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"Aufstand der Töchter": CFM und VSG streiken wieder zusammen

Nachdem die Vivantes Service Gesellschaft (VSG) am Montag nach längerer Pause wieder in den Ausstand trat, haben sich gestern auch die Kolleg*innen der Charité Facility Management (CFM) angeschlossen. Gemeinsam demonstrierten sie für einen Tarifvertrag durch Berlin-Mitte.

Das erste Mal hatte es im März einen gemeinsamen Streiktag der beiden Belegschaften gegeben. Dabei haben sie so viel gemeinsam, dass es geradezu erstaunt, sie nicht ständig zusammen auf der Straße zu sehen: Die CFM gehört mehrheitlich der Charité. Die VSG gehört zu einhundert Prozent dem ebenfalls öffentlichen Krankenhauskonzern Vivantes. In beiden Tochterunternehmen sind nicht-medizinische Dienstleistungen wie die Sterilisation von Operationsinstrumenten, der Transport von Patient*innen und die Material-Logistik ausgelagert.

Ein kleiner Unterschied: Bei der CFM sind auch Reinigungskräfte und so manche andere Tätigkeiten untergebracht, für die bei Vivantes eigens separate Tochterfirmen gegründet wurden, wie zum Beispiel die Reinigungsfirma VivaClean.

Allerdings werden in beiden Subunternehmen kräftig die Löhne gedrückt: Statt dem jeweiligen Haustarifvertrag, beziehungsweise dem TVöD, werden dort Verträge vergeben, die oft noch unter 10 Euro Stundenlohn liegen. Beide Belegschaften kämpfen deswegen schon seit Jahren für bessere Bedingungen.

Mit dem Streikaufruf am Montagabend wurde dann endlich der logische nächste Schritt vollzogen: Die Streikenden beider Betriebe treffen sich zu einem gemeinsamen Streiklokal und tragen ihre Forderungen gemeinsam auf die Straße. Nicht nur heute sondern auch bei weiteren Gelegenheiten.
Bürgerlichen Medien war das immerhin eine Meldung wert.

Verhandlungsführer und Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel hatte am Montag bereits angekündigt, beide Kämpfe in Zukunft wesentlich enger zusammen führen zu wollen.

Die Beschäftigten von VSG und CFM sammelten sich morgens am zentralen Standort der Charité. Ab 10.30 Uhr zogen sie dann in einer lautstarken Demonstration vom Campus Mitte durch die Innenstadt. Über die Friedrichstraße ging es bis zum Roten Rathaus. Dort machten sie mit einer Kundgebung deutlich, dass sie von der Hinhalte-Politik des Senats nichts halten. Dieser hatte bereits im Koalitionsvertrag angekündigt, sich für eine Verbesserung der Löhne bei den öffentlichen Tochterunternehmen einzusetzen. Doch abseits warmer Worte war davon bisher nichts zu spüren.

Neben ver.di-Sekretär Kalle Kunkel sprach auch eine Kollegin der VSG am Megaphon zu den Streikenden und betonte ihre Solidarität mit allen Kolleg*innen im Streik. Sie selbst ist von Vivantes an die VSG gestellt. Das heißt, sie verfügt bereits über den Lohn, der für viele andere Beschäftigte erst noch erkämpft werden muss. Trotzdem ist sie mit draußen – für ihre Kolleg*innen und für zukünftige Mitarbeiter*innen der Berliner Krankenhäuser.

Für die CFM war es der dreizehnte Streiktag seit Mai, als 10 Tage am Stück gestreikt wurde.

Zwischenzeitlich hatte sich Bürgermeister Michael Müller in einem Interview mit der Berliner Zeitung zur Situation bei der CFM geäußert. Unter anderem hatte er eine Erhöhung aller Stundenlöhne auf 11 Euro „noch in diesem Jahr“ angekündigt. Dass Müller sich überhaupt zu solchen Versprechen genötigt sieht, ist relativ klar als Ergebnis der Streiks und der Hartnäckigkeit der aktiven Kolleg*innen zu erkennen. Warum sonst sollte sich der Kopf des Berliner Senats so ausführlich zu einem von dutzenden Tochterunternehmen der Hauptstadt äußern?

Bei der VSG wurde zuletzt im März gestreikt. Aufgrund des undemokratischen Verbots ihres Streikaufrufs, der unter anderem die Forderung nach einer Rückführung in den Mutterkonzern enthielt, wurde der Arbeitskampf jedoch jäh unterbrochen. Die Wiederaufnahme gestaltete sich durch die plötzliche Krankheit der zuständigen ver.di-Sekretärin zusätzlich schwierig.

Allerdings wollen sich die kämpferischen Kolleg*innen die schreiend ungerechte Situation auch weiterhin nicht gefallen lassen: Es gibt nur Niedriglöhne für viele Beschäftigte, während der Mutterkonzern Vivantes im vergangenen Jahr über 13 Millionen Euro Überschuss in der Tasche hatte.

Auch am heutigen Mittwoch werden die beiden Tochterunternehmen gemeinsam bestreikt, um ein Zeichen gegen Lohndumping und Tarifflucht zu setzen. Zusammen wollen die Kolleg*innen um 8:30 Uhr an der Aroser Allee den neuen Aufsichtsrat der Vivantes GmbH empfangen.

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