Unsere Klasse

Der VSG-Streik sammelt neue Kräfte

Nach einer fast dreimonatigen Pause traten die Beschäftigten der Vivantes Service Gesellschaft (VSG) am Montag wieder in den Streik. Sie kämpfen weiter für eine Angleichung ihrer Löhne an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes – von dem sie bisher mehrere hundert Euro entfernt sind.

Der VSG-Streik sammelt neue Kräfte

Am grauen Mon­tag­mor­gen um 8 Uhr sam­melte sich zunächst nur eine kleine Traube von Streik­enden vor dem Hauptein­gang der Vivantes Klinik Friedrichshain. Unter dem Vor­dach sucht­en sie Schutz vor beständi­gem Regen.

Erst nach und nach füllte sich die Wiese vor dem Kranken­haus, während der Him­mel langsam aufk­larte. Das Streik­lokal wurde aufge­baut und die Gespräche unter den Streik­enden dreht­en sich immer weniger um das Wet­ter und immer mehr um ihre Gründe für den Arbeit­skampf: “Manche von uns bekom­men zwis­chen 800 und 1000 Euro weniger, als gestellte Kol­le­gen. Und das bei gle­ich­er Qual­i­fika­tion und gle­ich­er Arbeit!”, entrüstete sich ein­er von ihnen.

Trotz drei­monatiger Streik­pause ist die Stim­mung unter den Kolleg*innen entschlossen. Die Rückschläge der let­zten Monate – erst das Ver­bot des legit­i­men Kampfes um eine Rück­führung in den Vivantes-Konz­ern durch das Arbeits­gericht und kurz darauf die Erkrankung der für die VSG zuständi­ge ver.di-Sekretärin Janine Balder – haben den Arbeit­skampf gebremst, aber den Kampfeswillen nicht brechen kön­nen.

Seit Kurzem wird Balder durch Kalle Kunkel – auch zuständig für Char­ité und deren Ser­vice­tochter CFM – vertreten. Heute begrüßte er am Mikro­fon die Streik­enden der VSG das erste Mal. Seine Aus­sage, nun den Kampf der Vivan­testochter enger mit dem der CFM zu führen, wurde mit Beifall und freudi­gen Rufen begrüßt.

VSG, CFM: das ist bei­des Tar­if­flucht des Sen­ates!

Schnell legte Kalle das Mikro­fon weg und die Streik­enden sam­melten sich mit ihm in einem engen Kreis, um miteinan­der zu sprechen und zu disku­tieren. Wie kön­nen wir unser Ziel erre­ichen? Wo kön­nen wir dem Arbeit­ge­ber mehr weh tun? Was für eine Rolle spielt die Poli­tik und wie kann man die Poli­tik noch mehr ner­ven? Wie soll gestreikt wer­den? Gle­ich einen Monat Dauer­streik, oder doch lieber viele kleine Nadel­stiche?

Mit Blick auf den fünzehn­tägi­gen Aus­stand im ver­gan­genen Jahr meinte eine Kol­le­gin: “Damals haben wir die Geschäfts­führung fast in die Knie gezwun­gen.” “Ja, eine Woche mehr und sie hät­ten alles unter­schrieben”, mut­maßte ein ander­er Kol­lege.

Jemand anderes mah­nte an, den Druck auf Politiker*innen nicht zu vergessen: “Dann lasst uns vor das Rote Rathaus ziehen und dort laut sein!“ Mehr öffentlichkeitswirk­same Aktio­nen und entsprechende Pressear­beit wün­scht­en sich eben­falls mehrere Streik­ende.

Die Menge der Ideen und unter­schiedlichen Vorschläge machte klar, dass es wohl nicht die let­zte Debat­te über den Fort­gang des Streiks gewe­sen sein dürfte.

Am Abend wurde die Ankündi­gung Kunkels direkt in die Tat umge­set­zt: Auch die CFM-Kolleg*innen wur­den für Dien­stag und Mittwoch zum Streik aufgerufen, um sich mit den Kolleg*innen der VSG zusam­men­zuschließen. Dazu tre­f­fen sich die Streik­enden am heuti­gen Dien­stag alle gemein­sam am Char­ité-Cam­pus Mitte, um gemein­sam zu disku­tieren, wie es weit­erge­ht.

Am morgi­gen Mittwoch demon­stri­eren sie dann gemein­sam vor der Auf­sicht­sratssitzung von Vivantes, zu der beson­ders auch Unterstützer*innen ein­ge­laden sind. Entsprechend ist auch eine stu­den­tis­che Sol­i­dar­itäts­del­e­ga­tion geplant.

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