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CO2-Rechner sind manipulativ, echte Klimabilanzen sehen anders aus

Viele Menschen haben in den letzten Jahren Online ihren CO2-Fußabdruck ausgerechnet. Doch diese Rechner sind von der Fossil-Industrie gesponsert, um die Umweltfrage zu individualisieren.

CO2-Rechner sind manipulativ, echte Klimabilanzen sehen anders aus
Ölverschmutzung bei Koh-Samet-Thailand T | Von Tigergallery / Shutterstock.com

Der WWF, das Umweltbundesamt und viele andere Klimaschutz-Organisationen bieten im Internet Rechner an mit denen man kostenlos und schnell seinen CO2-Fußabdruck ausrechnen kann. Als Ergebnis bekommt man sehr genaue Informationen, wie das eigene Konsum- und Mobilitätsverhalten zu erhöhten Treibhausgasemissionen führt. Dadurch soll das Bewusstsein der Nutzer:innen für ihre eigene Klimabilanz geschärft werden. Vorbildlicherweise machen viele Menschen sinnvolle Einsparungen, an Stellen, wo sie auf etwas verzichten können.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Laut den Carbon Majors Report sind seit 1988 nur 100 Unternehmen für 70% der globalen Treibhaus-Emissionen verantwortlich. Die individuelle Klimabilanz ist also in der gesamten Klimafrage nicht so zentral, wie solche Rechner es suggerieren.

Aber was ist dann das Ziel der Rechner und wer profitiert davon?

Die bittere Wahrheit ist, dass diese Rechner Teil einer sehr erfolgreichen PR-Kampagne der Fossil-Industrie sind. Die Werbeagentur Ogilvy & Mather wurde 2004 vom Öl- und Gaskonzern BP beauftragt einen „Carbon Footprint Calculator“ zu entwickeln. Dieser Rechner war der erste seiner Art. Durch Fragen wie „Ernähre ich mich nachhaltig?“, „Ist meine Waschmaschine effizient“ und so weiter, wird von dem eigentlichen Problem abgelenkt. Ölkonzerne wie Shell, ExxonMobile oder BP, sind für über die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Aber diese Online-Rechner sind perfekte Beispiele, wie die Schuld am Klimawandel ganz im neoliberalen Zeitgeist auf uns Einzelpersonen geschoben und von der massiven Verantwortung von Öl- und Gaskonzernen wie BP abgelenkt wird.

Besonders brisant: In der BP-Raffinerie in Texas gab es schon seit etlichen Jahren mangelhafte Maschinen, die zwischen 1974 und 2004 nicht nur zu 23 Todesfällen geführt haben, sondern auch einen katastrophalen Unfall 2005 zur Folge hatten. Dabei wurden 28.700 Liter brennbarer Kohlenwasserstoff freigesetzt, was zu einer Explosion führte bei der 15 Arbeiter:innen getötet wurden. 2010 hatten die katastrophalen Sicherheitsvorkehrungen des Unternehmens die Ölpest im Golf von Mexiko zur Folge bei der sage und schreibe 800 Millionen Liter Öl in die Umwelt strömten. Das hatte unfassbaren Folgen für Mensch und Natur. Man sieht also, dass diese Unfälle keine unglücklichen Tragödien sind, sondern eine Konsequenz der Politik des Konzerns, der alte Maschinen zu lange nutze und die Sicherheit der Umwelt und der Arbeiter:innen vernachlässigte, um mehr Profite zu erzielen.

Doch nicht nur BP hat eine katastrophale Klimabilanz: Deutsche Durschnittbürger:innen verursachen im Schnitt 11,7 Tonnen CO2 pro Jahr, was auf den ersten Blick viel erscheint. Dazu kommt, dass die Reichsten in Deutschland wiederum, wie im Rest der Welt, durchschnittlich klimaschädlicher leben als arme Menschen. Die reichsten 8,3 Millionen Menschen Deutschlands haben fast genauso viel CO2-Emissionen verursacht wie die ärmeren 41.5 Millionen Menschen.

Im Gegensatz dazu ist Shell laut der WirtschaftsWoche für kolossale 1,6 Milliarden Tonnen CO2 im selben Zeitraum verantwortlich. Also das 143-Millionenfache eines Einzelnen oder 170 Prozent des gesamten CO2-Verbrauchs der 83 Millionen Menschen, die hier leben. Durch die Individualisierung dieses Problems scheint die kapitalistische Klasse harmlos, weil nur der Individuelle persönliche Konsum in Betracht gezogen wird, während die gesellschaftliche Rolle der CO2-Produktion verschleicht wird.

Laut Oxfam besitzen die reichsten 2,153 Milliardäre inzwischen mehr Vermögen als 4.6 Milliarden Menschen, also mehr als 60 Prozent der Erdbevölkerung. Wir müssen diese 2.153 Milliardäre mit ihrem Reichtum und ihrer Verantwortung für die Zerstörung der Umwelt durch ihre Firmen und Unternehmen als tatsächliche Schuldige in dieser Situation konkret erkennen. Die Menschen haben nicht die gleiche geteilte Verantwortung an der Umweltzerstörung; sondern Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, während die Reichen, als Klasse der Bourgeoisie, die Wasserquellen und die Natur für ihre Profite privatisieren und zerstören.

Während wir also klar erkennen, dass nicht alle die gleiche Verantwortung in dieser Krise tragen und wir dieses Problem nicht auf individuellem Wege lösen können, suggerieren diese Online CO2-Tests genau das Gegenteil: er verkörpert eine Logik, dass einzelne Menschen nur selbst hart genug an ihrer eigenen CO2-Bilanz arbeiten müssten und das Klima würde dann irgendwie gerettet werden. Die Zahlen zeigen uns, dass es leider nicht ausreicht, das Verhalten des Einzelnen zu verändern. Wir müssen uns als Arbeiter:innen und Umweltaktivist:innen selbst organisieren und uns gegen die Verbrechen der Konzerne stellen, um den Klimawandel zu stoppen.

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