­berechtigt leben kön­nen, egal welch­er Herkun­ft, Eth­niz­ität oder Reli­gion.

Das ist eine schlichte demokratis­che Forderung: Die Palästinenser*innen, die unter der Herrschaft des israelis­chen Staates leben, soll­ten die gle­ichen demokratis­chen und sozialen Rechte haben wie israelis­che Staatsbürger*innen.

Die prozion­is­tis­che Front aus Dit­furth, AfD, CDU und “Junge Frei­heit” stellt sich gegen diese ele­mentare demokratis­che Forderung. Für sie ist die Abschaf­fung des zion­is­tis­chen Staates gle­ichbe­deu­tend mit der Aus­löschung aller jüdis­chen Men­schen.

Aber ein Staat­sap­pa­rat ist nicht das Gle­iche wie seine Unter­ta­nen. Die Abschaf­fung des Apartheid-Staates in Südafri­ka führte nicht zum Tode aller weißen Südafrikaner*innen. Und diesen Unter­schied müsste Dit­furth, die sich zumin­d­est früher als Linksradikale ver­stand, eigentlich ken­nen. Sie hat selb­st die Abschaf­fung des Kap­i­tal­is­mus gefordert – meinte sie damit den Mord an allen Men­schen, die unter kap­i­tal­is­tis­ch­er Herrschaft leben? Hof­fentlich nicht.

Dieses “Missver­ständ­nis” ist beab­sichtigt. Jede Kri­tik am zion­is­tis­chen Staat soll als Anti­semitismus abgestem­pelt wer­den. Denn die herrschende Klasse in Deutsch­land ste­ht bedin­gungs­los zum Staat Israel – diese Poli­tik wird von allen Parteien, von der AfD bis zur Linkspartei, mit­ge­tra­gen. Deswe­gen muss Dit­furth gar keine Belege für ange­blichen Anti­semitismus liefern – die Argu­men­ta­tion ken­nt jede*r bere­its aus der Bild-Zeitung, der Abend­schau, dem Schu­lun­ter­richt usw..

Diese kom­plette Umdeu­tung des Anti­semitismus ver­harm­lost die reale anti­semi­tis­che Gewalt in Deutsch­land. Nur so ist es möglich, dass Dit­furth die Diskus­sion im Bünd­nis für den rev­o­lu­tionären 1. Mai als “anti­semtisich ver­het­zt” beze­ich­nen kann – die ver­meintlichen Opfer dieses “Anti­semitismus” (also der Kri­tik am Staat Israel) seien Dit­furth und ihr Häu­flein, während unter den angeblichenTäter*innen jüdis­che Men­schen sind.

Dass der Zion­is­mus in Deutsch­land nicht hin­ter­fragt wer­den soll, hat ver­schiedene Gründe. Der Staat Israel ist eine zen­trale Säule der impe­ri­al­is­tis­chen Herrschaft in ein­er rohstof­fre­ichen und bedeu­ten­den Region. Aber es geht nicht nur um Geopoli­tik: Die Unter­stützung aller Parteien in Deutsch­land für die rechte Regierung in Israel hat auch eine ide­ol­o­gis­che Kom­po­nente. Damit soll antimus­lim­is­ch­er Ras­sis­mus im Sinne ein­er ver­meintlich “jüdisch-christlichen Kul­tur” geschürt wer­den. Diese Posi­tion ver­tritt die AfD beson­ders lei­den­schaftlich: Frauke Petry fuhr nach Tel Aviv und bei Pegi­da wer­den Israel-Fah­nen geschwenkt.

Nun, Dit­furth ist nicht die erste klein­bürg­er­liche Linke aus Deutsch­land, die zuerst ihre Liebe zum Staat Israel ent­deckt, aber bald auch fest­stellt, dass der Staat Israel von impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en wie Deutsch­land und den USA unter­stützt wird. Bald wird sie sich zu allen kap­i­tal­is­tis­chen Staat­en und beson­ders zur BRD beken­nen – wenn sie das nicht jet­zt schon tut. Von daher ist es nur fol­gerichtig, dass sie sich öffentlich aus allen linken Zusam­men­hän­gen mit linkem Anspruch ver­ab­schiedet.

Vor sieben Jahren sprach Dit­furth noch beim rev­o­lu­tionären 1. Mai in Berlin. Die Rede war phrasen­haft und lang­weilig. Wir sagen noch: Tschüss!

Nach­trag: Das Bild stammt von der 1. Mai-Demo – in Tel Aviv. Wahrschein­lich find­et Dit­furth auch diese Demo “anti­semi­tisch ver­het­zt”. Vielle­icht wird sie zusam­men mit Netan­jahu auf ein Ver­bot hin­wirken. Dit­furth ist sol­i­darisch mit dem kap­i­tal­is­tis­chen Staat Israel – wir mit der rev­o­lu­tionären Linken in diesem Land!

5 thoughts on “Jutta Ditfurth gemeinsam mit AfD, CDU und “Junge Freiheit” gegen die Rechte der Palästinenser*innen

  1. DaFrogg sagt:

    Ach, sie frönt doch schon dem Kap­i­tal­is­mus. Wer das Finanzkap­i­tal und seine Auswirkun­gen auf die glob­alen Entwick­lun­gen kri­tisiert, meint ange­blich damit das Finanzju­den­tum. Somit ist jed­er, der offen Kri­tik an Speku­lanten, etc. übt in ihren Augen Anti­semit. Ist mir so von ihr per­sön­lich an den Kopf gek­nallt wor­den, jegliche sach­liche Diskus­sion wurde als “Kinder­garten” abge­blockt… Wer zu weit nach links geht, kommt irgend­wann rechts wieder raus, triffts aus­nahm­sweise mal genau…

  2. Dietmar Lange sagt:

    Ich empfinde es als schmerzhaft, mitzuer­leben, wie ein Men­sch, den ich geschätzt habe, hin­ter seine eige­nen Ein­sicht­en und Erken­nt­nisse zurück­fällt. Wie kommt sowas zus­tande? Natür­lich ist dies viel ärg­er­lich­er, als wenn jemand etwas nie begrif­f­en hat­te. Eine solche Wand­lung wie die von Jut­ta D. ist begleit­et von dem Geruch des wider besseren Wis­sens anständi­ge Men­schen vorsät­zlich schlecht zu machen, und das stinkt mir.
    Im Übri­gen finde ich es unmöglich, im Kon­flikt zwis­chen Zion­is­ten und Palästi­nensern eine Hal­tung einzunehmen, die sich aus dem eige­nen schlecht­en Gewis­sen ob unser­er Nazi-Ver­gan­gen­heit ableit­et, aber zur Lösung des Kon­flik­ts abso­lut nichts beiträgt.
    Ger­aubtes Land bebauen,das kann kein Weg zum Frieden sein! Haben wir das nicht auch gemein­sam mit unseren franzö­sis­chen Nach­barn gel­ernt?

  3. Martinka sagt:

    was für ein übler Quatsch, der jede Diskus­sion ent­behrt. Wer Israel mit jedem anderen Staat gle­ich set­zt, hat defin­i­tiv etwas nicht ver­standen. In diesem Sinne: lest und bildet euch!
    Jut­ta hat berechtigte Kri­tik ange­bracht, die zur Diskus­sion gehört. Pegi­da und andere Nation­al­is­ten dage­gen instru­men­tal­isieren Israel für ihren Hass auf alles was mus­lim­is­che!

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