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„Widerstand gegen die kommende Repression vorbereiten” – Augenzeug*innenbericht aus Barcelona

In diesen Tagen finden täglich Demonstrationen für und gegen die Unabhängigkeit Kataloniens statt. Besonders Barcelona ist das Epizentrum der politischen Kräfte. Wir sprachen mit Paulina aus München, die derzeit das Geschehen vor Ort beobachtet.

„Widerstand gegen die kommende Repression vorbereiten” – Augenzeug*innenbericht aus Barcelona

Du bist dieser Tage in Barcelona. Was sind deine Ein­drücke von der Kundge­bung am Tag der Par­la­mentssitzung?

Die Men­schen waren hin und her geris­sen zwis­chen Euphorie und Res­ig­na­tion. Die Stim­mung wirk­te pos­i­tiv, nicht aber kämpferisch. Sie scheinen die ganze Sache real­is­tisch zu betra­cht­en. Vielle­icht steckt die Angst dahin­ter ent­täuscht zu wer­den, deshalb schaut man eher nüchtern auf die Entwick­lun­gen. Ver­trauen in die par­la­men­tarische Arbeit scheint nicht groß da zu sein.

Hältst du es für möglich, dass es eine kämpferische Reak­tion seit­ens der Unab­hängigkeits­be­we­gung geben wird?

Ich glaube, das wäre notwendig. Ger­ade im Moment ist die kata­lanis­che Seite aber gezwun­gen ihren paz­i­fistis­chen Kurs beizube­hal­ten, allein schon auf­grund der Außen­wirkung. Doch für die Arbeiter*innen und Jugendlichen wird das nicht aus­re­ichen. Sie sind nicht für faule Manöver auf die Straßen gegan­gen und hat­ten immer­hin einen sehr starken Gen­er­al­streik. Ich kann mir daher vorstellen, dass das noch in Wut umschlägt. Sie erre­ichen auf die heutige Weise ihre Forderun­gen nicht, die spanis­che Seite wen­det Gewalt an und mobil­isiert umso mehr Mil­itär und Polizei. Dia­log scheint nicht zu reichen.

Wie hast du am Son­ntag die Unabhängigkeitsgegner*innen wahrgenom­men?

Fanatisch, aufge­bracht, extrem, niveau­los, het­zerisch. Die Faschist*innen waren deut­lich zu sehen und es kam wortwörtlich zu Ver­brüderungsszenen zwis­chen ihnen und der paramil­itärischen Guardia Civ­il, von denen rund zehn Tausend extra aus dem ganzen Land nach Kat­alonien geschickt wur­den. Schein­bar störte es die anderen auf der Demo nicht, dass die Faschist*innen offen auftreten kon­nten und nicht nur der Guardia Civ­il huldigten, son­dern auch die fran­quis­tis­che Hymne san­gen.

Was glaub­st du, wie es nun zwis­chen Madrid und Barcelona weit­erge­hen wird?

Ich glaube, dass Madrid nicht nachgeben wird. Wieso auch? Barcelona bleibt nichts anderes als abzuwarten. Die Erk­lärung Puigde­mont zeigt die Rat­losigkeit der klein­bürg­er­lichen Führung, die zugle­ich unter starkem Druck seit­ens der Basis ste­ht — daher auch der ver­wirrende Charak­ter der Rede.

Die Zen­tral­regierung hat der­weil Vor­bere­itun­gen für die Ein­set­zung des Artikels 155 getrof­fen, mit denen sie die Autonomie außer Kraft und unter Auf­sicht der Zen­tral­regierung stellen kön­nte. Nicht nur deswe­gen ist es wichtig, dass die Massen weit­er­hin wach­sam bleiben und eben­falls den Wider­stand gegen die kom­mende Repres­sion vor­bere­it­en.

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