Geschichte und Kultur

Was lehrt die Oktoberrevolution über die Klimakatastrophe?

Am Montag begann die 23. Klimakonferenz in Bonn. Am Dienstag jährte sich die sozialistische Revolution in Russland zum 100. Mal. Was haben diese beiden Ereignisse miteinander zu tun? Erstaunlich viel.

Was lehrt die Oktoberrevolution über die Klimakatastrophe?

Am Mon­tag begann die 23. Kli­makon­ferenz in Bonn. Gast­ge­ber ist der paz­i­fis­che Insel­staat Fid­schi, der auf­grund des Kli­mawan­dels in den kom­menden Jahrzehn­ten unter den Wellen ver­schwinden wird. 

Nicht nur deswe­gen geht eine deprim­ierende Stim­mung von der Kon­ferenz aus. Ein Gefühl von Ohn­macht kommt auf, wenn man über die Sit­u­a­tion der Men­schheit nach­denkt.

Die Wis­senschaft weiß längst, dass die glob­alen Tem­per­a­turen noch in diesem Jahrhun­dert um mehr als zwei Grad Cel­sius ansteigen wer­den, wenn wir weit­er wirtschaften wie bish­er. Das bedeutet nicht nur die Ver­wüs­tung von großen Teilen der Welt, mit Mil­lio­nen oder gar Mil­liar­den Men­schen auf der Flucht – es kön­nte sog­ar das Ende der men­schlichen Zivil­i­sa­tion ein­leit­en.

Es ist genau­so klar, was zu tun ist: Wir brauchen einen sofor­ti­gen Umstieg von fos­silen auf regen­er­a­tive Energiequellen. Dazu sind große Investi­tio­nen nötig, um von PKWs mit Ver­bren­nungsmo­toren auf öffentliche Verkehrsmit­tel ohne CO2-Ausstoß umzusteigen.

Das Pro­gramm ist ein­fach – warum ist es nicht längst umge­set­zt wor­den? Die Men­schheit hat Raketen gebaut, die 20 Mil­lio­nen Kilo­me­ter geflo­gen sind und das Son­nen­sys­tem längst ver­lassen haben. Sind wir nicht in der Lage, das Energiesys­tem umzustellen, wenn son­st eine Katas­tro­phe dro­ht?

Bürg­er­liche Ökonom*innen argu­men­tieren mit der men­schlichen Psy­cholo­gie: Wir seien ange­blich ein­fach nicht in der Lage, auf langsame Verän­derun­gen zu reagieren, so wie der Frosch im langsam kochen­den Wass­er. Aber diese Anek­dote mit dem Frosch ist frei erfun­den – natür­lich springt jed­er Frosch raus, wenn das Wass­er zu heiß wird. Nicht weniger dumm ist die psy­chol­o­gis­che Erk­lärung.

Das wirk­liche Prob­lem ist unser Wirtschaftssys­tem, das einzig und allein auf die Ver­mehrung von Kap­i­tal (die Anhäu­fung von tot­er Arbeit) aus­gerichtet ist, ohne men­schliche oder ökol­o­gis­che Fak­toren zu berück­sichti­gen. Der glob­ale Kap­i­tal­is­mus bedeutet Anar­chie: Hier gibt es keinen Platz für irgen­deine ratio­nale Pla­nung der Pro­duk­tion. Das führt zu Krisen, Kriegen und auch Umweltkatas­tro­phen.

Das Pro­jekt des Sozial­is­mus bedeutet, die Wirtschaft der men­schlichen Ver­nun­ft unterzuord­nen. Leo Trotz­ki sagte am Ende sein­er Kopen­hagen­er Rede zum 15. Jahrestag der Okto­ber­rev­o­lu­tion:

Der Men­sch hörte auf, Sklave der Natur zu sein, um zum Sklaven der Mas­chine zu wer­den und, noch schlim­mer, zum Sklaven der Nach­frage und des Ange­bots. Die gegen­wär­tige Weltkrise bezeugt in beson­ders tragis­ch­er Weise, wie sehr der Men­sch, der auf den Boden des Ozeans hin­ab­taucht, in die Stratosphäre emporsteigt, sich auf unsicht­baren Wellen mit den Antipo­den unter­hält, wie sehr dieser stolze und ver­we­gene Gebi­eter der Natur Sklave der blind­en Mächte der eige­nen Wirtschaft bleibt. Die geschichtliche Auf­gabe unser­er Epoche beste­ht darin, das ent­fes­selte Spiel des Mark­tes durch einen vernün­fti­gen Plan zu erset­zen, die Pro­duk­tion­skräfte zu diszi­plin­ieren, sie zu zwin­gen, in Har­monie zusam­men­zuwirken, den Bedürfnis­sen des Men­schen gehor­sam dienend.

In der Okto­ber­rev­o­lu­tion haben die Räte der Arbeiter*innen und Soldat*innen, im Bünd­nis mit den Bauern*Bäuerinnen, die poli­tis­che Macht erobert. Das bildete die Grund­lage für die Enteig­nung der Pro­duk­tion­s­mit­tel. Das Wirtschaft­sleben kon­nte einem bewussten Plan unter­ge­ord­net wer­den.

Die Bedeu­tung von Treib­haus­gasen ist seit knapp 200 Jahren der Wis­senschaft bekan­nt. Den­noch war die Erder­wär­mung im Jahr 1917 kein großes The­ma – es taucht bei Trotzkis Analy­sen nicht auf. Den­noch zeigt uns die Okto­ber­rev­o­lu­tion den Rah­men, in dem die Kli­makatas­tro­phe tat­säch­lich gelöst wer­den kann.

Wir brauchen eine sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion, um die Kapitalist*innen zu enteignen, die uns in den Abgrund reißen. Wir Arbeiter*innen wer­den dann selb­st entschei­den, was pro­duziert wird – im Sinne der men­schlichen Bedürfnisse, aber auch des Schutzes der Umwelt. Statt der kap­i­tal­is­tis­chen Anar­chie wird es demokratis­che Pla­nung geben. Wenn wir schnell han­deln, kön­nen wir auch Fid­schi ret­ten.

2 thoughts on “Was lehrt die Oktoberrevolution über die Klimakatastrophe?

  1. Hanns Graaf sagt:

    Die Beziehung zwis­chen der Okto­ber­rev­o­lu­tion und der Kli­mafrage ist kom­plett an den Haaren her­beige­zo­gen.

    Ihr schreibt: “Die Bedeu­tung von Treib­haus­gasen ist seit knapp 200 Jahren der Wis­senschaft bekan­nt.” So schreiben Leute, die die Geschichte der Kli­mamwis­senschaft nicht ken­nen. Als 1896 Arrhe­nius die Treib­haus­the­o­rie im heuti­gen Sinne for­mulierte, ern­tete er mas­sive Kri­tik au der Wis­senschaft. Jahrzehnte lang krähte fast kein Hahn danach, bis in die 1970er. Erst dann wurde diese “The­o­rie” durch bes­timmte Kreise aus Staat, Politk und Kap­i­tal gefördert. Warum? Um Investi­tio­nen zu lancieren und die Massen zu ängsti­gen und durch Ökos­teuern abzukassieren.

    Ja, es gibt Umwelt­pre­bleme auf­grund der kap­i­tal­is­tis­chen Prod­k­tion­sweise. Deswe­gen muss diese über­wun­den wer­den. Doch eine Kli­makrise gibt es nicht! Macht Euch sachkundig, bevor Ihr Euch zu The­ma äußert! Plap­pert nicht alles nach, was die Bürg­er­lichen uns erzählen.

    MfG

  2. Hanns Graaf sagt:

    RIO scheint eine sehr unern­sthafte Gruppe zu sein, der es offen­bar total egal ist,wenn jemand ihre Poli­tik kri­tisiert. Kom­men­tar? Argu­mente? Wider­legungsver­such? Fehlanzeige!

    MfG

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