Wir Jugendlichen wollen getestet werden!

30.03.2020, Lesezeit 4 Min.
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Auch Jugendliche müssen sich massenhaft auf das Coronavirus testen lassen können. Denn ohne es zu wissen, verbreiten wir den Virus weiter und riskieren so viele Menschenleben.

Fotoquelle: Tim Lüddemann

Südkorea hat durch seine massenhaften Corona-Tests stark dazu beigetragen, dass wir mehr und mehr über das Corona-Virus erfahren. So wurde dort beispielsweise herausgefunden, dass viele Jugendliche Träger des Virus sind, ohne dass sie Symptome aufweisen. Mitte März waren in Südkorea 30% der positiv getesteten Menschen zwischen 20 und 29 Jahre alt.

Im Vergleich dazu lag der Anteil von positiv getesteten 20- bis 29-jährigen in Italien bei nur 3,7%. Diese so unterschiedlichen Ergebnisse kommen zustande, da in Italien nur diejenigen getestet wurden, die bereits in medizinischer Behandlung waren. Die Altersgruppe der 20- bis 29-jährigen ist häufig asymptomatisch und erscheint daher nicht in den Statistiken.

Es gibt jedoch auch in Italien ein vorteilhaftes Beispiel: die Kleinstadt Vò mit etwa 3000 Einwohner*innen, wo der erste Corona-Todesfall in Italien registriert wurde. Seit Beginn des Ausbruches wurden alle Bewohner*innen wiederholt getestet. Einige Reporte berichten, dass zwischen 1/2 und 3/4 der Träger*innen des Virus in Vò asymptomatisch waren.

Durch das Testen aller Menschen und nicht nur derjenigen, die Symptome zeigten, konnten die lokalen Behörden asymptomatische Träger*innen unter Quarantäne stellen. Das kann mit typischeren Testmethoden zur Bestätigung von COVID-19 bei symptomatischen Personen nicht erreicht werden konnte.

In Vò wurde Covid-19 auf diese Weise innerhalb von 14 Tagen vollständig ausgelöscht.

Auf der einen Seite stellen wir jungen Menschen gerade eine große Gefahr für die Gesellschaft dar. Ohne es zu wissen, verbreiten wir den Virus weiter und riskieren so viele Menschenleben. 

Gerade in einer Situation wie der jetzigen, in der unsere Gesellschaft mehr denn je auf Solidarität angewiesen ist. Wenn wir mit guten Intentionen denjenigen, die es nötig haben, helfen wollen, indem wir Einkäufe erledigen, auf Kinder aufpassen oder Essen verteilen, gefährden wir sie.

Andererseits kann man sich in ganz Deutschland nur testen lassen, wenn man schon Symptome aufweist. Das sorgt dafür, dass viele Jugendliche, selbst wenn sie den Verdacht haben, ansteckend zu sein, da sie sich beispielsweise in Risikogebieten aufgehalten haben, sich nicht testen lassen können.

Wie sollen wir denn so guten Gewissens solidarische Hilfe leisten?

Es stellt sich die Frage, wieso es Regelungen gibt, die es Menschen stark erschweren, sich testen zu lassen. Die Antwort: Es gibt zu nicht einmal ansatzweise genügend medizinische Ausstattung und Personal. Beispielsweise kriegen viele Krankenhausarbeiter*innen pro Schicht nur eine Atemschutzmaske, eine Vorsichtsmaßnahme, die ihnen so gut wie gar nicht hilft. In Bereichen, in denen der Betreuungs-Schlüssel bei 1:1 bzw. auch 1:max. 3 liegen sollte, ist die Realität, dass auf eine Pflegekraft 10 oder mehr Patient*innen kommen. Dass Pausen ganz wegfallen, ist leider an vielen Krankenhäusern die Regel. Um das auszugleichen, was in den vorherigen Jahren kaputt-gespart und ignoriert wurde, müssen jetzt tausende Freiwillige, d.h. unbezahlte(!) Helfer *innen gesucht werden. Um den erhöhten Ansturm auf Pflegeeinrichtungen noch stemmen zu können, müssen viele Hygienevorschriften gelockert werden.

Doch es führt kein Weg daran vorbei, massenhafte Tests in der ganzen Gesellschaft durchzuführen. Nur so können Infizierte schneller erkannt und isoliert werden.

Das Beispiel Südkorea hat gezeigt, dass sich auf diese Weise eine deutlich bessere Bewältigung der Krise ermöglichen lässt. 

Wie können wir es also schaffen, diesen krassen Mangel an Arbeitskraft und Material im Gesundheitssektor zu bewältigen?
Die Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO) hat eine Antwort. Sie fordert:

Außerordentliche Haushaltsspritze für die öffentliche Gesundheit. Drastische Sondersteuern auf Gewinne und Vermögen der Unternehmen und Reichen zur Finanzierung aller Auswirkungen der Krise.

So kann auch letztendlich folgende weitere Forderung erreicht werden:

Massive Tests für die gesamte Bevölkerung. Kostenfreie Sicherstellung der medikamentösen Versorgung aller Menschen. Abschaffung von Patenten auf Impfstoffe und Medikamente. Alle Labors, die Tests produzieren und an Impfstoffen forschen, müssen dazu gezwungen werden, ihre Zwischenergebnisse zu koordinieren und ihre Tests und Impfstoffe weltweit frei und kostenlos verfügbar zu machen.

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