Jugend

#FridaysForFuture: 25.000 junge Menschen in Berlin rufen erneut “Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!”

Nachdem schon vor zwei Wochen in Berlin bis zu 25.000 junge Menschen gegen die herrschende Klimapolitik auf die Straße gegangen sind, füllte heute erneut mindestens dieselbe Anzahl an Demonstrant*innen die Straßen Berlins. Eine beeindruckende Ausdauer – auch mit radikalen Parolen.

#FridaysForFuture: 25.000 junge Menschen in Berlin rufen erneut

“Wir sind glob­aler, als es jemals eine Bewe­gung war”, rief Luisa Neubauer bei der Auf­tak­tkundge­bung im Invali­den­park den tausenden Jugendlichen zu, die sich dort schon einge­fun­den hat­ten. Vor allem Schüler*innen aus dutzen­den Sekun­darschulen, aber auch aus vie­len Grund­schulen, sowie Studierende aus Uni­ver­sitäten und auch Arbeiter*innen waren vor Ort. Selb­st die “Omas for Future” unter­stützten den Protest gegen die herrschende Klimapoli­tik. Aktivist*innen aus mehreren Län­dern, unter anderem aus Polen und Großbri­tan­nien, bestätigten das Bild des inter­na­tionalen Protests.

Beein­druck­end war – wie schon in den ver­gan­genen Wochen – die riesige Zahl an kreativ­en Schildern, mal witzig, häu­fig alarmierend, aber immer wieder auch sehr radikal. Die Jugendlichen macht­en klar, dass ihnen die Antworten der Herrschen­den auf ihren Protest nicht aus­re­icht­en. Der Ruf, der immer wieder durch die Men­gen schallte, war ein­fach, aber ein­dringlich: “Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukun­ft klaut!”

Beson­ders groß war am heuti­gen Fre­itag jedoch der Presse­an­drang, da Gre­ta Thun­berg, die 16-jährige schwedis­che Kli­maak­tivistin, eben­falls an der Demon­stra­tion teil­nahm. Ihre Präsenz war sich­er mit dafür ver­ant­wortlich, dass die Zahlen von der bish­er größten #Fri­daysFor­Future-Demo in Berlin vor zwei Wochen möglicher­weise noch übertrof­fen wur­den. Doch dazu wim­melte die ganze Demo nur so von Fotograf*innen, Journalist*innen und Fernsehkam­eras. Bei der Abschlusskundge­bung sprach Gre­ta vor 25.000 ver­sam­melten Men­schen und prangerte an, dass angesichts der “größten Krise der Men­schheit” und trotz der bish­eri­gen Bewe­gung noch keine Antwort von Seit­en der Politiker*innen gekom­men sei. Doch die bish­eri­gen Proteste seien nur der Anfang vom Anfang.

Erneut wurde klar, dass eine ganze neue Gen­er­a­tion zum poli­tis­chen Leben erwacht. Beson­ders bestechend: Ihre Ungeduld gegenüber den bish­er gegebe­nen, unzulänglichen, reformistis­chen Antworten auf die Kli­makrise. Mit beein­druck­ender Aus­dauer zeigen sie, dass eine grundle­gende Alter­na­tive notwendig ist. Sicher­lich sind längst nicht alle, die mit #Fri­daysFor­Future auf die Straße gehen, Antikapitalist*innen – doch trotz der Dom­i­nanz reformistis­ch­er NGOs bei den Protesten zeigten die Stim­mung, die Schilder und die Parolen ein großes Anküp­fungspoten­zial, um die Grund­steine für eine Radikalisierung der Umwelt­be­we­gung zu leg­en. Hör­bar war dies beispiel­sweise an den immer wieder erschal­len­den “A, Anti, Anticapitalista”-Rufen, oder auch an dem Spruch: “Ob Kohle aus der Mine oder Kohle aus der Bank, bei­des macht uns krank, bei­dem fehlt die Liebe.”

Was für eine Per­spek­tive das sein kann, erk­lärten vor kurzem die Schüler*innen der marx­is­tis­chen jugend in München, die eben­falls heute wieder, gemein­sam mit 1.000 anderen Jugendlichen, in München auf die Straße gin­gen.

Im Kap­i­tal­is­mus gibt es keine Lösung für die Kli­makrise, denn der Kap­i­tal­is­mus ist sowohl auf die Aus­beu­tung der Arbeiter*innen, als auch auf die Aus­beu­tung der Natur angewiesen. Die Fol­gen des Kli­mawan­dels sind zwar hier in Europa noch nicht so zu spüren, aber in den Län­dern der Periph­erie sind sie nicht mehr zu überse­hen. Der Kli­mawan­del verur­sacht Naturkatas­tro­phen die Mil­lio­nen von Men­schen dort zwin­gen ihre Heimat zu ver­lassen. Es ist die Poli­tik der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en, deren große Konz­erne die Natur und die Men­schen in den Hal­bkolonien und Kolonien aus­beuten, die für die Zer­störung der Umwelt dort ver­ant­wortlich ist. Dieses Ver­hält­nis zwis­chen den schlecht­en Arbeits­be­din­gun­gen, aus denen die Kapitalist*innen ihren Prof­it schaf­fen, und der Aus­beu­tung der Natur wird in diesen Län­dern noch deut­lich­er. Wie uns das Beispiel vom Damm­bruch in Minas Gerais zu Beginn des Jahres zeigt, bei dem das deutsche Unternehmen TÜV Süd eine Mitver­ant­wor­tung trägt, ken­nt die Prof­it­gi­er dieses Sys­tems keine Gren­zen. Die neolib­eralen Refor­man­sätze der Regierung, die ver­suchen den Kap­i­tal­is­mus ein wenig grün­er zu machen, haben hinge­gen keine Strate­gie. Deshalb sehen wir im Kap­i­tal­is­mus keine Lösung der Kli­makrise. Der Kampf für das Kli­ma muss also ein antikap­i­tal­is­tis­ch­er und anti­im­pe­ri­al­is­tis­ch­er Kampf sein.

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