Frauen und LGBTI*

“Brot und Rosen: Geschlecht und Klasse im Kapitalismus”

Frauenkämpfe sind kein neues Phänomen – es gab immer schon Widerstand von Frauen, aus ihrer jeweiligen sozialen Position heraus: gegen Armut, Ungleichheit, Ausbeutung und Unterdrückung. Die Kämpfe der arbeitenden Frauen für mehr Rechte und für ein besseres Leben sind dabei grundsätzlich Klassenkämpfe. Das ist die zentrale These des Buchs „Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kapitalismus” der argentinischen Feministin und Marxistin Andrea D’Atri, das Ende Februar auf Deutsch erscheint.

Von Mehlkriegen über die rus­sis­che Rev­o­lu­tion, die zweite Welle der Frauen­be­we­gung bis zu aktuellen Diskursen unter­sucht die Autorin die Erfahrun­gen der kämpfend­en Frauen über die Jahrhun­derte in ihrem Zusam­men­spiel mit der Arbeiter*innenbewegung. Aus ihren Siegen und Nieder­la­gen lassen sich die Lehren ziehen, die wir ger­ade heute drin­gend brauchen. Denn wir befind­en uns in ein­er Zeit, in der so viele Frauen Teil der Arbeiter*innenklasse sind wie nie zuvor – und in der gle­ichzeit­ig inter­na­tion­al die Frauen­be­we­gung immer weit­er wächst, sich mit dem Frauen*streik in Rich­tung der Arbeiter*innenbewegung entwick­elt und das Poten­tial hat, die gesamte Klasse zu Kämpfen – und Siegen – zu führen.

Welche Lehren sind das also, die wir aus diesen Erfahrun­gen ziehen kön­nen?

Erstens, ganz ein­fach, aber den­noch nicht selb­stver­ständlich: Wir Frauen sind han­del­nde Sub­jek­te. Wir sind in der Lage, unsere eige­nen Leben­sum­stände zu reflek­tieren und sie zu verän­dern – vor allem, wenn wir uns organ­isieren und kollek­tiv han­deln.

Zweit­ens sehen wir, dass das bürg­er­liche Ver­sprechen von Gle­ich­heit vor dem Gesetz für die große Mehrheit von uns Frauen eine Lüge ist – denn diese Gle­ich­heit vor dem Gesetz wird uns immer wieder ver­weigert, wenn beispiel­sweise der Staat mit Abtrei­bungs­ge­set­zen in unsere Kör­p­er ein­greift. Die ange­bliche Gle­ich­heit vor dem Gesetz befre­it uns aber vor allem nicht von der tiefen Ungle­ich­heit im Leben, die dadurch aus­gelöst wird, dass einige von uns nichts haben außer unsere Arbeit­skraft, während andere Reichtümer besitzen, die sie in die Lage ver­set­zen, die Arbeit­skraft ander­er auszubeuten.

Drit­tens wird also deut­lich, dass in diesem kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem der Ungle­ich­heit keine wahre Gle­ich­heit errun­gen wer­den kann – dafür müssen wir dieses Sys­tem stürzen, das auch auf unser­er Unter­drück­ung als Frauen beruht. Denn es ist äußerst prak­tisch für den Kap­i­tal­is­mus, uns als kosten­lose Arbeit­skräfte in den Haushal­ten zu haben, wo wir neben unser­er Lohnar­beit unbezahlte Hausar­beit leis­ten. Und es ist prak­tisch, die Klasse der Arbeiter*innen in Män­ner und Frauen zu spal­ten, damit wir nicht merken, dass wir gemein­sam eine andere Welt erkämpfen kön­nen.

Viertens erken­nen wir, dass unsere Inter­essen als pro­le­tarische Frauen, das heißt als lohn­ab­hängig beschäftigte Frauen, nicht diesel­ben sind wie die der bürg­er­lichen Frauen. Denn auch wenn wir gewisse rechtliche und kul­turelle Diskri­m­inierun­gen teilen, kön­nen sie sich davon bis zu einem gewis­sen Grad loskaufen. Und vor allem prof­i­tieren sie davon, dass sie diejeni­gen sind, die unsere Arbeit­skraft für ihren Prof­it aus­beuten – sie wollen also auf keinen Fall den Sturz des Kap­i­tal­is­mus, der für unsere Befreiung doch eine Notwendigkeit ist.

Fün­ftens sehen wir, dass es tat­säch­lich nur wir Arbeiter*innen sind, die die Kraft haben, dieses Sys­tem zu stürzen. Denn auf unseren Schul­tern liegt – in den Betrieben, Fab­riken, Orten der Dien­stleis­tung, dem Haushalt und so weit­er – das Funk­tion­ieren dieses Sys­tems. Das gibt uns die Macht, die Grund­la­gen des Kap­i­tal­is­mus in Frage zu stellen. Damit wir das tun kön­nen, müssen wir gemein­sam kämpfen, auch mit allen anderen, für die der Kap­i­tal­is­mus nichts zu bieten hat. Heute ist unsere Klasse noch ges­pal­ten in ver­schiedene Geschlechter, sowie in Migrant*innen und Ein­heimis­che. Um wirk­lich eine Allianz zu schmieden, die alles zum Beben bringt, müssen wir die die Befreiung aller Unter­drück­ten zu unserem Pro­gramm machen.

Um dies zu erre­ichen, müssen wir uns sech­stens organ­isieren – und zwar nicht nur in sol­i­darischen Net­zw­erken oder Bünd­nis­sen, und auch nicht allein in gew­erkschaftlichen Struk­turen. Sowohl in der Arbeiter*innenbewegung als auch in der Frauen­be­we­gung sind im 20. Jahrhun­dert mächtige Appa­rate und Bürokra­tien ent­standen, die diese Bewe­gun­gen kanal­isiert und ins patri­ar­chale kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem einge­bun­den haben. Die Bour­geoisie hat in diesen Bürokra­tien in den am meis­ten zuge­spitzten Sit­u­a­tio­nen des Klassenkampfes immer wieder Ver­bün­dete für ihre reak­tionäre Agen­da gefun­den. Wir kön­nen den Kap­i­tal­is­mus und das Patri­ar­chat nur dann wirk­lich begraben, wenn wir uns in der Arbeiter*innen- und in der Frauen­be­we­gung in antibürokratis­chen und rev­o­lu­tionären Frak­tio­nen organ­isieren. Dafür brauchen wir eine rev­o­lu­tionäre Partei der Arbeiter*innen, mit der wir den Weg gehen, unsere Inter­essen weltweit durchzuset­zen.

Über diese Lehren kön­nen wir im Feb­ru­ar gemein­sam mit der Autorin Andrea D’Atri disku­tieren. Auf ein­er Reise durch Europa wird sie unter anderem in München und Berlin Halt machen. Wir hof­fen, dass das Buch ein Instru­ment wer­den kann, auch im Land von Rosa Lux­em­burg und Clara Zetkin einen kleinen Beitrag im Auf­bau ein­er sozial­is­tis­chen, inter­na­tion­al­is­tis­chen und klassenkämpferischen Strö­mung inner­halb der Frauen­be­we­gung zu leis­ten.

Andrea D’Atri: Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kap­i­tal­is­mus. Deutsch von Lil­ly Schön. Ham­burg: Argu­ment, Feb­ru­ar 2019.
Ca. 220 S., broschiert, ca. 15€. Vorbestel­lun­gen unter: info@klassegegenklasse.org

Dieser Beitrag erscheint am 1. Feb­ru­ar in der drit­ten Aus­gabe der Zeitung marx­is­tis­che jugend, erhältlich in München (maju­muc [at] gmail.com).

Eine neue Frauen­be­we­gung?
Wann? Fr, 1.2., 19 Uhr
Wo? EineWeltHaus, Schwan­thaler­str. 80,
U4/5 There­sien­wiese, 80339 München
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