Jugend

FU lässt besetzten Hörsaal mit Polizei räumen — weitere Aktionen angekündigt

Nach der erfolgreichen Besetzung an der HU regt sich auch Protest in der Studierendenschaft an der FU. Am Dienstag besetzten Studierende der FU den Hörsaal 1a um ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen und für mehr Freiräume zu streiten. Trotz Räumung wird der Protest fortgesetzt.

FU lässt besetzten Hörsaal mit Polizei räumen - weitere Aktionen angekündigt

Pünk­tlich zum Semes­ter­start um 12:00 Uhr erk­lärten ca. 50 Studierende den Hör­saal 1a der FU Berlin für beset­zt. Inspiri­ert von der erfol­gre­ichen Beset­zung des Insti­tuts für Sozial­wis­senschaften (ISW) an der HU im ver­gan­genen Semes­ter wurde am Mon­tag Abend über die Face­book Seite von holm bleibt und unter dem Hash­tag #fube­set­zt zu der Beset­zung aufgerufen. Diese sollte in diesem Fall nicht als Reak­tion auf ein konkretes Ereig­nis dienen, son­dern wurde als Offen­sive gese­hen, um einen Freiraum zu erkämpfen und vielfältigem Unmut Aus­druck zu ver­lei­hen. Bei ein­er Vol­lver­samm­lung um 18:00 Uhr wur­den einige der drän­gend­sten Punk­te, wie die intrans­par­enten und undemokratis­chen Hochschul­verträge, die Neolib­er­al­isierung der Uni, Kriegs­forschung, über­füllte Sem­i­nare, undemokratis­che Struk­turen etc, noch ein­mal zur Sprache gebracht. Konkrete poli­tis­che Forderun­gen wur­den jedoch nicht aus­for­muliert. Statt dessen wurde die Fort­führung der Beset­zung als Möglichkeit betont, einen Freiraum zu bieten um mit­tel­fristig Per­spek­tiv­en eine Uni von Unten aufzubauen zu disku­tieren. Allerd­ings fehlte trotz der Bezug­nahme auf die vor­ange­gan­gene Bewe­gung am ISW jegliche reale Verbindung zu einem konkret stat­tfind­en­den Kampf oder der Dynamik ein­er aktuellen Bewe­gung. Damit war diese Aktion von vorn here­in dazu ver­dammt, isoliert zu sein und keine eigene Kampf­per­spek­tive für Arbei­t­ende und/oder Studierende außer­halb eines kleinen Kreis­es von Politaktivist*innen anbi­eten zu kön­nen.

Räumung schon am ersten Abend

Diese Iso­la­tion­hat schließlich auch dazu geführt, dass die Uni­ver­sität­sleitung schon am sel­ben Abend der Aktion ein vor­läu­figes Ende bere­it­en kon­nte. Gegen 21:00 Uhr stell­ten sich Vertreter*innen der FU vor (Kan­z­lerin Bör, Vizepräsi­dentin Schütt), und erk­lärten die Kom­mu­nika­tion zu suchen. Den Besetzer*innen war­fen sie dabei vor, keine konkreten Forderun­gen zu stellen und damit ein Ent­ge­genkom­men der Unileitung zu ver­hin­dern. Schnell stellte sich jedoch her­aus, dass die Anwe­sen­heit der FU-Vertreterin­nen kein ernst gemeintes Gespräch­sange­bot darstellte. Sowohl die Kan­z­lerin, zuständig für die Infra­struk­tur, deren Haupt­sorge die pünk­tliche Schließung der Gebäude und die Sauberkeit der Möbel war, als auch die Vizepräsi­dentin, zuständig für die Koor­dinierung der Forschung, wären auch in der Anwe­sen­heit von konkreten Forderun­gen völ­lig unfähig gewe­sen Ver­hand­lun­gen zu führen. Dies wurde auch durch offen­sichtlich falsche Behaup­tun­gen ihrer­seits (z. B. Anwe­sen­heit­spflicht sei nicht mehr Prax­is an der FU) verdeut­licht. Die Auf­gabe der FU-Vertre­tung war dem­nach nicht in ein Gespräch zu treten, son­dern das schon am Mit­tag aus­ge­sproch­ene Ulti­ma­tum, den Raum bis 22:00 Uhr zu räu­men, durchzuset­zen. Dies wurde schließlich auch mit Hil­fe von etwa 100 Polizist*innen umge­set­zt, die bere­its vor der Tür bere­it standen. Dieses kom­pro­miss­lose, harsche und anti-demokratis­che Vorge­hen verdeut­licht den tief reak­tionären Charak­ter des FU-Prä­sid­i­ums, was wir an dieser Stelle ein­deutig zurück­weisen und verurteilen. Die ca. 30 Besetzer*innen entsch­ieden sich angesichts dieser Über­ma­cht den Hör­saal vor­erst zu ver­lassen, sich am näch­sten Tag jedoch wieder zusam­men zu find­en, um die Per­spek­tive für die Weit­er­führung des Protests zu disku­tieren.

Der Protest geht in die zweite Runde

Bei der Diskus­sion am fol­gen­den Tag wurde der Man­gel ein­er poli­tis­chen und strate­gis­chen Klarheit erkan­nt, eine bre­ite Unter­stützung unter der Studieren­den­schaft für eine Beset­zung zu erre­ichen, was eine pos­i­tive Entwick­lung darstellt. Um die Diskus­sion über Missstände an der Uni­ver­sität, mögliche Alter­na­tiv­en und Strate­gien zu deren Umset­zung in die Bre­ite zu tra­gen, wird es in den kom­menden Tagen einen offe­nen Anlauf­punkt vor dem Hör­saal 1a geben. Dort haben Studierende bis Dien­stag die Möglichkeit Prob­leme, Erfahrun­gen und Lösungsstrate­gien auszu­tauschen und zu bün­deln. Dieser offene Aus­tausch soll als Vor­lauf zu ein­er großen Ver­samm­lung am Dien­stag dienen, in der das weit­ere Vorge­hen disku­tiert und beschlossen wer­den soll. Dieses Plenum sollte die Per­spek­tive des Auf­baus ein­er Massen­be­we­gung in den Vorder­grund stellen, welche sich mit ein­er klar­eren poli­tis­chen und strate­gis­chen Aus­rich­tung um die Verbindung mit anderen aktuellen Kämpfen bemüht, wie jen­er der stu­den­tis­chen Beschäftigten, der Kolleg*innen am Botanis­chen Garten, der Char­ité oder bei Vivantes, und sich auf eine bre­ite Unter­stützung in der Studieren­den­schaft stützt.

Kom­mende Ter­mine im Überblick:
* Jeden Tag bis Dien­stag, den 25.04.:
Offen­er Anlauf­punkt (Couch­café) vor dem Hör­saal 1a mit offen­em Plenum um 14:00 Uhr.
* Dien­stag, den 25.04. um 14:00 Uhr:
Große Ver­samm­lung zur Weit­er­führung und Konkretisierung des Protests.

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