Unsere Klasse

“Wir sind viel mehr als in den letzten Jahren”

Am zweiten Tag des Warnstreiks der Charité Facility Management (CFM) trat auch der Bereich der Zentralsterilisation in den Ausstand. Wir sprachen mit Pinar und Tweelarp, zwei Kolleginnen aus der "Steri" im Virchow-Klinikum.

Pinar und Twee­larp, ihr seid heute mit zum Streik aufgerufen wor­den. Wo arbeit­et ihr in der CFM und wie erfol­gre­ich war eure Mobil­isierung heute?

Pinar: Wir arbeit­en in der AEMP, der Auf­bere­itung­sein­heit Medi­z­in­pro­duk­te. Früher wurde das “Zen­tral­ster­il­i­sa­tion” genan­nt. Wir bere­it­en dort OP-Pro­duk­te auf, damit sie in den OP-Sälen ster­il einge­set­zt wer­den kön­nen. Ohne uns funk­tion­iert das Kranken­haus gar nicht, wir sind eigentlich das Herz der Char­ité.

Twee­larp: Aus der AEMP sind heute über 40 Per­so­n­en im Streik, dazu kommt noch die Nachtschicht und der Ster­i­trans­port. Einige wie ich sind zum ersten Mal im Streik, das ist sehr aufre­gend. Andere wie Pinar waren schon früher dabei.

P.: Die Char­ité musste auch mit den OPs run­ter­fahren, der Streik hat also schon Auswirkun­gen.

Warum seid ihr in den Streik getreten?

T.: Wir wollen in den Tar­ifver­trag des Öffentlichen Dien­stes (TVÖD) hinein, wie die anderen Beschäftigten an der Char­ité.

P.: Aktuell gibt es große Unter­schiede zwis­chen den “Gestell­ten”, also diejeni­gen, die einen Arbeitsver­trag direkt bei der Char­ité haben, und uns Beschäftigten der aus­ge­lagerten CFM. Zum Beispiel beim Gehalt, beim Urlaub, bei den Arbeitsstun­den. Sog­ar im Krankheits­fall: Gestellte haben drei Karen­z­tage, wir keine. Dafür müssen wir auf viele Sachen im Pri­vatleben verzicht­en, kön­nen weniger in den Urlaub fahren und so weit­er.

T.: Das ist ungerecht, wir haben das Recht auf gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit. Und in der “Steri” arbeit­en über­wiegend Frauen, das merkt man auch heute beim Streik.

Wie habt ihr euch organ­isiert?

P.: Wir sind viel mehr als in den let­zten Jahren, damals waren wir nur zu dritt – heute sind wir über 40. Die Leute merken, dass die Arbeit immer mehr und das Per­son­al immer weniger wird. Das bringt sie zum Streik. Wir haben aber auch viel Vor­bere­itungsar­beit geleis­tet und viele Gespräche geführt, um die Leute zu überzeu­gen, mit rauszukom­men.

Was ist euer Ziel? Was erwartet ihr vom Berlin­er Sen­at?

T.: Wie gesagt, wir wollen einen Tar­ifver­trag, mit weniger Arbeitsstun­den, mehr Urlaub, mehr Lohn. Unser Ziel ist der TVÖD.

P.: Der näch­ste Schritt ist jet­zt, dass wir noch mehr wer­den müssen und noch mehr Bere­iche in den Streik treten. Der Berlin­er Sen­at hat einen Ver­gabe­mindest­lohn von 12,50€ beschlossen, die Geschäfts­führung sagt, dass sie das nicht zahlen kann. Dann müssen wir noch mehr Druck auf­bauen.

Bei der anderen Char­ité-Tochter CPPZ haben die Kolleg*innen ja durch den Streik die Wiedere­ingliederung durchge­set­zt, es ist also möglich. Wir wer­den euren Kampf weit­er sol­i­darisch begleit­en und wün­schen euch viel Erfolg!

One thought on ““Wir sind viel mehr als in den letzten Jahren”

  1. Christina Hentrich-Heidfeld sagt:

    Ich bin ehe­ma­lige Mitar­bei­t­erin der AEMP Zen­tal­ster­il­i­sa­tion habe vor 1,5 jahren zur Charite gewech­selt . Ich unter­stütze die Kol­le­gen voll und ganz Gute Arbeit sollte auch gut bezahlt wer­den . Und die Kol­le­gen der ZSVA leis­ten großar­tige Arbeit

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