Unsere Klasse

wombat’s Hostel: Ungezwungen nach außen, Union Busting nach innen

Am vergangenen Wochenende ging der Arbeitskampf bei wombat’s City Hostel in Berlin in die nächste Runde. Rund zwei Dutzend Streikende und Unterstützer*innen versammelten sich vor dem Eingang des Hostels und forderten den Abschluss eines Tarifvertrags. Die Geschäftsführung verweigert das allerdings bis heute und setzt die Angriffe auf die Belegschaft weiter fort.  

wombat’s Hostel: Ungezwungen nach außen, Union Busting nach innen

Sascha Dim­itriewicz und Mar­cus Praschinger. Das sind die Namen der selb­st ernan­nten „crazy own­ers“ der wombat’s City Hos­tels. Das öster­re­ichis­che Unternehmen hat mit­tler­weile in vier europäis­chen Län­dern Hos­tels eröffnet, die jew­eils von Tochterun­ternehmen betrieben wer­den. Auf der Web­site wirbt das Unternehmen mit ein­er „neuen Unternehmen­sphiloso­phie“ und dem so genan­nten „wom­spir­it“. Ein Image von Ungezwun­gen­heit, welch­es sie auch den Beschäftigten ver­suchen zu verkaufen: mit ange­blich flachen Hier­ar­chien, Verzicht auf vorgeschriebene Arbeit­sklei­dung, Feier­abend­bier mit Gästen in der hau­seige­nen Bar – aber eben auch Gehäl­ter knapp über dem Min­dest­lohn, Unter­schre­itung geset­zlich vorgeschrieben­er Ruhep­ausen und jahre­lange Unter­schla­gung von Urlaub­sansprüchen der Minijobber*innen. 

Doch in Berlin haben die Kolleg*innen vor gut drei Jahren begonnen sich zu wehren. Der Streik am ver­gan­genen Son­ntag war der jüng­ste in ein­er Rei­he von Organ­isierungs- und Kampf­maß­nah­men.


Video-Inter­view der Berlin­er Aktion gegen Arbeit­ge­berun­recht mit ein­er Streik­enden
 

Der harte Weg des Betriebsrats

Bis zum heuti­gen Tag war es ein steiniger Weg: Am Beginn ihres Kampfes stand die Ein­leitung von Betrieb­sratswahlen, um betriebliche Mitbes­tim­mung gegen die schlecht­en Löhne und Arbeits­be­din­gun­gen durchzuset­zen. Doch mit Ein­leitung der Wahl began­nen auch schon die Angriffe der Geschäfts­führung. In einem offe­nen Brief an alle Mitarbeiter*innen in Berlin (der KGK vor­liegt und den wir zu Doku­men­ta­tion­szweck­en hier hochge­laden haben), ver­sucht­en sie die Wahl zu ver­hin­dern. Dort hieß es unter anderem: 

Die Grün­dung eines Betrieb­srats hal­ten wir daher für einen Schritt in die falsche Rich­tung, denn er dient auss­chließlich dazu, einzel­nen Mitar­beit­ern (näm­lich denen, die in so einen Betrieb­srat gewählt wer­den) sich hin­ter einem besseren Kündi­gungss­chutz (als ihn alle anderen genießen) zu ver­steck­en, aber sich­er nicht dazu die Fra­gen oder die Prob­leme der Mitar­beit­er zu beant­worten oder zu lösen.

Im weit­eren Ver­lauf des Briefes lässt die Geschäfts­führung keinen Zweifel, dass sie von Geset­zge­bung wenig hal­ten:

Es liegt an euch hier und jet­zt Ver­ant­wor­tung für alle zu übernehmen und dieses Vorhaben abzublasen, oder einzel­nen von euch die Möglichkeit zu geben sich hin­ter dem deutschen Arbeit­srecht zu verkriechen und euer gewohntes Arbeit­sum­feld nach­haltig zu gefährden.

Und sie dro­hen sog­ar recht unver­hohlen mit Kon­se­quen­zen, die die Grün­dung eines Betrieb­srats mit sich zieht. 

Es wird nach dieser Grün­dung eines Betrieb­srates auch von unser­er Seite einige Änderun­gen geben, die dieser neuen Sit­u­a­tion Rech­nung tra­gen wer­den, und wir soll­ten danach alle über­prüfen, ob sich unser Zusam­men­leben verbessert, oder ver­schlechtert hat.

Unter­schrieben ist der Brief natür­lich – ungezwun­gen wie sich die Geschäfts­führer eben geben – mit „Sascha und Mar­cus“. Anson­sten gibt der Brief die Rich­tung vor, die die Geschäfts­führer in den näch­sten Jahren gegen die Beschäftigten eingeschla­gen haben. Ungezwun­gen nach außen – Union Bust­ing nach innen. Dass Sascha und Mar­cus nicht die net­ten Unternehmenspart­ner von nebe­nan sind, zeigt die kon­se­quente Zusam­me­nar­beit mit den ein­schlägig­sten Union-Bust­ing-Kan­zleien, wie zum Beispiel RA Tobias Gram­bow von Buse, Heber­er und Fromm. Das ist die Kan­zlei, die damals den Betrieb­srat der Restau­ran­tkette Mare­do in den Keller einsper­ren ließ.

Nach der Betrieb­sratswahl ver­suchte die Geschäfts­führung die Kolleg*innen abzus­trafen. Im August 2016 stell­ten sie einen Abset­zungsantrag gegen den Betrieb­srat. Da sie aber nun gegen die Stamm­belegschaft nicht ein­fach so vorge­hen kon­nten – dem Betrieb­srat sei Dank –, drück­ten sie die Löhne von Neuangestell­ten um rund einen Euro auf das Niveau des dama­li­gen Min­dest­lohns. Da sich der Betrieb­srat in der Zwis­chen­zeit jedoch etablieren kon­nte, stieg das Ver­trauen in die Mit­glieder, die nun stärk­er began­nen, den gew­erkschaftlichen Kampf voranzutreiben. Vor­angetrieben wurde die Organ­isierung nicht zulet­zt durch die Angriffe der Geschäfts­führung auf die Belegschaft, die den Kolleg*innen die Vorteile gew­erkschaftlich­er Organ­isierung deut­lich vor Augen führten. Im August 2017 hat­te die Gew­erkschaft Nahrung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) dadurch einen Organ­i­sa­tion­s­grad von 80 Prozent erre­icht.

Kampf um den Tarifvertrag

Im sel­ben Monat forderte die NGG zum ersten Mal den Abschluss eines Tar­ifver­trags, der sich an den Flächen­tar­ifver­trag des Hotel- und Gast­stät­tengewerbes anschließt, von der Geschäfts­führung. Diese Forderung wurde damals in drei Zeilen abgelehnt, weil man keine Notwendigkeit sehe. Daraufhin beschloss eine Mit­gliederver­samm­lung im Novem­ber 2017 die Ein­leitung von Arbeit­skampf­maß­nah­men. Der erste Streik fand dann im Dezem­ber statt. Dort beteiligten sich auch Kolleg*innen, die nicht Mit­glied der Gew­erkschaft waren. Die Geschäfts­führung erteilte allen Streik­enden damals Hausver­bot. Und beim zweit­en Warn­streik set­zt sie sog­ar noch eins drauf: Es wur­den Abmah­nun­gen verteilt, die den Kolleg*innen, die sich am Streik beteili­gen, mit frist­los­er Kündi­gung dro­hte. Den­noch war auch dort die Teil­nahme sehr hoch. Allerd­ings machte die Geschäfts­führung ihre Dro­hung danach wahr und sprach gegen zwei Beschäftigte frist­lose Kündi­gun­gen wegen uner­laubten Ent­fer­nens vom Arbeit­splatz aus. Die Kündi­gun­gen hat­ten jedoch vor Gericht keinen Bestand. Auch die Mah­nun­gen musste die Geschäfts­führung zurückziehen. 

Auf­grund dieses Drucks nahm die Geschäfts­führung dann doch Tar­ifver­hand­lun­gen auf, um den Streik der Beschäftigten zu been­den. Bere­its im Feb­ru­ar verkün­dete der NGG-Sekretär im neuen Deutsch­land die Eini­gung auf eine Absicht­serk­lärung. Die Tar­ifver­hand­lun­gen wur­den am 21. März abgeschlossen. Doch unter­schreiben möchte die Geschäfts­führung immer noch nicht. Ganz im Gegen­teil: Seit­dem ver­sucht die Geschäfts­führung die Unter­schrift zu erpressen, indem sie weit­er Forderun­gen an den Betrieb­srat stellt, bevor sie ihre Unter­schrift set­zen. 

Außer­dem hat die Geschäfts­führung angekündigt, 12 Reini­gungskräfte in eine „leere Hülle“ ein­er extra dafür gegrün­de­ten Tochter­fir­ma aus Bay­ern auszugliedern und somit die Belegschaft zu spal­ten. Wenn dieses Vorhaben erfol­gre­ich ist, wäre die Geschäfts­führung für diese Beschäftigten nicht an den (noch zu unter­schreiben­den) Tar­ifver­trag gebun­den. Mit dieser Prax­is ist wombat’s jedoch nicht allein. In den Kranken­häusern wur­den bere­its dutzende Tochter­fir­men gegrün­det, am Botanis­chen Garten existierte bis vor Kurzen eine solche Tochter­fir­ma und selb­st die BVG hat um die Jahrtausendwende die BT als Tochterun­ternehmen gegrün­det. Zweck dieses Out­sourcings ist dabei immer: Tar­if­flucht, Lohn­dump­ing und die Spal­tung der Belegschaft. 

Umso wichtiger ist, dass die Beschäftigten nicht nur für den Abschluss eines Tar­ifver­trags kämpfen, son­dern sich auch gegen die geplante Aus­gliederung wehren. Anson­sten dro­ht auch dort eine Spal­tung der Belegschaft in zwei Klassen, die nur im Sinne der Geschäfts­führung sein kann. Dass solch ein Kampf erfol­gre­ich sein kann, zeigt das Beispiel des Botanis­chen Gartens. Dort haben die Beschäftigten durch ihren aus­dauern­den Kampf die Auflö­sung des Tochterun­ternehmens erre­icht und sich damit zurück in den Tar­ifver­trag der Län­der gekämpft. Ein Erfolg, der für viele Kolleg*innen Lohn­er­höhun­gen von mehreren Hun­dert Euro pro Monat bedeutete. Dieser Kampf war ein Erfolg der Streik­enden und der zahlre­ichen Unter­stützungsak­tion von anderen gew­erkschaftlich Aktiv­en und Studieren­den der Freien Uni­ver­sität Berlin. 

Was tun?

Auch für den Arbeit­skampf bei wombat’s wäre eine Ausweitung ein wichtiger Schritt. Ins­beson­dere auf weit­ere wombat’s‑Hostels in Deutsch­land und Europa, um nicht isoliert in Berlin zu bleiben, aber eben auch auf andere Sek­toren der Beschäftigten in Berlin. Denn Lohn­dump­ing, Out­sourc­ing und Union Bust­ing sind längst keine Einzelfälle, son­dern sys­tem­a­tis­che Ver­suche die eige­nen Gewinne auf dem Rück­en der Beschäftigten zu erhöhen und gew­erkschaftliche Organ­isierung im Keim zu erstick­en. Wombat´s ist hier­für ein gutes Beispiel. Bericht­en zur Folge gön­nen sich Wombat´s Manager*innen bere­its einen Ruh­e­s­tand ab dem 50. Leben­s­jahr, während sich ein­fache Beschäftigte schon bei min­i­malen Forderun­gen nach einem Tar­ifver­trag und Mitbes­tim­mung heftig­sten Angrif­f­en aus­ge­set­zt sehen. Diese Angriffe kön­nen auch nicht durch eine schein­bar famil­iäre und ungezwun­gene Atmo­sphäre ver­schleiert wehren. Die beste Meth­ode, gute Arbeits­be­din­gun­gen durchzuset­zen, ist der gew­erkschaftliche Kampf und die Sol­i­dar­ität aller Kolleg*innen im Betrieb und außer­halb. Außer­dem kann man auch wombat’s wie alle anderen Hos­tels natür­lich auch online auf Por­tal­en bew­erten und dort der Forderung nach einem Tar­ifver­trag Nach­druck ver­lei­hen. Wie das unge­fähr ausse­hen kann, hat ein User bere­its im Dezem­ber 2017 gezeigt (siehe Bild unten).

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