Jugend

Warum die Jugend antiimperialistisch sein sollte

Heute kann man in der Jugend eine neue Dynamik gegen Rassismus sehen. Eine neue Bewegung etabliert sich, die sich gegen Krieg, Rassismus und Ausbeutung stellt und der Schul- ,Uni- und Azubi-Streik am 27.04. ist vielleicht der wichtigste Ausdruck davon. Warum Antiimperialismus ebenso ein wichtiger Teil der weiteren Dynamik und Mobilisierung sein sollte.

Warum die Jugend antiimperialistisch sein sollte

Das bun­desweite Bünd­nis Jugend gegen Ras­sis­mus stellt sich in seinem Aufruf und in sein­er Mobil­isierung nicht nur gegen den Ras­sis­mus von Pegi­da, AfD und Nazis, son­dern eben­so kon­se­quent gegen die ras­sis­tis­che Poli­tik des deutschen Staates. Das Bünd­nis stellt sich auch gegen bürg­er­liche Parteien und Regierun­gen, die Abschiebun­gen verüben und das Asylge­setz ver­schär­fen. Was soll aber die Jugend machen, wenn sie sich mit den Fluchtur­sachen beschäfti­gen will? Oft­mals heißt es, dass das Prob­lem an der Wurzel, d.h. an den Fluchtur­sachen in den jew­eili­gen Län­dern wie Syrien oder Afghanistan, angepackt wer­den müsse. Auch wir wollen die Prob­leme an der Wurzel fassen, für uns bedeutet das also: „Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen“, wie es Karl Marx einst for­mulierte. Woher kom­men also die Fluchtur­sachen?

Was ist Imperialismus?

In den genan­nten Län­dern Syrien und Afghanistan herrschen jew­eils Kriege, die seit Jahren aus­ge­tra­gen wer­den und … wo die west­lichen Mächte des Mil­itär­bünd­niss­es der NATO daran beteiligt sind. In bei­den Län­dern sind die Mächte USA, Frankre­ich, Großbri­tan­nien und Deutsch­land involviert und fliegen einen Luftan­griff nach dem anderen. Das beschränkt sich nicht nur auf diese Län­der: auch der Irak, Libyen, der Mali und Soma­lia zählen dazu. Und diese Liste ist dabei noch unvoll­ständig. Ist es also Zufall, dass die meis­ten Men­schen aus jenen Län­dern fliehen, wo die west­lichen Mächte involviert sind?

Aus unser­er Sicht ist dies nicht der Fall und das hängt für uns mit dem Impe­ri­al­is­mus zusam­men. Was aber ist Impe­ri­al­is­mus und wieso sollte aus­gerech­net die Jugend dage­gen sein? Der rus­sis­che Rev­o­lu­tionär Wladimir Lenin nan­nte den Impe­ri­al­is­mus das höch­ste Sta­di­um des Kap­i­tal­is­mus. Er tat dies, weil die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion­sweise in den fort­geschrit­te­nen Län­dern ein Lev­el erre­icht hat­te, welch­es nur noch zer­störend wirk­te. Die Zer­störung zeigt sich in den Kriegen, aber ihre Voraus­set­zun­gen sind wirtschaftlich­er Natur.

Denn ein kap­i­tal­is­tis­ches Land wird erst zu einem impe­ri­al­is­tis­chen, wenn u.a. der Kap­i­tal­ex­port gegenüber demWaren­ex­port Vor­rang gewin­nt. Deutsch­land ist ein her­vor­ra­gen­des Beispiel: es ist nicht nur „Exportwelt­meis­ter“ und verkauft Waren ins Aus­land, son­dern ist in erster Lin­ie dafür zuständig, dass seine Konz­erne wie VW, Deutsche Bank oder Siemens in anderen Län­dern tätig sein kön­nen. Um also ein impe­ri­al­is­tis­ches Land zu sein, muss nicht unbe­d­ingt ein starkes Mil­itär vorhan­den sein, welch­es weltweit einge­set­zt wer­den kann: Japan und Süd­ko­rea sind Beispiele hierzu. Zum Beispiel wird ein deutsches oder japanis­ches Auto gar nicht mehr haupt­säch­lich in Deutsch­land bzw. Japan hergestellt, son­dern in anderen Län­dern wie Rus­s­land oder Chi­na. In den meis­ten Fällen kön­nen die deutschen Fir­men sich ihren Ein­fluss (sowie natür­lich ihre Fab­riken) erkaufen und Verträge mit der jew­eili­gen Regierung schließen. Das bedeutet dann allerd­ings immer, dass die Arbeiter*innen des anderen Lan­des – genau­so wie die Arbeiter*innen in Deutsch­land – mas­siv aus­ge­beutet wer­den.

In anderen Fällen, wo der deutsche Staat und seine Fir­men keine Verträge abschließen kön­nen, bedeutet das im schlimm­sten Falle: Krieg.

Die Verantwortlichen für Tod, Elend und Hunger

Der deutsche Staat samt seinem Polizei- und Mil­itärap­pa­rat will dabei mit diesen Kriegen den Weg für seine Konz­erne frei­bomben. Es ist also nicht ver­wun­der­lich, dass bei den wichtig­sten Aus­lands­be­suchen der Kan­z­lerin nahezu immer die Konz­ernchefs an Bord sind. Und es ist auch nicht ver­wun­der­lich, dass die Rüs­tungskonz­erne eben­falls dort vertreten sind: diese haben sog­ar ein direk­tes Inter­esse an Kriegen, da sie nur so ihre Waf­fen verkaufen kön­nen. Der deutsche Staat hil­ft ihnen, nicht umson­st ist Deutsch­land der drittgrößte Waf­fen­ex­por­teur. Lenin und Marx stell­ten also auch fest, dass der Staat das Instru­ment der herrschen­den Klasse ist. Und egal, ob wirtschaftlich oder mil­itärisch: die Imperialist*innen wollen rück­sicht­s­los ihre Inter­essen durch­set­zen.

Der Impe­ri­al­is­mus ist damit der Aus­lös­er fast aller Kriege in Nahen Osten und weltweit. Sie inter­ve­nieren mit Trup­pen und Bomben, mas­sakri­eren ohne auf die Zivil­bevölkerung zu acht­en, um ihre Inter­essen durchzuset­zen. Dort, wo also Mächte wie die USA, Deutsch­land oder Großbri­tan­nien mil­itärisch aktiv wer­den, wird nur noch mehr Elend und Tod verur­sacht als ohne­hin schon.
Wenn sie keine Ressourcen für eine Inter­ven­tion haben, unter­stützen sie jegliche Grup­pen, egal was für eine Ide­olo­gie sie haben.

Sie het­zen auch die ver­schiede­nen eth­nis­chen und religiösen Grup­pen gegeneinan­der auf. Das führt dazu, dass radikalis­lamistis­che Kräfte nicht sel­ten von den USA finanziert und aus­gerüstet wur­den. Fälle wie diese haben wir in Afghanistan, im Irak und jet­zt in Syrien gese­hen. Sie sagen zwar, dass sie gegen „Ter­ror“ kämpfen wür­den – was sie aber nicht sagen, ist, dass sie genau diese Organ­i­sa­tio­nen für ihre eige­nen geopoli­tis­chen Inter­essen unter­stützt haben. So haben sie vorher die Al-Quai­da von Osama Bin Laden gegen Rus­s­land unter­stützt, sowie die radikalis­lamistis­che Al-Nus­ra gegen das eben­so mörderische Assad-Regime.

Und was haben wir Jugendlichen damit zu tun?

Die Jugend lei­det am meis­ten von der impe­ri­al­is­tis­chen Poli­tik der west­lichen Län­der. In Län­dern, wo die Imperialist*innen inter­ve­niert haben, ist kein Bil­dungssys­tem mehr vorhan­den. Die Jugendliche müssen entwed­er fliehen oder mit irgendwelchen Grup­pen an der Front ste­hen und wer­den so in den Tod geschickt. Das Ergeb­nis dieser Kriegspoli­tik ist, dass Mil­lio­nen Men­schen aus ihren Heimatlän­dern fliehen müssen. Weltweit sind so auf­grund der impe­ri­al­is­tis­chen Kriege in Syrien, Libyen, Afghanistan oder im Irak so viele Men­schen wie nicht mehr seit dem Zweit­en Weltkrieg auf der Flucht – über 52 Mil­lio­nen sind es! Die Geflüchteten beste­hen dabei meis­tens aus jun­gen Men­schen, deren Zukun­ft wegen der Prof­it­in­ter­essen der Konz­erne zer­stört wurde.

Aber auch die Jugend in den impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern ist von der impe­ri­al­is­tis­chen Poli­tik betrof­fen. Das Mil­itär beste­ht meis­tens aus Jugendlichen und und so kommt die Bun­deswehr an die Schulen und Unis, um für den “Dienst” zu wer­ben. Im Klar­text bedeutet das: Wer­ben fürs Ster­ben. Die Ziel­gruppe von der Kriegspro­pa­gan­da ist deswe­gen auch die Jugend. Das Bil­dungssys­tem ist daher im Inter­esse der Regierun­gen und ihren Armeen gestal­tet. Studierende sollen zum Beispiel in München an der Forschung von ein­er Grüne Bombe mitar­beit­en, wenn sie in Chemie Forschungsbeauftragte*r wer­den. Die Gelder, die z.B. für unsere Bil­dung hät­ten aus­gegeben wer­den kön­nen, lan­den im Bud­get für die Waf­fenin­dus­trie und deren Kriegs­forschung.

Für unsere Zukunft!

Wenn wir also eine gutes Bil­dungssys­tem haben wollen, müssen wir uns gegen die Krieg­sein­sätze der Bun­deswehr stellen: denn das Geld, was dort aus­gegeben wird, fehlt in unseren Klassen­z­im­mern und Hörsälen. Hinzukommt, dass viele von uns selb­st aus Fam­i­lien kom­men, die selb­st fliehen oder auswan­dern mussten. Viele von uns kom­men aus Län­dern, wo Krieg herrschte und teil­weise immer noch herrscht: Palästi­na, Türkei/Kurdistan, aus dem Balkan oder aus den Län­dern des Nahen Ostens. Auch diese Liste ließe sich fort­set­zen. Hier angekom­men und aufgewach­sen, sind wir dem Ras­sis­mus jenes Staates aus­geliefert, der mit seinen Ver­bün­de­ten für die Zer­störung der unser­er Heimatlän­dern und die unser­er Freund*innen ver­ant­wortlich ist.

Der Impe­ri­al­is­mus ver­nichtete schon in der Ver­gan­gen­heit die Zukun­ft viel­er Jugendlich­er, sowohl in den impe­ri­al­is­tis­chen Zen­tren als auch in jenen Län­dern, wo er wütete. Als Jugendliche haben wir unsere Zukun­ft noch vor uns, aber die Pläne der Konz­ern­bosse und der bürg­er­lichen Politiker*innen sind, dass wir als Kanonen­fut­ter oder Lohnsklav*innen unser Leben ihrem Reich­tum opfern. Wollen wir das? Nein! Und deswe­gen ste­hen wir auf der Straße und kämpfen gegen den deutschen Staat und seine Kapitalist*innenbonzen! Wir haben keine andere Wahl und deswe­gen müssen wir uns gegen Ras­sis­mus, Krieg und Aus­beu­tung erheben! Wenn wir unsere Zukun­ft selb­st gestal­ten wollen, wer­den wir keine andere Wahl haben, als gegen den Haupt­feind im eige­nen Land – den deutschen Impe­ri­al­is­mus – uner­bit­tlich zu kämpfen!

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