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200 auf Solifest für Griechenland

200 auf Solifest für Griechenland

Samstag Abend in der Hellenischen Gemeinde in Berlin-Steglitz. Ein älterer Herr, klein und im gepflegten Anzug, lächelt und schwankt zur Musik, ein Gläschen Ouzo in der Hand. Ihm gegenüber steht Holger Burner, ein junger Hamburger Rapper, der zusammen mit dem Publikum brüllt: „Nichts ist so schön wie ein rebellischer Geist!“

Diese Vereinigung verschiedener Welten war auf einem Solidaritätsfest für Griechenland mit über 200 BesucherInnen zu beobachten: Alte und Junge kamen zu politischen Reden und Hochprozentigem mit Anis, zu griechischer Volksmusik und Souvlaki. Dazu gab es auch zwei Hiphop-Auftritten mit tanzenden Greisen in der ersten Reihe.

„Wenn wir von Solidarität sprechen, geht es uns nicht nur um warme Worte“ sagte Stefan Schneider vom Griechenland-Solidaritätskomitee Berlin und RIO. Er schilderte die wachsende Repression in Hellas, wo gegen Streikende das Kriegsrecht angewendet wird, aber auch den wachsenden Widerstand. So wird in manchen besetzten Betrieben unter ArbeiterInnenkontrolle produziert. Solidarität müsse „stets praktisch sein“, so Schneider, denn Griechenland sei „nur ein Testfeld für schärfere Maßnahmen gegen die Arbeiterklasse in ganz Europa“.

Gesine Lötzsch, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, betonte in einer spontanen Rede, ständig werde von den Schulden des griechischen Staates gesprochen, während sich die BRD noch immer weigere, Reparationszahlungen in Höhe von 7,1 Milliarden US-Dollar für die während des Zweiten Weltkrieges in dem südeuropäischen Land begangenen Gräuel zu leisten.

Neben traditioneller griechischer Volksmusik gab es auch modernen Hiphop. „Ich leiste musikalischen Widerstand“ sagte der iranischstämmige Berliner Rapper Kaveh, der zusammen mit Anjun einen deutsch- und französischsprachigen Auftritt machte. „Denn das Kapital, das die Krise verursacht hat, kommt nicht nur straffrei davon, sondern wird auch noch mit Steuergeldern gerettet.“

Der Hellenischen Gemeinde in Berlin droht derzeit die Kürzung von Fördermitteln des Landes – es wäre ja auch inkonsequent, die griechische Gesellschaft wie eine Orange auszupressen und währenddessen die griechische Gemeinde in Berlin weiterhin zu fördern. Auch dagegen wollten die Organisatoren der Party ein Zeichen setzen. Zum 1. Mai wird das Solikomitee eigene Blöcke auf den Berliner Demonstrationen organisieren. In der gleichen Woche werden ArbeiterInnen aus Griechenland, unter anderem von der U-Bahn in Athen und der besetzten Fabrik Vio.Me, auf einer Podiumsdiskussion von ihren Erfahrungen berichten.

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