Jugend

„Wir haben zahlreich Pfefferspray in die Fresse bekommen“

Die Demonstration #Berlin Nazifrei am vergangenen Samstag brachte bis zu 10.000 Menschen auf die Straße. Viele Medien haben jedoch einen Fakt fast vollständig ignoriert: die massive Repression gegen jugendliche Antifaschist*innen. Tabea Winter und Stefan Schneider sprachen mit Nico, Leon und Walter, drei Schülern aus Friedrichshain, über ihre Erfahrungen.

Warum seid ihr am Samstag auf die Straße gegangen?

Walter: Ich finde, dass zu Zeiten, wo immer mehr Anschläge auf Geflüchtete und Migrant*innen verübt werden, Courage auf der Straße wichtig ist, anstatt einfach still für sich in seinem kleinen Kämmerchen zu sitzen.

Nico: Wir sind auf die Demo gegangen, weil wir gegen Nazis ein Zeichen setzen wollten. Wir wollten ihre Demo auch blockieren, auch wenn das nicht geklappt hat. Das lag einerseits daran, dass die Bullen zu gut aufgestellt waren. Aber auch die Lage der Spree und die engen Straßen haben nicht geholfen. In der gesamten Situation war es schwierig, zu blockieren.

Leon: Grundsätzlich finde ich die Aktion gut, weil es einfach besser ist, wenn es die Nazis in der Stadt nicht gibt. Zweitens hatte ich meiner Bezugsgruppe versprochen, dass ich hingehe, und Solidarität ist wichtig, also war ich da. Aber der einzig wirklich gute Moment in Richtung Blockade war der Durchbruchversuch kurz hinter dem Brandenburger Tor, der aber leider relativ schnell aufgehalten wurde.

Inwiefern war die Demo für euch besonders?

Walter: Das ist eine gute Frage. Zum Einen, als gesagt wurde, wie viele Tausende Menschen wir an dem Tag waren. Zum Anderen habe ich zum ersten Mal aus gut fünf Metern – ohne dass ich es kommen sah – Pfefferspray direkt in die Augen bekommen, obwohl ich hinter fünf Reihen Menschen stand. Das war ein sehr „schönes“ Erlebnis, weil ich auch überhaupt nicht damit gerechnet habe, weil die Lage eigentlich entspannt war.

Nico: Ja, schön war, dass wir extrem viele Leute waren, an die zehntausend Leute. Dadurch haben wir gezeigt, dass Berlin nazifrei bleibt und auch weiter bleiben soll, auch wenn es einen sehr starken Rechtsruck gibt.

Schlecht war das Pfefferspray, das wir zahlreich in die Fresse bekommen haben. Trotzdem war es besser als die letzte Demonstration gegen die Rechten – dort waren wir nur 1000 Leute, wurden gekesselt und Blockadeversuche waren nicht möglich. Jetzt waren wir zehn Mal mehr Leute.

Walter: Ich fand es auch nach dieser letzten Demo, wo die Linke sich eigentlich ziemlich blamiert hat, gut, dass Berlin sich so offen gezeigt hat, und es war gut, dass die Nazis wenig sichtbar waren. Gleichzeitig hat sich deutlich gezeigt, wie die Polizei drauf ist.

Wie habt ihr die Repression genau erlebt?

Nico: Die Repression war sehr stark. Eigentlich sind ja viele hinterhergegangen, als wir durchgebrochen sind. Auch wenn es viele Leute gab, die das nicht machen wollten, weil sie keinen Stress wollten. Die Repression der Bullen war aber auf jeden Fall sehr stark.

Leon: Die Cops haben einfach in eine enge Hochhausschlucht Pfefferspray hineingesprüht. Das haben auch Zivilist*innen mit Kindern abbekommen, das war ziemlich krass. Ich fand auch krass, dass die Polizei uns einfach umgeboxt hat, weil sie nicht wollten, dass wir einen bestimmten Weg lang laufen, das war nicht so witzig.

Walter: Die Repression fand insgesamt sehr Oft an Orten statt, wo sie unnötig war: Jugendliche wurden geschlagen in Situationen, in denen klar war, dass sie nichts mehr ausrichten können. Wir waren eine kämpferische Demo, aber wir waren auch nicht auf Krawall aus und haben auch in den meisten Straßen nicht versucht, durchzubrechen. Wir wurden gekesselt, wir wurden geschlagen. Alte Leute haben was abbekommen, junge Leute haben was abbekommen, für alle war etwas dabei.

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