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Coronavirus: Der Internationalismus unserer Klasse als Gegengift zur Krise

Die Coronavirus-Krise und die weltweite Rezession verschärfen den reaktionären Nationalismus der imperialistischen Staaten. Donald Trumps „America first“ scheint sich wie ein Virus verbreitet zu haben. Die internationale Arbeiter*innenklasse hingegen ist die einzige soziale Kraft, die einen fortschrittlichen Weg aus dieser Krise bieten kann, indem sie die Produktion unter ihrer Kontrolle neu organisiert und ihren Internationalismus vertieft.

Coronavirus: Der Internationalismus unserer Klasse als Gegengift zur Krise

Im Rah­men der bis­lang beispiel­losen Maß­nah­men einiger impe­ri­al­is­tis­ch­er Staat­en zur Bewäl­ti­gung der Coro­n­avirus-Krise – Quar­an­täne für Mil­lio­nen von Men­schen und die Mil­i­tarisierung der Städte – wurde am Dien­stag, den 17. März, eine weit­ere wichtige Ankündi­gung gemacht: Die EU würde ihre Gren­zen für 30 Tage voll­ständig schließen. Dies war eine unmit­tel­bare Reak­tion auf das, was bere­its ohne jegliche Koor­dinierung begonnen hat­te: die Schließung der Gren­zen, die vom Spanis­chen Staat, Por­tu­gal, Öster­re­ich, Tschechien, Däne­mark, Est­land, Deutsch­land, Ungarn, Litauen, Polen, Nor­we­gen und der Schweiz bere­its verkün­det wor­den war.

Der Schen­gen-Raum, der es seit 1995 ermöglicht, von einem EU-Land in ein anderes zu reisen und bish­er als ein­er der Hauptpfeil­er des EU-Pro­jek­ts aufrechter­hal­ten wor­den war, wurde auf Eis gelegt. Er hat­te bere­its im Zuge der soge­nan­nten Flüchtlingskrise von 2015, als Län­der wie Öster­re­ich oder Ungarn ihre Gren­zen schlossen und Ras­sis­mus zur Staat­spoli­tik macht­en, einen großen Zusam­men­bruch erlit­ten.

Die aktuelle Krise ver­lei­ht diesen reak­tionären, nation­al­is­tis­chen Antworten nun Aufwind. Als das Virus im Jan­u­ar in der chi­ne­sis­chen Prov­inz Wuhan aufge­taucht ist, hat die west­liche Presse es als „chi­ne­sis­ches Virus“ stig­ma­tisiert und sog­ar darüber spekuliert, wie andere Staat­en die Krise zu ihrem Vorteil nutzen kön­nten. „Dies ist der aggres­sivste Ver­such, einem frem­den Virus in der mod­er­nen (US-)Geschichte zu begeg­nen“, sagte Don­ald Trump in ein­er sein­er ersten Reden über die Covid-19 und erin­nerte somit an die Rhetorik der „reinen“ USA, die von ein­er aus­ländis­chen Inva­sion – Chines*innen, Muslim*innen, Mexikaner*innen – bedro­ht sind und gegen die neue Mauern errichtet wer­den müssten.

Als die Pan­demie in Ital­ien aus­brach, bestand die erste Reak­tion Deutsch­lands und Frankre­ichs darin, den Export von medi­zinis­chen Gütern zu ver­bi­eten und auf das Hort­en für die Zukun­ft zu set­zen. Während des Höhep­unk­tes der ital­ienis­chen Krise gab es keine Unter­stützung: Kein europäis­ch­er Gipfel wurde abge­hal­ten, um den Not­stand auszu­rufen und umfan­gre­ich medi­zinis­ches Mate­r­i­al und Gesund­heitsper­son­al zu entsenden. Die Antwort bestand vielmehr darin, die Pro­duk­tion und die Gren­zen der eige­nen Län­der zu sich­ern, obwohl sie zu den reich­sten der Welt gehören und fast keine Infizierten aufwiesen. Mit anderen Worten: Während die Gren­zen für den Export deutsch­er und franzö­sis­ch­er Autos offen blieben, wur­den sie für den von medi­zinis­chen Gütern geschlossen. Auch die Regierung des Spanis­chen Staates, in den Hän­den der Koali­tion zwis­chen der PSOE und Podemos, hat nicht anders gehan­delt.

Den impe­ri­al­is­tis­chen Regierun­gen fehlte es auch nicht an Entschlossen­heit, was die Ver­ab­schiedung mas­siv­er Ret­tungspläne für Unternehmen anging: Ihnen wur­den Hun­derte von Mil­liar­den Euro für neue Kred­ite und Steuer­erle­ichterun­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Es bedarf eigentlich kein­er weit­eren Dar­legung des zutief­st reak­tionären Charak­ters der EU und des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems als Ganzes, doch verurteilen die impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en zudem ganze Völk­er zum Tode, indem sie Block­aden gegen Län­der wie den Iran, Kuba und Venezuela inmit­ten dieser sozialen Katas­tro­phe aufrechter­hal­ten.

Zu ver­schiede­nen Anlässen haben sich die Staat­sober­häupter von Ital­ien, Frankre­ich, dem Spanis­chen Staat und Deutsch­land in den let­zten Tagen auf nationalen Fernseh- und Radiosendern zu Wort gemeldet und dabei die Kriegsmeta­pher eines „unsicht­baren Feind[es]“ und ein­er „ummauerten Stadt“ ver­wen­det, um eine Ansteck­ung zu ver­hin­dern. Jede*r einzelne von ihnen appel­lierte an die „nationale Ein­heit“ und die „Kriegs­bere­itschaft“ und ver­suchte, das Nation­al­ge­fühl zu steigern, als ob die Pan­demie unver­söhn­liche Klass­en­in­ter­essen ver­söh­nen würde.

Durch die Strate­gie der von der Polizei kon­trol­lierten Masseneinsper­rung von ganzen Bevölkerun­gen in Kom­bi­na­tion mit der Schließung der Gren­zen wird ver­sucht, den Com­mon Sense zu stärken, die*den Einzelne*n oder die stärk­eren statt den schwächeren Natio­nen zu ret­ten.

Gle­ichzeit­ig haben die impe­ri­al­is­tis­chen Län­der die aktuelle Gesund­heit­skrise bere­its instru­men­tal­isiert, um ihre Gren­zen vor Migrant*innen zu ver­schließen. Was Don­ald Trump oder Mat­teo Salvi­ni auf groteske Weise het­zten und was die Führung der EU bish­er nicht öffentlich verkün­den kon­nte (obwohl es längst Real­ität ist, dass Tausende von Migrant*innen an den europäis­chen Außen­gren­zen, in Län­dern wie der Türkei, Libyen oder Marokko, in Internierungslagern fest­ge­hal­ten wer­den, dass Express­ab­schiebun­gen stat­tfind­en und Aufen­thalts- und Asylge­set­ze ver­schärft wer­den), find­et nun in der Pan­demie eine schlagkräftige Recht­fer­ti­gung.

Let­ztlich stellt die Meta­pher der „ummauerten Stadt“ einen Bezug zur Pest und somit das Virus als einen frem­den Feind dar, der kommt, um „uns zu über­ren­nen“. Die Logik der Pest führt uns dazu, unseren Nachbar*innen zu mis­strauen (und die Äch­tung all jen­er gutzuheißen, die ihre gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung nicht „erfüllen”), die Träger dieses „äußeren” und unsicht­baren Fein­des sein kön­nten, der in unsere Kör­p­er ein­dringt.

Nationalstaaten und Großkonzerne: ein unüberwindbares Hindernis für eine globale Antwort auf die Pandemie und die kapitalistische Krise

Der Epi­demi­ologe Peter Piot, der als ein­er der ersten das Ebo­la-Virus unter­sucht hat­te, wies vor eini­gen Tagen darauf hin, dass die Covid-19-Pan­demie mit mit­te­lal­ter­lichen Meth­o­d­en ange­gan­gen wird: Einsper­rung, Iso­la­tion und Social Dis­tanc­ing (und – er ver­säumte zu sagen – Mil­i­tarisierung des öffentlichen Raums). All diese Maß­nah­men stellen ihm zufolge prim­i­tive Meth­o­d­en dar, um auf die großen Pla­gen der ver­gan­genen Jahrhun­derte zu reagieren, als der Man­gel an Antibi­oti­ka, Tech­nolo­gie und wis­senschaftlich­er Forschung keine anderen Möglichkeit­en ließ. An dieser Stelle sei hinzuge­fügt, dass ange­fan­gen wird, diese Krise auch mit den „klas­sis­chen“ Meth­o­d­en des Kap­i­tal­is­mus des 20. Jahrhun­derts zu bekämpfen: Neben Maß­nah­men, die die Lösung des Prob­lems auf den Schul­tern der Arbeiter*innenklasse abladen (wie beispiel­sweise mit­tels Masse­nent­las­sun­gen und Sus­pendierun­gen), ist per­spek­tivisch nicht auszuschließen, dass das Anwach­sen zwis­chen­staatlich­er Kon­fronta­tio­nen, die Stärkung der Gren­zen, die Inten­sivierung impe­ri­al­is­tis­ch­er Nation­al­is­men und Han­del­skriege mögliche neue Kriege pro­duzieren wird.

In einem vor eini­gen Tagen veröf­fentlicht­en Artikel[1] erk­lärte Slavoj Zizek: „Die Epi­demie ist nicht nur ein Zeichen für die Gren­zen der mark­twirtschaftlichen Glob­al­isierung, sie markiert auch die viel fatalere Gren­ze des nation­al­is­tis­chen Pop­ulis­mus, der auf die absolute Sou­veränität des Staates behar­rt“. Während sich die Pan­demie als glob­ales Phänomen erweist, ver­hin­dern nation­al­is­tis­che Lösun­gen ganz nach dem Mot­to „Rette sich, wer kann“ die Eindäm­mung der Ansteck­ungs­ge­fahr auf inter­na­tionaler Ebene.

Wie ist es möglich, dass es im 21. Jahrhun­dert in Län­dern wie Frankre­ich, Ital­ien oder dem Spanis­chen Staat an so ele­mentaren Gütern wie Mund­schutz, Desin­fek­tion­s­mit­tel oder Beat­mungs­geräten man­gelt, während es über­all auf der Welt Unternehmen und Logis­tiknet­ze gibt, die bere­its jet­zt Mil­lio­nen dieser Pro­duk­te her­stellen und ganze Natio­nen in weni­gen Tagen prob­lem­los damit ver­sor­gen kön­nten? Die Antwort ist, dass das Pri­vateigen­tum sowie der Wet­tbe­werb zwis­chen Großkonz­er­nen ein­er­seits und der Wet­tbe­werb zwis­chen Staat­en ander­er­seits uns an der Lösung dieser fun­da­men­tal­en Fra­gen hin­dern.

„Eine grundle­gende Ursache für die Kri­sis der bürg­er­lichen Gesellschaft beste­ht darin, daß die von dieser Gesellschaft geschaf­fe­nen Pro­duk­tivkräfte sich mit dem Rah­men des nationalen Staates nicht ver­tra­gen“, behauptete Trotz­ki in Die Per­ma­nente Rev­o­lu­tion.

Unter den 20 größten multi­na­tionalen Konz­er­nen der Welt befind­en sich Phar­maun­ternehmen wie John­son & John­son, Pfiz­er, Proc­ter & Gam­ble, Roche und Logis­tikgi­gan­ten wie Ama­zon, Aliba­ba und Wal­mart, die über eine einzi­gar­tige, inter­na­tionale Logis­tik­struk­tur ver­fü­gen und in der Lage sind, Pro­duk­te sofort in jeden Teil der Welt zu trans­portieren: Ama­zon hat sog­ar Drohnen­sys­teme entwick­elt, die es ermöglichen, schw­er zugängliche Gebi­ete zu beliefern.  Doch diese Tech­nik wird der Erfül­lung gesamt­ge­sellschaftlich­er Notwendigkeit­en nicht ein­mal im Krisen­fall zur Ver­fü­gung gestellt.

Wenn man den Umsatz großer Unternehmen mit den Staat­shaushal­ten ver­gle­icht, stellt man fest, dass 69 der 100 wichtig­sten Wirtschaft­sein­heit­en der Welt Unternehmen sind und die 25 Unternehmen mit dem höch­sten Umsatz das BIP mehrerer Län­der übertr­e­f­fen. Momen­tan rin­gen einige dieser Unternehmen um die Entwick­lung eines Impf­stoffs für die Covid-19: Inmit­ten der Krise wäre dies für jedes von ihnen eine Quelle für große Geschäfte. Doch ver­hin­dert der Wet­tbe­werb jegliche Zusam­me­nar­beit und damit z.B. die gemein­same Nutzung von Erken­nt­nis­sen und Forschungsergeb­nis­sen, mit denen man, wenn sie öffentlich zugänglich wären, in der Erforschung eines so notwendi­gen „Gegengifts“ viel schneller vorankom­men würde.

Ein Programm der Arbeiter*innenklasse, um es aus der Krise heraus zu schaffen

Die Gesund­heit­skrise sowie ihre unmit­tel­baren wirtschaftlichen Auswirkun­gen (Ent­las­sungswellen, Zusam­men­bruch ganz­er Gesund­heitssys­teme, Tausende und Aber­tausende von Toten) bestäti­gen zum zig­sten Mal den betrügerischen und ide­ol­o­gis­chen Charak­ter der Vorträge aller neolib­eralen Intellek­tuellen, die vom Kap­i­tal­is­mus als dem besten Wirtschaftssys­tem und von lib­eralen Demokra­tien, die in Wirk­lichkeit völ­lig dem Willen der Bankiers und Großunternehmer*innen unter­wor­fen sind, als dem höch­st­möglichen Grad an Demokratie sprechen.

Die Real­ität ist, dass die Kapitalist*innen und ihre Regierun­gen in keinem Land in der Lage sind, mit dieser Pan­demie und der Weltwirtschaft­skrise so zurechtzukom­men, wie sie behan­delt wer­den sollte – näm­lich im glob­alen Maßstab. Die nation­al­is­tis­chen und kom­pet­i­tiv­en Impulse zwis­chen Staat­en und Konz­er­nen sind das Gegen­teil des einzi­gen Kri­teri­ums, das Zusam­me­nar­beit und den effizien­ten Gebrauch von Mit­teln und Energie ermöglichen kann: die Plan­wirtschaft unter der demokratis­chen Kon­trolle der Arbeiter*innenklasse und ihren Ver­bün­de­ten.

Einige Maß­nah­men, die von den Regierun­gen bere­its – als Rückschläge und/oder nur teil­weise – ergrif­f­en wur­den, mussten diesem Kri­teri­um etwas zugeste­hen, wie z.B. die Ankündi­gung, das Gesund­heitssys­tems des Spanis­chen Staates in öffentlich­er Hand zu zen­tral­isieren, die Ver­sorgung der Kranken­häuser mit Medika­menten oder wie wir in anderen Län­dern gese­hen haben, die Forderung an Auto­mo­bilun­ternehmen, mit der Pro­duk­tion von Beat­mungs­geräten zu begin­nen. Sie sind in gewiss­er Weise eine Hom­mage der Bour­geoisie mit­ten in der Krise an die Notwendigkeit der sozial­is­tis­chen Pla­nung der Wirtschaft.

Es ste­ht jedoch außer Frage, dass ihr Ein­treten für den Großbe­sitz und die Gewinne der kleinen Min­der­heit von Millionär*innen die herrschende poli­tis­che Kaste let­z­tendlich daran hin­dern wird, den vielle­icht hier und da eingeschla­ge­nen Weg zu Ende zu gehen – wie es eigentlich notwendig wäre. Die Staatsspitzen ver­wal­ten die materiellen, wirtschaftlichen und kap­i­tal­is­tis­chen Inter­essen, wodurch es unmöglich ist, der Krise adäquat ent­ge­gen­zutreten und das Virus so schnell wie möglich zu über­winden, um möglichst viele Tote und den Absturz ins Elend von Mil­lio­nen von Men­schen in den kom­menden Monat­en zu ver­mei­den.

Bei den aufgezählten Zie­len han­delt es sich vielmehr um Pri­or­itäten unser­er Klasse, die fast über­all auf der Welt weit­er­hin zur Arbeit geht und damit die Bedeu­tung der strate­gis­chen Posi­tio­nen, die sie in ihrer jew­eili­gen Gesellschaft innehat, aufzeigt. Nicht nur das Kranken­haus­per­son­al, son­dern auch die Hafenarbeiter*innen, die Mitarbeiter*innen von Phar­maun­ternehmen, die LKW-Fahrer*innen, die in den Logis­tik­lagern Arbei­t­en­den, die Kassierer*innen in den Super­märk­te, die Reiniger*innen, die Obst- und Gemüsepflücker*innen und ganz all­ge­mein die Arbeiter*innenbataillone im gesamten agroin­dus­triellen Sek­tor inklu­sive der großen Lebens­mit­telfab­riken, diejeni­gen, die in Banken schuften, die Kolleg*innen der Tele­fonge­sellschaften und Inter­net­provider sowie die Industriearbeiter*innen, die ohne Weit­eres in den Dienst der Her­stel­lung des gesamten notwendi­gen medi­zinis­chen Mate­ri­als gestellt wer­den kön­nten, sind alle­samt Sek­toren von grundle­gen­der Bedeu­tung für das Funk­tion­ieren der kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschaft, selb­st in Zeit­en ein­er weit ver­bre­it­eten „Quar­an­täne“, die von den Staat­en ver­hängt wird.

Deshalb kann der einzig fortschrit­tliche Weg aus der Coro­n­avirus-Krise nicht durch das Han­deln der Arbeiter*innenklasse in einem Land gegan­gen wer­den: Stattdessen muss sie ihn inter­na­tion­al beschre­it­en.

Und um dieses Ziel zu erre­ichen, müssen wir von nun an ein Not­fall­pro­gramm auf­stellen, das es den Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten ermöglicht, nicht als Besiegte, Zer­streute und Ver­armte aus dieser Krise her­vorzuge­hen, son­dern als aktive Kraft, die bess­er organ­isiert und sich ihrer eige­nen Stärke bewusst ist. Das ist nicht ein­fach, denn para­dox­er­weise sind sie es, die unter prekären Arbeits­be­din­gun­gen, schreck­lichen Trans­port­sys­te­men und ohne aus­re­ichend Sicher­heit und Hygiene in den Betrieben viel stärk­er­er Ansteck­ungs­ge­fahr aus­ge­set­zt sind.

Angesichts des Desasters, in das uns die Kapitalist*innen hinein manövri­ert haben, müssen wir Arbeiter*innen zeigen, dass wir selb­st es sind, die alle notwendi­gen Maß­nah­men ergreifen kön­nen: nicht nur im Hin­blick auf die Gewährleis­tung der Arbeit und den Kampf gegen Masse­nent­las­sun­gen und für die Aufrechter­hal­tung der Löhne, son­dern auch auf die Ver­sorgung der gesamten armen Bevölkerung – und nicht nur ein­er reichen Min­der­heit – mit Nahrungsmit­teln und Medi­zin. All das wird aber nur möglich sein, wenn wir an unseren Arbeit­splätzen durch­set­zen, von unten und demokratisch, dass wir sie selb­st kon­trol­lieren, um die Pro­duk­tion auf die gesamt­ge­sellschaftlich pri­or­itären Güter umzustellen.

Einige kleine Beispiele stellen bere­its Lichter am Ende des Tun­nels dar, so wie z.B. die Ini­tia­tive von Arbei­t­erin­nen im Spanis­chen Statt, die entsch­ieden haben, statt Schuhen nun Mund­schutz anzufer­ti­gen oder Fab­riken unter Arbeiter*innenkontrolle in Argen­tinien, die anbi­eten, Kit­tel, Desin­fek­tion­s­mit­tel und andere notwendi­ge Pro­duk­te herzustellen. Dies sind wie gesagt kleine Beispiele für eine Klassen­poli­tik, die inmit­ten dieser Krise wie Dia­man­ten glänzen und die ver­all­ge­mein­ert und so sicht­bar wie möglich gemacht wer­den müssen.

Die Alter­na­tive zum “busi­ness as usual”-Programm der Kapitalist*innen ist die Ver­staatlichung der strate­gis­chen Sek­toren der Wirtschaft in der Pro­duk­tion von leben­snotwendi­gen Gütern, sowie die Ver­staatlichung der Banken oder die Kon­trolle des Außen­han­dels, um dem Geschäft, das mit dem Han­del von Beat­mungs­geräten und Arzneimit­teln auf dem Welt­markt gemacht wird, ein Ende zu set­zen. Diese Ressourcen kön­nen nicht von densel­ben Regierun­gen und Par­la­menten ver­wal­tet wer­den, die es zuge­lassen haben, dass sich der Coro­n­avirus zu ein­er glob­alen Katas­tro­phe entwick­elt hat: Um gesamt­ge­sellschaftliche, sicher­heit­stech­nis­che und all­ge­meine Pla­nungskri­te­rien durchzuset­zen, die in unserem Inter­esse als Arbeiter*innen ste­hen, bleibt uns nur die Möglichkeit, all diese Ressourcen als vere­inte Klasse zusam­men mit Verbraucher*innenkomitees zu kon­trol­lieren.

Die Über­nahme der Kon­trolle in der Phar­main­dus­trie durch die dort Beschäftigten stellt die einzige Möglichkeit dar, den Wun­sch der multi­na­tionalen Konz­erne und der rival­isieren­den Mächte, ange­fan­gen bei Chi­na, den USA und Deutsch­land, einzudäm­men, aus dem kün­fti­gen Impf­stoff Prof­it zu schla­gen oder den Zugang auf ihre eige­nen Län­der zu beschränken.

Dieser Prozess wird im Gegen­satz zur Art und Weise, wie Regierun­gen und Kapitalist*innen ihre Poli­tik umset­zen, ein Maß an inter­na­tionaler Zusam­me­nar­beit erfordern, das sowohl die inter­na­tionale Entwick­lung der Pro­duk­tivkräfte, die sich im Kap­i­tal­is­mus vol­l­zo­gen hat und vol­lzieht, als auch die Fähigkeit, Güter und Men­schen zu bewe­gen, die sich in den let­zten Jahrzehn­ten seit dem Entste­hen des am stärk­sten ver­net­zten glob­alen Mark­tes der Geschichte immer weit­er ent­fal­tet hat, nutzen kann. Die Reak­tion der Arbeiter*innenklasse auf die Krise und die Kon­trolle darüber, was und unter welchen Bedin­gun­gen pro­duziert wird, die zunächst auf der Ebene eines Kranken­haus­es, ein­er Fab­rik oder eines Unternehmens disku­tiert und umge­set­zt wer­den kön­nte, muss auf das nationale Ter­rain und schließlich auf die inter­na­tionale Are­na aus­geweit­et wer­den, wofür es notwendig sein wird, für Arbeiter*innenregierungen zu kämpfen.

Der Inter­na­tion­al­is­mus, den wir brauchen und der die Men­schheit ret­ten kann, ist nicht der Inter­na­tion­al­is­mus der transna­tionalen Konz­erne, die auch jet­zt noch auf mehr Prof­it aus sind. Auch die Rück­kehr zum reak­tionären Nation­al­is­mus der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en, der im 20. Jahrhun­dert zu zwei Weltkriegen geführt hat, kann nicht die Lösung des Prob­lems sein.

Das Beispiel, das wir uns in diesen Zeit­en der Krise und Pan­demie vor Augen führen, ist das der fra­ter­nité und Zusam­me­nar­beit der Arbeiter*innen aller Län­der, der domi­no­haften Aus­bre­itung rev­o­lu­tionär­er und klassenkämpferisch­er Prozesse sowie des Auf­baus ein­er inter­na­tionalen, rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tion der Arbeiter*innenklasse, der Welt­partei der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion, der Vierten Inter­na­tionale.

Wir ste­hen vor ein­er neuen his­torischen Peri­ode, die die Epoche der Krise, der Kriege und auch der Rev­o­lu­tio­nen, die Teil der Geschichte der Arbeiter*innenklasse auf der ganzen Welt sind, wieder aktu­al­isiert. Noch vor Kurzem hätte uns nie­mand glauben machen kön­nen, dass alles mit einem mikroskopisch kleinen Virus begin­nen würde, der sich in der Welt aus­bre­it­et. Denn der in Wirk­lichkeit seit langem Kranke ist der Kap­i­tal­is­mus.

Dieser Artikel erschien zuerst am 22. März 2020 in Con­tra­pun­to, der Son­ntagsaus­gabe von izquierdadiario.es.

[1] Slavoj Žižek: El coro­n­avirus nos obliga a decidir entre el comu­nis­mo glob­al o la ley de la jungla, in: CTXT, 17.03.2020.

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