Geschichte und Kultur

Woher kommt die Antifa?

Ein kurzer Überblick über die Entstehungsgeschichte der Antifaschistischen Aktion.

Woher kommt die Antifa?

Anfang der 1930er Jahre wur­den die Nazis immer stärk­er. Bei den Wahlen von 1930 haben sie ihren Stim­menan­teil ver­sechs­facht, auf 18 Prozent. Mitte 1932 waren es bere­its 37 Prozent.

Aber die Nazis waren nicht in erster Lin­ie bei Wahlen aktiv. Immer häu­figer über­fie­len und ermorde­ten sie ihre Gegner*innen. Alle Organ­i­sa­tio­nen der Arbeiter*innenbewegung in Deutsch­land waren von den Nazis bedro­ht. Dazu gehörten die Gew­erkschaften, die Sozialdemokratis­che Partei Deutsch­lands (SPD) und die Kom­mu­nis­tis­che Partei Deutsch­lands (KPD).

Eine vere­inte Gegen­wehr aller Arbeiter*innen hätte die Nazis besiegen kön­nen. Wir dür­fen nicht vergessen, dass bei den let­zten Wahlen 1933 die SPD und die KPD zusam­men noch mehr Stim­men beka­men als Hitler.

Aber gemein­same antifaschis­tis­che Aktio­nen gab es nicht. Die SPD nan­nte die KPD “rot­lack­ierte Faschis­ten” oder “Kozis”. Die KPD nan­nte die SPD “Sozial­faschis­ten”. Und für bei­de Seit­en war klar: Man kann nicht mit Faschist*innen gegen andere Faschist*innen zusam­men kämpfen.

Wie woll­ten sie sich gegen die Nazige­fahr wehren? Die SPD ging davon aus, dass der Staat, die Weimar­er Ver­fas­sung und die Polizei sie schützen würde. Die KPD dage­gen kämpfte aktiv gegen die SA-Ban­den – aber in der Annahme, dass sie als radikale Min­der­heit allein mit den Nazis fer­tig wer­den kön­nten.

Was bedeutet Einheitsfront?

Bei­de lagen falsch. Nötig war eine wirk­liche Ein­heits­front gegen den Faschis­mus. Ein­heits­front bedeutet: “Getren­nt marschieren, gemein­sam schla­gen!” Also jede*r soll das eigene Pro­gramm behal­ten und die eigene Wer­bung dafür machen, aber wenn es zur Aktion kommt, han­delt man zusam­men. SPD und KPD hat­ten riesige Unter­schiede. Die SPD ver­wal­tete den Kap­i­tal­is­mus, der in ein­er tiefen Krise war. Die KPD wollte die sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion.

Aber sie hät­ten trotz­dem konkrete Aktio­nen vere­in­baren kön­nen. Ein*e kommunistische*r Arbeiter*in kön­nte zu einem*r sozialdemokratis­chen Kollegen*in sagen:

Die Poli­tik unser­er Parteien ist unver­söhn­lich; aber wenn die Faschis­ten heute Nacht kom­men, um die Räume Dein­er Organ­i­sa­tion zu zer­stören, so werde ich Dir mit der Waffe in der Hand zu Hil­fe kom­men. Ver­sprichst Du, eben­falls zu helfen, wenn die Gefahr meine Organ­i­sa­tion bedro­ht?

Viele Men­schen erkan­nten die Gefahr des Faschis­mus und forderten eine solche Ein­heits­front. Aber bei­de Parteien lehn­ten ab. Stattdessen grün­de­ten sie Pseu­do-Ein­heits­fron­ten – mit sich selb­st. Die SPD hat­te die “Eis­erne Front”, zusam­men mit von ihnen ange­führten Gew­erkschaften und ein paar Lib­eralen. Sie set­zte eigentlich auf die bürg­er­liche Polizei gegen die Nazis.

Bild: Die drei Pfeile wer­den heute noch von vie­len anar­chis­tis­chen Grup­pen wie RASH oder von Antifa-Refer­at­en ver­wen­det, ihr Ursprung ist das Ban­ner der “Eis­er­nen Front” der Sozialdemokrat*innen, hier zur Wahl 1932. Sie richtete sich gegen Monarchist*nnen, Faschist*innen und Kommunist*innen.

Die KPD grün­dete die “Antifaschis­tis­che Aktion”. Sie war offiziell offen für alle – ange­blich auch für SPD-Mit­glieder. Aber die mussten akzep­tieren, dass in der “Antifaschis­tis­chen Aktion” die SPD zu allererst ange­grif­f­en wird. Voraus­ge­set­zt wurde, dass SPD-Mit­glieder erst aus der SPD aus­treten soll­ten, bevor sie der “Antifaschis­tis­chen Aktion“ beitreten kon­nten. Das ging nicht auf.

Bild: Die “Antifaschis­tis­che Aktion” der KPD 1932: Ange­blich eine Ein­heits­front, die sich aber zuerst gegen die SPD wen­dete — auf dem Ban­ner links wird sie verspot­tet. Kein*e SPD-Arbeiter*in wurde so ern­sthaft für den gemein­samen Kampf gewon­nen.

Die SPD war schon damals eine kor­rupte kap­i­tal­is­tis­che Partei – aber sie war trotz­dem die Partei mit den meis­ten organ­isierten Arbeiter*innen an der Basis in Deutsch­land. Ohne ihre Mit­glieder war der Kampf gegen die Nazis nicht zu gewin­nen.

Diese Poli­tik der Tren­nung hielt sich bis zum 30. Jan­u­ar 1933, als die deutschen Eliten die Macht an Hitler über­gaben. Danach wurde die größte Arbeiter*innenbewegung der Welt von der SA und der Polizei zer­schla­gen. Gew­erkschaften wur­den ver­boten, die KPD und SPD eben­so. Und dabei ist kaum ein Schuss gefall­en. Die kampflose Nieder­lage ist die schlimm­ste Art von Nieder­lage. Die Arbeiter*innenbewegung blieb getren­nt, “bis sich Sozialdemokrat­en und Kom­mu­nis­ten schließlich vere­int sahen – im  KZ”.

Was können wir daraus für heute lernen?

Gegen die rechte Gefahr kön­nen wir uns nicht auf den Staat ver­lassen.

Wir brauchen bre­ite Masse­nak­tio­nen gegen den Faschis­mus: Demos, Block­aden, selb­st aktiv wer­den.

Dieser Kampf kann nicht auf eine radikale Min­der­heit beschränkt bleiben. Alle Organ­i­sa­tio­nen der Arbeiter*innenbewegung müssen aufge­fordert wer­den, aktiv ihre Mit­glieder zu mobil­isieren – ger­ade die Gew­erkschaften, aber eben auch die Linke und die SPD.

Denn wenn Nazis zu ihren Demos in einem Zug anreisen, kön­nen 200 Antifas einen Zug block­ieren. Aber genau ein*e Lokführer*in kann sich auch weigern, die Nazis zu trans­portieren. 200 Antifas kön­nen am Flughafen durch Block­aden Abschiebun­gen ver­hin­dern. Ein*e einzige*r Pilot*in, der*die sich weigert zu starten, aber eben auch. Tat­säch­lich kommt let­zteres auch immer wieder mal vor. Doch nur durch die Organ­i­sa­tion dieser Arbeiter*innen kön­nen solche Aktio­nen effek­tiv und geplant ablaufen. Nur Arbeiter*innen haben die Macht, die sozialen und demokratis­chen Forderun­gen aller Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten durchzuset­zen.

5 thoughts on “Woher kommt die Antifa?

  1. Lorenz sagt:

    Gibt’s dazu eine Fort­set­zung?

  2. Stephan Gramm sagt:

    Sehr inter­es­sant und infor­ma­tiv. Vielle­icht ler­nen einige aus der deutschen Geschichte!

  3. Jörg sagt:

    nur 100 Jahre später das gle­iche Bild. Kein­er ver­ste­ht, daß der Kol­lege neben oder über oder unter ihm genau­so ein Sklave ist, wie er selb­st — Kein­er reicht keinem die Hand- brav! Genau so, wie das Kap­i­tal es will.
    Tren­nen und unter­drück­en — oder “teile und herrsche“

  4. tom rocker sagt:

    Wir haben auf fb@initiative rock gegen rechts kom­men­tiert. guter beitrag!???

  5. wombatvie sagt:

    Kleine Ergänzung: Die 3 Pfeile find­en als Sym­bol auch in der SPÖ (und früher auch in der sein­erzeit­i­gen SDAP) sehr oft Ver­wen­dung, öfters als in Deutsch­land.
    Zurück­zuführen auf “gegen Kap­i­tal­is­mus, Faschis­mus und Reak­tion”. Siehe auch hier:
    http://www.dasrotewien.at/symbole-sozialdemokratische.html

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