Frauen und LGBTI*

Fluchtursache Sexualität

Geflüchtete Menschen werden vom Staat und rechten Organisationen als mehrheitlich junge Cis-Männer dargestellt. Doch viele fliehen vor Unterdrückung aufgrund ihrer Sexualität.

Fluchtursache Sexualität

Wenn wir in Berlin über unsere Erfahrungen mit Homo- und Transphobie sprechen, sind das Erfahrungen von gesellschaftlicher Unterdrückung, gegen die wir gemeinsam kämpfen. Doch in vielen anderen Ländern ist das Leben als LGBTI*-Mensch tödlich. In etlichen halbkolonialen Ländern steht Homosexualität entweder immer noch unter Strafe oder wird als heilbare Krankheit angesehen. Nicht selten wurde dabei die Kriminalisierung von Homosexuellen vom Imperialismus in diese Ländern exportiert – besonders der britische Imperialismus ist hier zu nennen.

In Ländern, die vom Imperialismus ausgebeutet werden, leiden vor allem LGBTI*-Menschen. „Entwicklungshilfe“ bedeutet den Export der westlichen Kultur. Sprich: die bürgerliche Familie wird noch stärker idealisiert und verbreitet, als es in imperialistischen Staaten der Fall ist. Heterosexismus erfüllt für die herrschende Klasse eine enorm wichtige Funktion: Wenn Frauen* unbezahlte Reproduktionsarbeit (kochen, putzen, Kinder erziehen, …) leisten, haben die Kapitalist*innen unbegrenzten Nachschub an Arbeitskräften, die sie für ihren Profit ausbeuten können. In imperialistischen und technisch hoch entwickelten Ländern ist es oft nicht mehr notwendig, dass diese Rollen so strikt eingehalten werden.

Doch in halbkolonialen Staaten wird alles daran gesetzt, diese Unterdrückung aufrecht zu erhalten, damit die Bourgeoisie Teile ihrer Profite nicht für z.B. staatlich geförderte Kindergärten ausgeben muss. Dieses Familienbild stellt für alle Betroffenen ein Problem dar, jedoch bedeutet es für Menschen, die darin keinen Platz haben, nicht selten, dass sie keine Lebensgrundlage besitzen. Insbesondere für lesbische Frauen*, die ihre Rolle als „Mutter“ nicht wahrnehmen und auch nicht als Ehefrau leben möchten, ist ihre Sexualität häufig der Grund für den Ausschluss aus sozialen Strukturen. Auch Trans-Menschen, die nicht in das Weltbild der jeweiligen religiösen Institution passen, leiden unter einer besonderen Unterdrückung.

Das bedeutet für uns, aufzuzeigen, dass Heterosexismus nicht natürlich ist, sondern ein Exportprodukt der imperialistischen Gesellschaften. Auch deshalb muss der Kampf um die internationale Befreiung aller LGBTI*-Menschen für uns hier im imperialistischen Zentrum Europas beginnen.

Heterosexismus als Norm des Asylrechts

Für Menschen, die vor dieser Unterdrückung fliehen, beginnt in Deutschland jedoch kein besseres Leben Wenn sie ihren Asylantrag stellen, wird gefordert, dass sie den entsprechenden Behörden ihre eigene sexuelle Orientierung/ihr Geschlecht offen legen oder im Zweifel „beweisen“ müssen. Wenn Menschen aus sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“ einen Asylantrag stellen, wird zunächst vermutet, dass kein Asylgrund vorläge. Asylsuchende müssen nachweisen, dass sie politisch verfolgt werden. Das ist für LGBTI*-Menschen doppelt schwer, da es oft keine legale Organisationsmöglichkeit für sie in ihren Herkunftsstaaten gibt. Hier angekommen forderten Behörden und Gerichte, z.B. Fotos oder Videos von nicht-heterosexuellen Handlungen. Das ist in der Form seit 2014 nicht mehr legal. Nachfragen müssen sich Geflüchtete dennoch weiterhin Fragen gefallen lassen. Zu verlangen, dass Menschen ihre Sexualität beweisen, ist Diskriminierung! Schließlich würde auch keine Behörde auf die Idee kommen, Beweise für die Heterosexualität eines Menschen zu fordern.

LGBTI*-Befreiung ist anti-staatlich!

Heteronormativität bedeutet unter anderem, dass es als normal und natürlich angesehen wird, wenn ein „Mann“ und eine „Frau“ gemeinsam Kinder bekommen und in einer amourösen Beziehung leben. Alle anderen Lebensformen und Sexualitäten werden diskriminiert, was zum Einen an dem Verbot von gleichgeschlechtlicher Ehe erkennbar ist oder an Beleidigungen wie „Schwuchtel“. Es ist bezeichnend, dass dieses Schimpfwort eines der am häufigsten gebrauchten Beleidigungen in der deutschen Gesellschaft ist – aber es ist für uns gleichzeitig ein Zeichen, gegen jegliche Formen von Alltagssexismus noch stärker zu kämpfen!

Wir wissen dabei, dass dieser Staat nicht den Kampf gegen Heterosexismus führen wird. Der Erhalt der bürgerlichen Kleinfamilie liegt im Interesse des Staates, der seine Existenz sichern will, die ohne Unterdrückung nicht möglich ist. Nicht umsonst stellt der Staat den Schutz der Familie gesetzlich unter Schutz, während in den gleichen Gesetzen LGBTI*-Menschen diskriminiert werden.

LGBTI*-Menschen besonders in der Situation der Flucht haben Interessen, die sich gegen den Staat richten, wie auch alle anderen Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser Welt. LGBTI*-Geflüchtete brauchen die Möglichkeit, sich zu organisieren, damit sie gemeinsam kämpfen können. Deshalb treten wir für LGBTI*-Räume ein. Das bedeutet auch, dass wir für eine dezentrale und selbstverwaltete Unterbringung in Wohnungen für Geflüchtete eintreten. Denn Übergriffe sind leider auch unter Geflüchteten keine Seltenheit. Die Grundlage für diese Angriffe werden jeden Tag durch Überausbeutung, Diskriminierung und Illegalisierung durch imperialistische Staaten gelegt. Deshalb können wir den Kampf gegen Heterosexismus nur gegen, nicht mit dem deutschem Staat führen.

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