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Wie die Hamas den Kampf der Palästinser*innen sabotiert

Wir unterstützen den Kampf der Palästinser*innen gegen die Besatzung bedingungslos. Unterstützen wir deswegen die Hamas? Auf keinen Fall. Denn diese Partei schließt die Hälfte der Bevölkerung vom Kampf aus.

Wie die Hamas den Kampf der Palästinser*innen sabotiert
Palestinians run away from tear gas thrown by Israeli police officers outside Jerusalem's Old City, Friday, July 21, 2017. Israel police severely restricted Muslim access to a contested shrine in Jerusalem's Old City on Friday to prevent protests over the installation of metal detectors at the holy site. (AP Photo/Mahmoud Illean)

Der palästinensische Befreiungskampf ist aktuell wieder im Aufschwung. In diesen Tagen finden wieder heftige Proteste quer durch die besetzten Gebiete statt.

Als Marxist*innen unterstützen wir jeden Kampf gegen Besatzung – egal ob die deutsche Besatzung Afghanistans, die marokkanische Besatzung der Westsahara oder die israelische Besatzung Palästinas, die seit 69 Jahren anhält. Unser Hauptfeind ist der deutsche Imperialismus, der das israelische Besatzungsregime tatkräftig unterstützt.

Unterstützen wir also die zwei Führungen der Palästinenser*innen, die Fatah und die Hamas? Das wird uns oft unterstellt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Als Gegner*innen der Besatzung halten wir fest: Diese Führungen führen den Kampf konsequent in eine Sackgasse.

Die Hamas mit ihrem extremen Sexismus und Homophobie schließt die Hälfte der Bevölkerung aus dem Kampf gegen die Besetzung aus. Das ist nicht nur allgemein reaktionär, sondern auch praktisch Sabotage. Und es macht es dem israelischen Staat leicht, sich mit einer „Pinkwashing“-Kampagne als fortschrittlich zu verkaufen.

Die erste Intifada, die 1987 los ging, stützte sich auf zwei Kampfformen: erstens auf Massenproteste, bei denen Frauen oft in der ersten Reihe standen; und zweitens auf Streiks, die die israelische Wirtschaft erheblich trafen. Dieser Aufstand stand unter Führung von säkularen und linken Kräften – er war so erfolgreich, dass Israel im Jahr 1993 erhebliche Zugeständnisse machen musste. Die korrupte Führung der Fatah nahm die Gelegenheit, sich als Palästinensische Autonomiebehörde (PA) zu etablieren und die eigenen Taschen zu füllen.

In der zweiten Intifada ab 2001 dagegen standen kleine bewaffnete Gruppen im Mittelpunkt. Die hochgerüstete israelische Armee konnte solche paramilitärischen Gruppen viel leichter bekämpfen als eine aufständische Bevölkerung. Deswegen ist es gut möglich, dass die Hamas in ihren Ursprüngen durch die israelischen Geheimdienste unterstützt wurde, um die linkeren Kräfte zu schwächen.

Früher haben sich linke Kräfte aus Israel und Palästina koordiniert. Jüdische Israelis wurden sogar zu offiziellen Vertreter*innen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) im Ausland ernannt. Bei einem Treffen in London zwischen Moshe Machover von der linksradikalen Gruppe Matzpen und Said Hammami von der PLO hieß es:

Kein einziger fortschrittlicher Palästinenser kann einem israelischen Juden sagen: Du hast kein Recht auf dieses Land. Aber kein einziger israelischer Jude kann einem palästinensischen Araber sagen: Ich habe ein größeres Recht auf Palästina als Du.

Solche internationalistische Zusammenarbeit zwischen Unterdrückten in Israel und Palästina war die größte Gefahr für das Besatzungsregime. Der Aufschwung rechter Kräfte in beiden Gesellschaften kommt den Herrschenden sehr gelegen. Eine antisemitische Partei wie die Hamas würde nie auf die Idee kommen, sich mit sozialen Kämpfen in Israel zu solidarisieren. Heute gibt es immer noch linke Kräfte in Israel und Palästina, die auf internationalistischer Basis gegen die Besatzung zusammen kämpfen – auch wenn sie weniger einflussreich sind als früher.

In einer militärischen Konfrontation haben die Palästinenser*innen schlicht keine Chance gegen die mit neusten Waffen ausgestattete IDF. Ihre Hoffnung liegt in Aufständen der Unterdrückten in gemeinsamen Kämpfen in den arabischen Nachbar*innenstaaten und auch in Israel selbst. Das bedeutet einen Kampf gegen die imperialistischen Mächte und den zionistischen Staat, die hauptverantwortlich für die Misere sind, aber auch gegen die korrupten bürgerlichen Führungen in der Region.

Kommunist*innen unterstützen bedingungslos alle Kämpfe gegen Kolonialismus und Besatzung. Wir sind bereit eine Front mit jeder Kraft zu bilden, die an einem solchen Kampf teilnimmt. Aber unsere Unterstützung ist nicht unkritisch. Im Rahmen des gemeinsamen Kampfes gegen den Imperialismus führen wir einen politischen Kampf gegen bürgerliche, nationalistische, religiöse und sonstige reaktionäre Führungen. Denn nur eine internationalistische und sozialistische Führung kann den Kampf gegen den Kolonialismus konsequent zu Ende führen und die gesamte Menschheit befreien.

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