Frauen und LGBTI*

“Wir brauchen keinen Hillary-Clinton-Feminismus!”

Am 11. Juni veranstalteten die antikapitalistische Hochschulgruppe organize:strike und die sozialistisch-feministische Gruppe Brot und Rosen an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin eine Debatte zum Thema “Feminismus auf der richtigen Seite der Barrikade – Warum muss unser Feminismus antikapitalistisch sein?”.

25 Men­schen waren trotz Hitze und Schienen­er­satzverkehr dabei und haben mit uns disku­tiert, welchen Fem­i­nis­mus wir heute brauchen, welche Kämpfe von Arbei­t­erin­nen – vor allem gegen Out­sourc­ing – heute schon existieren und wie dies an die ASH getra­gen wer­den kann.

In ihrer Ein­leitung stellte die Mod­er­a­torn Inés, Stu­dentin an der ASH, anhand ihrer Erfahrung im Arbeit­skampf dar, dass Unis nicht nur ein Ort des Studierens, son­dern auch ein Ort des Arbeit­ens und Kämpfens ist. Ger­ade die Auseinan­der­set­zung um den stu­den­tis­chen Tar­ifver­trag TVS­tud war für viele ein Moment, in dem sie gemerkt haben, dass ihre Inter­essen sich mit denen ander­er Arbeiter*innen über­schnei­den. Deshalb han­delt es sich aus­ge­hend von diesen Erfahrun­gen darum, zum Einen ver­schiedene Arbeit­skämpfe miteinan­der zu verbinden, aber auch demokratis­che Kämpfe für mehr Rechte.

Lil­ly schloss an diese Aus­führun­gen an und beschrieb zunächst die neue fem­i­nis­tis­che Welle weltweit, mit der sich die Frauen als erste soziale Bewe­gung gegen den inter­na­tionalen Recht­sruck der let­zten Jahre gestellt haben. Jedoch ste­ht diese Bewe­gung vor der Her­aus­forderung, die Gren­zen des lib­eralen Fem­i­nis­mus zu über­winden und zu ein­er tat­säch­lichen Sys­temal­ter­na­tive zu wer­den. Lil­ly argu­men­tierte für einen antikap­i­tal­is­tis­chen Fem­i­nis­mus der Arbei­t­erin­nen, der sich von einem lib­eralen Fem­i­nis­mus abgren­zt. Dazu stellte sie das Buch “Brot und Rosen” von Andrea D’Atri vor, das in diesem Jahr auf Deutsch erschienen ist, und nahm fünf Lehren zur Hil­fe, die sie anhand des Buch­es für die Anwe­senden illus­tri­erte: Erstens, dass Frauen kämpfende Sub­jek­te sind, ver­bun­den mit der sozialen Posi­tion, die der Kap­i­tal­is­mus ihnen zuweist. Dieser Kampf ist zweit­ens kollek­tiv und ver­bun­den mit gesamt­ge­sellschaftlichen Bewe­gun­gen, in denen Rechte erkämpft oder ver­loren wer­den. Drit­tens haben den­noch nicht alle Frauen die gle­ichen Inter­essen, da im Kap­i­tal­is­mus die formelle Gle­ich­heit der Rechte immer mit ein­er anhal­tenden Ungle­ich­heit der Lebens­be­din­gun­gen ver­bun­den ist. Viertens muss deshalb die Frauen­be­we­gung mit der Arbeiter*innenbewegung gemein­sam kämpfen. Voraus­set­zung dafür ist die Über­win­dung der Tren­nung zwis­chen Frauen- und Arbeiter*innenbewegung, die in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten durch Bürokra­tien in bei­den Bewe­gun­gen durchge­set­zt wurde. Und fün­ftens müssen wir für eine tat­säch­liche Befreiung den Kap­i­tal­is­mus stürzen, denn ein lib­eraler Fem­i­nis­mus à la Hillary Clin­ton ver­spricht zwar einige Verbesserun­gen für einige Frauen, bietet jedoch keine Lösung für die bre­ite Masse der Frauen und der Unter­drück­ten an.

Im Anschluss stellte Char­lotte, Hebamme aus München, die Arbeitssi­t­u­a­tion an Kranken­häusern und den Kampf dage­gen dar. Sie beschrieb, warum dieser Kampf gegen Prekarisierung ein fem­i­nis­tis­ch­er Kampf ist. Denn zum Einen betr­e­f­fen die prekären Arbeits­be­din­gun­gen an Kranken­häusern, genau­so wie in vie­len anderen Care-Bere­ichen, vor allem Frauen. Zum Anderen ist ein Kampf für die Verbesserung von Arbeits­be­din­gun­gen in Kranken­häusern immer auch ein Kampf für bessere Gesund­heitsver­sorgung und deshalb aufs Eng­ste mit Kämpfen für repro­duk­tive Rechte wie das Recht auf Abtrei­bung ver­bun­den. Dazu the­ma­tisierte Char­lotte auch die Notwendigkeit, mit einem Frauen­streik die Meth­o­d­en der Arbeiter*innenbewegung zur Durch­set­zung von Forderun­gen aufzunehmen, und damit zugle­ich die Kämpfe der Frauen­be­we­gung in die Arbeiter*innenbewegung hinein zu tra­gen – denn für Hebam­men, Krankenpflegerin­nen, Ärztin­nen usw. sind die Kämpfe um ihre Arbeits­be­din­gun­gen und um ihre Rechte (und die aller Frauen) nicht voneinan­der getren­nt.

Ruth, Betrieb­srätin am Wombat’s Hos­tel, erzählte von der Organ­isierung in ihrem Hos­tel und den Union Bust­ing-Ver­suchen der Geschäfts­führung, die nicht vor krass­es­tem Sex­is­mus und dem Out­sourc­ing der Reini­gung zurückschreck­te. Sie rief dazu auf, die Beschäftigten im Kampf gegen Betrieb­ss­chließung zu unter­stützen und sich an ein­er Kam­pagne dafür zu beteili­gen, dass Out­sourc­ing ver­boten wird. Am fol­gen­den Tag fand eine große Protes­tak­tion vor dem Hos­tel statt, um gegen die Schließung zu protestieren, bei der zahlre­iche Unterstützer*innen – unter anderem von organize:strike und Brot und Rosen – ihre Sol­i­dar­ität zeigten.

Tabea, Stu­dentin an der ASH, erk­lärte, was diese Ver­hält­nisse mit der Sit­u­a­tion von Studieren­den, beson­ders Studieren­den der Sozialen Arbeit, zu tun hat. Ger­ade diese Hochschule mit ihrem hohen Anteil an weib­lichen Studieren­den bere­it­et auf ein eben­falls sehr weib­lich geprägtes Arbeit­sum­feld vor, in dem die Abw­er­tung und Nicht-Anerken­nung von weib­lich­er Arbeit alltäglich ist. Tabea betonte auch, wie die Ver­schlechterung der Arbeitsver­hält­nisse Teil des Recht­srucks ist: Der Recht­sruck greift zuerst einzelne an (Geflüchtete, Nicht-Weiße, LGBTIQ), dann immer mehr Sek­toren – auch direkt an der Hochschule. So berichtete sie auch, dass Out­sourc­ing auch in der Reini­gung an der ASH All­t­ag ist. Während der Diskus­sion ent­stand auch ein Kon­takt zu den betrof­fe­nen Beschäftigten, und die Anwe­senden debat­tierten im Anschluss, wie ihr Protest gegen die prekären Arbeits­be­din­gun­gen unter­stützt wer­den kann.

In der Diskus­sion wurde klar: Der Kampf gegen Prekarisierung ist ein fem­i­nis­tis­ch­er Kampf, denn es ist kein Zufall, dass ger­ade migrantis­che Frauen beson­ders betrof­fen sind. Als Studierende und Hochschulmitarbeiter*innen wollen wir diese Kämpfe in die Frauen­be­we­gung und an die Unis brin­gen.

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