Deutschland

Der “White Noise” des Terrors

Gut zwei Wochen sind seit dem Anschlag in Halle vergangen. Penelope Kemekenidou von Brot und Rosen und Gender Equality Media zieht eine Bilanz über die Medienberichterstattung der Tat.

Der

Beitrags­bild: Screen­shot aus dem Man­i­fest

16 Tage ist es nun her, dass Bal­li­et zwei Men­schen erschossen hat. Die Mel­dun­gen über die selb­st ernan­nte “Niete” sind omnipräsent, wieder­holen sich. Er ist Anti­semit, recht­sradikal, da ist man sich einig. Manch­mal find­et sich in den Mel­dun­gen auch irgend­was mit Gamern und Gewalt in Spie­len. Man kann sie gar nicht mehr auseinan­der­hal­ten; wie white noise, Störg­eräusche im Hin­ter­grund, über­schla­gen sich die Mel­dun­gen, die sich so gle­ichen, dass sie zu einem einzi­gen Sur­ren verblassen. Am Ende weiß man sehr viel über den Täter und doch sehr wenig, es scheint kom­pliziert. Veroni­ka Kracher, Exper­tin für recht­en dig­i­tal­en Ter­ror, veröf­fentlicht wenige Stun­den nach der Tat eine sehr gute Analyse des Täterum­felds auf face­book–  der post wird bei NSU watch und tagesspiegel gespiegelt. Aber seit­dem fol­gte keine weit­ere umfassende Analyse des Geschehens. Statt Klarheit zu schaf­fen, wer­den immer mehr Expert*innen zu Einze­laspek­ten befragt, die die Diskus­sion in ver­schieden­ste Winkel lenken.

Dabei nen­nt Bal­li­et sowohl im Video als auch in seinem Man­i­fest sehr klar, was sein Feind­bild ist. Es sind Jüd*innen, der Fem­i­nis­mus, und Marxist*innen. Aus seinen Aus­sagen wird unmissver­ständlich klar, Bal­li­et ist ein Faschist. Doch statt ein­er Diskus­sion um den Faschis­mus in Deutsch­land beobacht­en wir eine Frag­men­tierung der Debat­te, die zeigt, dass der derzeit­ige Diskurs keine Antwort auf den Faschis­mus und seine Nieten hat. Aber auch, wieso er sie auch gar nicht haben kann.

 

angry white Nieten

Hass ist das, was Män­ner wie Bal­li­et antreibt, aber dessen Form wird oft missver­standen. In der Woh­nung des Täters sollen die Polizist*innen später Zettel find­en, auf denen “Niete” ste­ht. Der Münch­n­er Merkur und die Ermittler*innen kön­nten ent­fer­n­ter von der Wahrheit nicht sein, wenn sie diese als geplante Belei­di­gung für die ein­tr­e­f­fende Polizei inter­pretiert. Das Video in dem Bal­li­et sich selb­st etliche Male als “Los­er” tit­uliert, ist schon seit Beginn der Tat im Umlauf. Mit “Niete” meint er nur sich selb­st.

Bal­li­et ist in den Sphären der incel com­mu­ni­ty unter­wegs. Incels, ein Kof­fer­wort aus „invol­un­tar­i­ly celi­bate“, also „unfrei­willig enthalt­sam“, das sind Män­ner, die man weitläu­fig unter die angry white males eingliedert: weiße Män­ner, die sich von der Gesellschaft ver­rat­en, verkauft, bestohlen fühlen. Sie sehen sich als die Ver­lier­er des Sys­tems, die Nieten, die Los­er. Incels speziell fühlen sich beson­ders ihres Rechts auf die Ver­füg­barkeit von Frauen* [Anm. der Red.: das Sternchen ist hier bewusst geset­zt, denn für diese Men­schen zählt als „Frau“ nur, wen sie als solche lesen, egal ob zurecht oder nicht], Geld und Macht beraubt, und sehen dabei das größte Prob­lem im Aufkom­men des Fem­i­nis­mus. Für sie sind Frauen* generell Unter­men­schen, die es zu unter­jochen gilt. Dabei wird nicht nur die Tren­nung zwis­chen Mächti­gen und benachteiligten Män­nern aufgemacht – in der Ide­ologe der Incels spielt Ras­sis­mus eine zen­trale Rolle. Die zu Grunde liegende poli­tis­che The­o­rie kommt aus Frankre­ich und ist unter dem “Großen Aus­tausch” bekan­nt, und ist im Grunde betra­chtet nur ein facelift des Begriffs der “Umvolkung”. Die Kernide­olo­gie der neuen Recht­en geht auf ein Essay von Renaud Camus zurück, der ein führen­des Mit­glied der recht­sna­tion­al­is­tis­chen Klein­partei Sou­veraineté, iden­tité et lib­ertés (SIEL) ist. Es ist eben diese Ide­olo­gie die der Täter in seinem Video zum Aus­druck bringt:

„Hal­lo, mein Name ist Anon. Ich denke, der Holo­caust ist nie passiert. Fem­i­nis­mus ist die Ursache des Abstiegs des West­ens, der als Sün­den­bock für Massen­mi­gra­tion agiert. Und die Wurzel aller aller dieser Prob­leme ist der Jude. Wollen wir Fre­unde sein?“

Bis­lang wurde das Aus­maß antifem­i­nis­tis­ch­er Gewalt banal­isiert, max­i­mal anek­do­tisch ange­merkt, jedoch nicht in einen Kon­text geset­zt. Auch dieses Mal wird in allen Bericht­en Bal­li­ets Anmerkung zu Fem­i­nis­mus aufgenom­men, jedoch nicht weit­er behan­delt. Bal­li­ets Antifem­i­nis­mus scheint dabei eher wie ein Teil seines Anti­semitismus, sein­er recht­en Gesin­nung. Antifem­i­nis­mus ist aber kein Neben­pro­dukt, son­dern zen­traler Teil des Faschis­mus. Der­selbe Fehler wurde schon bei dem Christchurch Atten­tat began­gen, der eben­so vom “Großen Aus­tausch” redete. Elliot Rodger, als “incel Held” gefeiert, scheint auch schon längst vergessen. Er tötete 2018 aus Rache für seine Jungfräulichkeit Schü­lerin­nen sein­er Schule sowie vier junge Män­ner. In seinem Man­i­fest schrieb er: “Wie kann ein schwarz­er Junge eine Frau bekom­men und ich nicht?”. All diese Män­ner haben sich als Ver­lier­er des Sys­tems ver­standen, die sich etwas beraubt fühlten, was ihnen ihrer Mei­n­ung nach eigentlich zus­tand. Bal­li­et selb­st nen­nt sich im Video auch immer wieder “Los­er” – er schafft es “zu wenige” zu erschießen, kommt nicht in die Syn­a­goge. “Ein­mal Ver­lier­er, immer Ver­lier­er”, sagt er am Ende. Bal­li­ets Tat ist getränkt im “Loser”-Narrativ. “Ver­sager”, “Niete” –  diese Begriffe tür­men sich in seinem Sprachge­brauch. Ihn also nicht unter den Aspekt der incels und des Antifem­i­nis­mus zu prob­lema­tisieren, macht es unmöglich, Täter wie ihn zu ver­ste­hen, und damit auch unmöglich eine Antwort auf seinen Faschis­mus zu find­en.

 

Die Mutter ist Schuld. Die Mutter ist Schuld?

Während eine Unfähigkeit zu beste­hen scheint, die Tat unter diesem fem­i­nis­tis­chen  Aspekt zu sehen, ver­fällt ger­ade die Berichter­stat­tung in einem Frauen­magazin in einen Fehler, der hier fast schon zynisch wirkt.

“Ich bin eine Mut­ter. Ich bin eine ehe­ma­lige Lehrerin. […] Schuld ist die Mut­ter des Atten­täters Stephan B., […] Ich ver­schwende kein Wort an ihn. Ich empöre mich über seine Mut­ter.”

Das sind die Worte ein­er TV-Mod­er­a­torin in einem Gast­beitrag der SUPER­il­lu. Das Bild des angry white male, des Mannes, der wütend ist, der zurück­ge­lassen von der Gesellschaft in einem blutrün­sti­gen Massen­mord ver­fällt, enthält oft eine ele­mentare Kom­po­nente: an diesen “Losern” der Gesellschaft, haben natür­lich auch immer die Müt­ter Schuld. In Amer­i­can Psy­cho sowie in der neuen Jok­er Ver­fil­mung sehen wir, dass zu einem weißen, amok­laufend­en Mörder, auch immer eine Mut­ter gehört, die Teil des Prob­lems ist, die das Indi­vidu­um krank gemacht hat. Und so kommt es, dass der Fokus auch dieses Mal auf der Suche nach ein­er Antwort, die Frage nach der Mut­ter fällt. Für die TV-Mod­er­a­torin ste­ht fest:

„Niete“ stand auf den Zetteln, die ihr Sohn über­all in der Woh­nung hin­ter­ließ. Das sind Sie, Frau B., eine Niete. Jed­er einzelne Zettel ist für Sie bes­timmt. NIETE.”

Der vom Autor Philip Wylie in den 50er Jahren geprägte Begriff des momism scheint heute vergessen, die Ide­olo­gie blieb aber offen­bar blendend erhal­ten. Damals dachte man für die Masse an depres­siv­en, nicht belast­baren jun­gen Män­nern, die desil­lu­sion­iert und ambi­tion­s­los auf den amerikanis­chen (Nachkriegs-)Arbeitsmarkt blick­ten, endlich einen Grund gefun­den zu haben: die Müt­ter. Die Väter waren (fast) alle im Krieg gewe­sen, und die Jun­gen mussten  von den Müt­tern alleine großge­zo­gen wer­den. Diese kon­nten natür­lich als Frauen*, den jun­gen Män­nern nicht in ihrer kör­per­lichen und psy­chis­chen Entwick­lung das geben, was “echte” Män­ner braucht­en. Stattdessen hat­ten sie die ver­we­ich­lichte, also weib­liche und „hys­ter­ische“ Erziehung der Mut­ter allein zu erdulden. Es ist beze­ich­nend, dass sich diese Denke ger­ade in Frauen­magazi­nen erhal­ten hat.

Mit dem Aus­lassen der Debat­te über Bal­li­ets Antifem­i­nis­mus wird es unmöglich gemacht, auf das Nar­ra­tiv der “Niete” und diese krankhafte Sicht der Männlichkeit einzuge­hen. Ohne aber den Blick auf diese, kann man den Faschis­mus gar nicht behan­deln. Das fällt inner­halb ein­er poli­tis­chen Land­schaft natür­lich schw­er, die selb­st von antifem­i­nis­tis­chen Struk­turen geprägt ist. Dass das Recht auf Abtrei­bung in den USA wieder zurückgenom­men wird, in Polen Sex­u­alkunde in der Schule unter Strafe gestellt wer­den soll, in Deutsch­land Abtrei­bung nicht legal­isiert wird, ist eine Rück­kehr zu faschis­tis­chen Ide­olo­gien und Teil des Abbaus der demokratis­chen Rechte.  Um also eine rel­e­vante Debat­te über “Nieten” wie Bal­li­et führen zu kön­nen, müssen wir zum einen über den Man­gel an fem­i­nis­tis­chen Debat­ten sprechen, und welche Rolle die Rechte der Frauen* für eine gle­ich­berechtigte Gesellschaft haben.

 

„Kill a jewess, Kill a communist“

Zurück aber zum Anfang – die Tat geschah an Jom Kip­pur, dem höch­sten jüdis­chen Feiertag, Bal­li­et plante die Attacke bei ein­er Syn­a­goge. Es ist unter anderem das Scheit­ern der 3D Plas­tik­waf­fen, das mehr Opfer ver­hin­dert hat. Nach der Tat an Jom Kip­pur ist es Notwendigkeit und Pflicht, den Anti­semitismus ver­stärkt ins Visi­er zu nehmen. Fast alle Medi­en nan­nten die Tat zurecht anti­semi­tisch und recht­sradikal. Fast alle haben den Tenor, man müssen nun dem Anti­semitismus „etwas“ ent­ge­genset­zen. Dass eigentlich in keinem Artikel genau ste­ht, wie dieser Kampf ausse­hen soll, zeigt aber, dass der Kampf gegen Anti­semitismus, getren­nt von der Frage des aufkeimenden Faschis­mus in Deutsch­land, kaum zu lösen ist. Neben „Kill a jew­ess“ find­et sich so auch „Kill a com­mu­nist“ im Man­i­fest. Bal­li­et fol­gt der Idee vom “Großen Aus­tausch”. Für ihn sind “die Juden” der Grund dafür, dass er im Leben scheit­ert, pri­vat wie ökonomisch. NEET und Nieten, diese bei­den Begriffe wer­den in faschis­tis­chen Foren fast gle­ichge­set­zt. NEET, das bedeutet “Not in Employ­ment, Edu­ca­tion, or Train­ing”. Dabei fühlen sich Jugendliche zurecht nicht abge­holt. Die Auf­stände und Streiks nehmen weltweit von Tag zu Tag zu und wer­den von den jew­eili­gen Staat­en gewalt­sam niederge­drückt: Chile, Libanon, Ecuador, um nur wenige der let­zten Tage zu nen­nen.

Ein Auszug aus dem Man­i­fest Teil „Achieve­ments“

Es ist der Man­gel an ehrlichen, und der Über­fluss an hege­mo­ni­alen Debat­ten über die momen­tane poli­tis­che Krise, die es Faschist*innen leicht macht, NEETs ihre Ide­olo­gie aufzuschwatzen, und sie zu ihren “Nieten” zu machen. Nehmen wir den Kampf gegen Anti­semitismus also ernst, so kann die Antwort nicht die sein, nur für einen dif­fusen, ver­stärk­ten Kampf “gegen Anti­semitismus” zu appel­lieren. Für eine voll­ständi­ge Antwort auf Anti­semitismus bräuchte es im Jour­nal­is­mus auch eine voll­ständi­ge Sys­temkri­tik, die die The­men der “NEETS” auch auf­greift. Statt Sys­temkri­tik, ver­lagerte man die let­zten Tage jedoch die Diskus­sion wieder auf zweitrangige The­men. Durch den Fokus auf die Gamer Szene und die “Gam­i­fizierung des Ter­rors”, wurde ein Ersatzdiskurs geschaf­fen, der eben diese Sys­temkri­tik schachmatt set­zt.

 

Nicht nur Gamer, sondern Soldat

Es ist wahr, dass die Tat für ein weltweites Pub­likum geplant war, über Foren wie 4chan oder twitch, Kom­mu­nika­tion­splat­tfor­men, die in der Gamer Szene beliebt sind. Der Täter nen­nt sich selb­st anon, in Image Boards, wie 4chan kurz für “anony­mous user”. In seinem Man­i­fest  spricht er von “body counts”, also von High-Scores für Morde. Die Kam­er­ap­er­spek­tive erin­nert an die von Kriegsspie­len. Diese Ästhetik wird unter dem Begriff des “gam­i­fi­ca­tion of ter­ror” zusam­menge­fasst – also dass Gewalt und Krieg, sich der Sprache und des Looks von (Konsolen-)spielen bedi­enen. Statt des Beginns ein­er poli­tis­chen Debat­te, ver­lagert sich der Fokus wieder auf die Gam­ing Indus­trie, und auf die Frage der indi­vidu­ellen psy­chis­chen Labil­ität von Gamer*innen. Es wird darüber debat­tiert, welche Rolle Spiele spie­len, und wie viel Ein­fluss die Ästhetik und Sprache dieser Spiele auf Men­schen hat. Doch hier herrscht in den Medi­en eine Falschdarstel­lung vor: die Gam­i­fizierung des Ter­rors kam nicht durch die Spiele in den Ter­ror. Diese Ästhetik kommt aus dem Mil­itär selb­st, und fand erst so ihren Weg in die Spiele. Bal­li­et war nicht nur Gamer, son­dern auch bei der Bun­deswehr.

Kriegsspiele sind so designt, dass sie der Real­ität möglichst nah kom­men. Dazu gehört auch die zu belohnen, die am meis­ten der Feinde umbrin­gen. Eine Gamerin stellt dabei eines klar: “die Idee des High-Score-Knack­ens ist nicht dem Inter­net entsprun­gen. Es wurde lediglich vom Mil­itär­we­sen adap­tiert. “ Im zweit­en Weltkrieg kul­minierte der body count bei den Wehrma­cht und Ein­satz­grup­pen, die die Morde an Jüd*innen genau kat­a­l­o­gisierten. Flieger auf Seit­en der Amerikan­er als auch der Deutschen, macht­en sich Strich­lis­ten auf ihre Flieger der abgeschosse­nen Geg­n­er, einen Score über ihren Wert wurde damals schon angelegt. Zwei Offiziere in Nanking hat­ten 1937 einen Wet­tbe­werb darüber, wer zuerst hun­dert Men­schen mit dem Schw­ert in Chi­na töten würde – und die Toky­ot­er Zeitung berichtete darüber, wie über ein Sportereig­nis. Die Methodik ver­fes­tigte sich dann vor allem während des Viet­nam Kriegs, um die Moti­va­tion unter den Sol­dat­en aufrechtzuer­hal­ten, die unter Dro­gen das My Lai Mas­sak­er verübten.

 

Warification, statt Gamification

Die Debat­te um die gam­i­fi­ca­tion of ter­ror trägt fälschlicher­weise dazu bei, den Ursprung der Gewalt in der Entwick­lung der Gam­ing Szene zu sehen. Sie beraubt der Prob­lematik somit ihrer his­torischen Dimen­sion, und hil­ft so, den wahren Ursprung und Nutznießer dieser Ästhetik zu verdeck­en: das Mil­itär. Statt über die prob­lema­tis­che Gam­ing Indus­trie, sollte man also über die fortschre­i­t­ende war­i­fi­ca­tion, also ein­er Ästhetisierung des Krieges der Gesellschaft, durch das (deutsche) Mil­itär sprechen. Gam­i­fi­ca­tion of ter­ror ist eine For­ten­twick­lung, eine neue (dig­i­tal­isierte) Facette der Ästhetisierung des Kriegs, die Gewalt und Mil­itär attrak­tiv­er machen soll. Die deutsche Bun­deswehr wirbt genau­so wie viele andere mit dieser gam­i­fizierten Ästhetik.  “Mul­ti­play­er at it´s best” kann man auf Plakat­en der Bun­deswehr lesen, YouTube Sendun­gen wie man Hand­granat­en wirft, zum Teil aus Gam­ing Per­spek­tive gedreht, gehören zum “Info­ma­te­r­i­al”. “Mein näch­stes Ziel” ist dabei der But­ton zum näch­sten Video. Auch Bal­li­et war bei der Bun­deswehr, und war von dieser Ästhetik ange­sprochen; er hat­te sich auch kurz für eine Aus­bil­dung bewor­ben.

Als Faschist nutzt Bal­li­er gezielt diese Kriegsäs­thetik, um sein Pub­likum anzus­prechen. Was ihn aber zur Tat motivierte, war nicht die Ästhetik von Spie­len, son­dern seine Überzeu­gung für den Faschis­mus. Die Debat­te um die Gam­ingszene  führt dazu, dass wir über fanatisierte Gamer*innen und ein­er Ästhetik der Gewalt reden, wenn es eigentlich darum gehen sollte, dass ger­ade eine neue Welle der inneren Mil­i­tarisierung in Deutsch­land stat­tfind­et. Nie­mand wird wegen ein­er ansprechen­den Ästhetik zu Massen­mörder. Mit der Debat­te um die Ästhetik in der Gam­ing Kul­tur, ignori­eren wir die Frage der Ide­olo­gie, die hin­ter den Tätern steckt. Die Ästhetisierung des Kriegs ist ele­men­tar für Deutsch­land, die USA und andere impe­ri­al­is­tis­chen Län­der, und deshalb auch vom Mil­itär ange­facht. Wir soll­ten über gam­i­fi­ca­tion of ter­ror sprechen – aber in dem Kon­text, wer denn ger­ade ein Inter­esse an der war­i­fi­ca­tion, also an der Ästhetisierung des Kriegs hat. Das bedeutet, kon­se­quent über die Rolle der Bun­deswehr bei der Jugend und die innere Mil­i­tarisierung zu sprechen, statt primär über Com­put­er­spiele und Spieler*innen.

 

Dem White Noise zum Trotz

Frag­men­tierte Diskurse hüllen den Faschis­mus in ein Störg­eräusch von Einzelde­bat­ten, sodass er unent­deckt weit­er gedei­hen kann. Es macht keinen Sinn Bal­li­et isoliert unter dem Aspekt des Anti­semitismus, Antifem­i­nis­mus oder der war­i­fi­ca­tion zu disku­tieren, denn es ist nicht ein Teil davon, der ihn kom­plett erk­lären kann. Bal­li­et beg­ing diese Tat nicht “nur” als ein psy­chisch labil­er Gamer, oder “nur” als ein wüten­der, ras­sis­tis­ch­er junger Mann. Er kam als dieser in die Foren, und radikalisierte sich dort. Die Tat beg­ing er dann als Faschist. Der Faschis­mus schafft es sehr gut, über die These vom “Großen Aus­tausch” seine einzel­nen The­men­felder zusam­men­zubrin­gen. In seinem Man­i­fest stellt Bal­li­et dabei klar, wen er als Feind benen­nt: Mus­lime, Jüd*innen, Frauen* und Marxist*innen. Der Marx­is­mus wirkt nur auf den ersten Blick fremd in dieser Liste, denn er vere­int Fem­i­nis­mus und Anti­ras­sis­mus in einem Kampf der Arbeiter*innen. Wir kön­nen keine andere Per­spek­tive haben als die, diese drei Aspek­te medi­al wie auch poli­tisch deut­lich zusam­men­zuführen. Das wäre eine klare Ansage, den ganzen Störg­eräuschen zum Trotz.

Und hier geht es zum Blog von Gen­der Equal­i­ty Media.

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Vor einiger Zeit erschien auf KgK eine vierteilige Rei­he über Anti­semitismus, die stärk­er auf die Hin­ter­gründe und Zusam­men­hänge des Anti­semitismus einge­ht:

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