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Der Iran reagierte auf den US-Angriff: Was kann jetzt passieren?

In den frühen Morgenstunden des Mittwochs griff der Iran mindestens drei US-Basen im Irak an. Was sind die Aussichten für eine militärische Eskalation?

Der Iran reagierte auf den US-Angriff: Was kann jetzt passieren?

Mit ein­er beispiel­losen Kriegsrhetorik gegen die USA hat­te der Iran seinen Angriff angekündigt und 13 mögliche strate­gis­che Szenar­ien erwäh­nt. Das iranis­che Par­la­ment hat­te ein Gesetz ver­ab­schiedet, das das US-Mil­itär, das Pen­ta­gon und alle an der Ermor­dung von Qassem Soleimani beteiligten Per­so­n­en als “Ter­ror­is­ten” beze­ich­net. Zu let­zteren gehörten auch mit den USA ver­bün­dete Län­der wie Israel, Sau­di-Ara­bi­en, die Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rate und Kuwait.

Eben­so hat­te das irakische Par­la­ment für die Ausweisung aller aus­ländis­chen Besatzungstrup­pen ges­timmt und dabei beson­ders die US-amerikanis­chen Trup­pen erwäh­nt — wohinge­gen die iranis­chen Kräfte, die einen enor­men Ein­fluss auf das Gebi­et haben, nicht aus­gewiesen wür­den -. Auf der anderen Seite war die Beerdi­gung von Gen­er­al Qassem Soleimani eine mas­sive Kraft­demon­stra­tion, bei der mehr als eine Mil­lion Men­schen in den Straßen von Teheran und Dutzen­den ander­er iranis­ch­er Städte mobil­isiert wur­den.

Das Regime der Aya­tol­lahs hat damit die poli­tis­chen Voraus­set­zun­gen geschaf­fen, um die notwendi­ge mil­itärische Reak­tion auf die Hin­rich­tung ein­er der wichtig­sten Per­sön­lichkeit­en der Islamis­chen Repub­lik durchzuführen.

Der Angriff auf die USA

Die “Iranis­chen Rev­o­lu­tion­s­gar­den” nan­nten die Offen­sive “Oper­a­tion Mär­tyr­er Soleimani”. Die Aktion bestand aus zwei koor­dinierten Angrif­f­en mit Dutzen­den von Raketen, die US-Mil­itär­basen im Irak trafen. Die erste war gegen den Luft­waf­fen­stützpunkt Ayn Al Asad nördlich von Bag­dad in der Prov­inz Anbar gerichtet, der 5.000 US-Soldat*innen beherbergt. Der andere attack­ierte Stützpunkt ist Erbil, in der Region Irakisch-Kur­dis­tan, ein­er der wichtig­sten Ver­bün­de­ten der Vere­inigten Staat­en im Land. In der zweit­en Welle wurde ein drit­ter Stützpunkt im Camp Taji, 27 Kilo­me­ter nördlich von Bag­dad, Irak, erre­icht, wie eine von Car­la Babb von VOA News zitierte Mil­itärquelle berichtet.

Mit Hil­fe eines Pro­pa­gan­da-Ein­satzes erk­lärten die Rev­o­lu­tion­s­gar­den im staatlichen Medi­um ISNA, dass “heute Mor­gen tapfere Kämpfer aus der Luft­waffe der Islamis­chen Rev­o­lu­tion­s­gar­den die erfol­gre­iche Oper­a­tion Mär­tyr­er Soleimani, Code-Name ‘Ya Zahra’, durch das Abfeuern Dutzen­der von Boden-Boden-Raketen auf die Basis der US-Ter­ror­is­ten und Inva­sion­skräfte durchge­führt haben.” Irans staatliche Nachricht­e­na­gen­tur Fars nan­nte die Berichte über iranis­che bal­lis­tis­che Raketen in ein­er in sozialen Net­zw­erken über­set­zten Pub­lika­tion eine “starke Rache”.

Wenn wir den Schaden ver­gle­ichen, der durch den US-Angriff auf den Iran verur­sacht wurde, das seine wichtig­ste mil­itärische Fig­ur, die zum Nation­al­helden wurde, ver­loren hat, scheint die iranis­che Reak­tion nicht auf der­sel­ben Eskala­tion­sstufe zu sein, umso mehr, wenn man bedenkt, dass mehrere Führer des Regimes angekündigt hat­ten, die “ent­fes­selte Hölle” auf das US-Mil­itär loszu­lassen.

Die Raketen­starts konzen­tri­erten sich auf die Stützpunk­te der Besatzungstrup­pen im Irak, aber den ersten Bericht­en zufolge wur­den keine US-Sol­dat­en getötet. Man kann also sagen, dass sie nicht eine große Eskala­tion, son­dern eine notwendi­ge Reak­tion auf den US-Angriff anstrebten.

Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekan­nt, aber ver­schiedene Medi­en­berichte erwäh­nen rund 30 irakische Todes­opfer. Dieser Angriff kann noch nicht als ein totaler Krieg ange­se­hen wer­den, aber er kann als eine mil­itärische Eskala­tion betra­chtet wer­den. Die USA ließen daraufhin sechs F‑35 von ihren Basen in den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rat­en starten.

Der US-Präsi­dent Don­ald Trump traf sich in der Nacht im Weißen Haus mit Außen­min­is­ter Mike Pom­peo, Vizepräsi­dent Mike Pence und hohen Mil­itär­beamten. Es wurde erwartet, dass der Präsi­dent nach dem Ende der Anschläge sprechen würde, aber nach­dem bestätigt wurde, dass bei den Bombe­nan­schlä­gen keine US-Amerikaner*innen getötet wur­den, kündigte das Weiße Haus an, dass es keine Erk­lärung geben würde.

Laut der New York Times “berichteten die US-Geheim­di­en­ste den ganzen Tag über, dass ein Angriff auf den Iran unmit­tel­bar bevorste­he, und führende Beamte sagten, dass sie sich auf eine Art von Angriff auf US-Basen im Irak oder ander­swo im Nahen Osten vor­bere­it­en.”

Die iranis­che Rev­o­lu­tion­s­garde sagte, dass die US-Ver­bün­de­ten in der Region ange­grif­f­en wer­den, wenn sie von ihrem Ter­ri­to­ri­um aus aggres­siv vorge­hen, und warnte ins­beson­dere Kuwait, Bahrain, Sau­di-Ara­bi­en, Jor­danien und Israel.

Trump gab sein­er­seits bekan­nt, dass die USA 52 iranis­che Stan­dorte im Visi­er haben, “von denen einige sehr hochkarätig und sehr wichtig für den Iran und die iranis­che Kul­tur sind”, und ver­sprach, dass sie “sehr schnell und sehr hart getrof­fen wer­den”, wenn US-Inter­essen oder Bürger*innen von Teheran ange­grif­f­en wer­den.

Bish­er führt die Eskala­tion nicht zu einem total­en Krieg zwis­chen den bei­den Staat­en. Nach den Bom­barde­ments kündigte ein iranis­ches Kom­mu­niqué an, dass es die Angriffe ein­stellen würde, wenn es keine Vergel­tungs­maß­nah­men der USA gäbe. In diesem Sinne heißt es in der Erk­lärung des Außen­min­is­ters: “Wir streben wed­er Eskala­tion noch Krieg an, aber wir wer­den uns gegen jegliche Aggres­sion vertei­di­gen.”

Dies lässt die Tür offen für ein möglich­es “Patt”, um eine Art von Ver­hand­lungskon­takt zwis­chen den bei­den Län­dern zu ermöglichen, wobei als Haupt­fak­tor zu berück­sichti­gen ist, dass es keine US-amerikanis­chen Opfer gab. Sollte dies geschehen, würde dies bestäti­gen, dass die iranis­che Aktion ver­sucht hat, Reak­tions­fähigkeit zu zeigen. Aber die Möglichkeit ein­er weit­eren Eskala­tion ist nicht aus­geschlossen, ins­beson­dere angesichts der Unvorherse­hbarkeit der Poli­tik von Trump.

Unab­hängig von den Grün­den, die Trump dazu ver­an­lasst haben, diese Eskala­tion der Aggres­sio­nen gegen den Iran einzuleit­en, ist klar, dass wir aktuell eine Sit­u­a­tion der Unsicher­heit in der Welt­poli­tik erleben. Ein neues Beispiel für die größten Antag­o­nis­men, die die zwis­chen­staatlichen Beziehun­gen durchziehen, zu einem Zeit­punkt, in dem in mehreren Län­dern Massen­mo­bil­isierun­gen und Rebel­lio­nen stat­tfind­en.

In der ganzen Welt ist es drin­gend notwendig, die Aggres­sio­nen, die die Vere­inigten Staat­en ini­ti­iert haben, zurück­zuweisen und die Mobil­isierun­gen zu entwick­eln, wie sie im Herzen des USA selb­st zu entste­hen begonnen haben, mit Demon­stra­tio­nen vor dem Weißen Haus und gle­ichzeit­ig in siebzig Städten. Es han­delt sich vor­erst um eine Min­der­heit, aber sie ste­ht symp­to­ma­tisch für die Tat­sache, dass Trump sich auch ein­er erschüt­terten “inneren Front” gegenüber­sieht.

Dieser Artikel bei La Izquier­da Diario.

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