Deutschland

Die Vergesellschaftung des Wohnraums würde dem Klima helfen

Jeden Werktag machen sich in Berlin Hunderttausende Menschen quer durch die Stadt auf den Weg zur Arbeit. Ich hab Kolleg*innen, die jeden Tag zwei Stunden im Auto verbringen um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Das produziert Tonnen an CO2.

Die Vergesellschaftung des Wohnraums würde dem Klima helfen

Viele prekär Beschäftigte müssen weit draußen wohnen, weil sie sich die Mieten in der Stadt nicht leis­ten kön­nen. Das gilt auch für die vie­len Kolleg*innen an lan­de­seige­nen Kranken­häusern und Unternehmen.

Stellen wir uns für einen Moment vor, 250 000 Arbeiter*innen wür­den vom Sen­at dabei unter­stützt, in die Nähe ihres Arbeit­sortes zu ziehen. Die Voraus­set­zung dafür wäre Wohn­raum in öffentlich­er Hand sowie unbe­fris­tete und sichere Arbeitsver­hält­nisse, die eine langfristige Pla­nung ermöglichen. Nimmt man die Ein­hal­tung der Kli­maziele wirk­lich ernst, müsste man auch darüber disku­tieren, ob die Stadt Berlin ihre Steuerungsmöglichkeit­en bei Ein­stel­lun­gen nicht dahinge­hend nutzen sollte, dass Men­schen aus dem direk­ten Umfeld des Arbeit­sortes bei Ein­stel­lun­gen bevorzugt behan­delt wer­den.

Ein großer Teil des Verkehrs würde ein­fach weg­fall­en und der öffentliche Nahverkehr wäre auf einen Schlag attrak­tiv­er. Über­füllte Busse und Bah­nen wür­den der Ver­gan­gen­heit ange­hören! Dies wäre auch eine Ent­las­tung für die Beschäftigten der Berlin­er Verkehrs­be­triebe.

Die Kli­maziele kön­nen also nur erre­icht wer­den, wenn Wohn­raum bezahlbar bleibt und wenn die Arbeits­be­din­gun­gen verbessert wer­den. Prekäre und befris­tete Jobs sor­gen dage­gen dafür, dass die Men­schen weite Streck­en zur Arbeit zurück­le­gen, denn den Wohnort wech­selt man nur für gute Arbeit mit langfristiger Per­spek­tive. Daher ist das Bild, das im Berufsverkehr tagtäglich sicht­bar wird nicht nur aus ökol­o­gis­ch­er Sicht beden­klich. Es ist eine direk­te Folge von prekären und unsicheren Arbeits­be­din­gun­gen.

Die Kam­pagne “Deutsche Wohnen und Co. enteignen” und die Schul­streiks “Fri­days for Future” sind daher zwei Seit­en ein­er Medaille. Daher unter­stützen Beschäftigte der BVG die streik­enden Schüler*innen und fordern einen mas­siv­en Aus­bau des Nahverkehrs, mit neuen Arbeit­splätzen und guten Löh­nen.

#Work­ers­For­Future lautet daher die Losung, denn als Arbeiter*innen wollen wir Klim­agerechtigkeit und suchen den Schul­ter­schluss zu den streik­enden Schüler*innen. Wir benöti­gen die Verge­sellschaf­tung der Immo­bilienkonz­erne und die Rück­führung der aus­ge­lagerten Betriebe, um durch eine Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen – und dazu gehört auch der Anfahrtsweg – alles in eine kli­mafre­undliche Rich­tung zu lenken.

Beson­ders die Grü­nen, aber auch alle anderen Parteien, müssen deshalb die Verge­sellschaf­tung des Wohn­raums vorantreiben und prekäre Arbeit bekämpfen. Arbeits­be­din­gun­gen und eine ökol­o­gis­che Lebensweise, ste­hen in einem direk­ten Zusam­men­hang. Steuerungsmöglichkeit­en etwas zu verbessern, hat der Sen­at aber nur da, wo er die Ver­ant­wor­tung nicht an die Pri­vatwirtschaft abgegeben hat.

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