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VSG-Streik: Krankenhaus und Feuerwehr gemeinsam gegen Sparzwänge

Am Donnerstag fand der zweite Tag des Streiks bei der Vivantes Service GmbH in Friedrichshain statt. Auf Streikversammlungen diskutieren Kolleg*innen, wie sie noch mehr mobilisieren können. Ihre Forderung bleibt: Tarifvertrag für alle! Gleiches Geld für gleiche Arbeit!

VSG-Streik: Krankenhaus und Feuerwehr gemeinsam gegen Sparzwänge

Die Beschäftigten der VSG, der Ser­vice-Tochter des kom­mu­nalen Kranken­hauskonz­erns Vivantes, hat­ten gestern ihren zweit­en Streik­tag. Über 50 von ihnen ver­sam­melten sich am Klinikum in Friedrichshain. Der Arbeit­skampf läuft bere­its seit zwei Jahren. Im Jahr 2016 gab es auch schon erste Erfolge: Ein Teil der Beschäftigten wurde wieder eingegliedert, und in eini­gen Bere­ichen wur­den auch die Arbeits­be­din­gun­gen verbessert – offiziell natür­lich ganz unab­hängig vom Streik, wie die Geschäfts­führung behauptet. Aber die große Forderung bleibt beste­hen: TVöD für alle!

Die Streik­enden machen etwa ein Fün­f­tel der 300 aufgerufe­nen Kolleg*innen aus. Die Stim­mung ist pos­i­tiv:  Bei früheren Streiks hat sich die Beteili­gung erst langsam gesteigert. Aktuell sind min­destens vier weit­ere Streik­tage angekündigt. Falls es nicht kurzfristig ein sehr gutes Ange­bot gibt, ist mit ein­er Fort­set­zung in der näch­sten Woche zu rech­nen.

Der wichtig­ste Bere­ich für die Mobil­isierung ist der „Steri“, die Ster­il­i­sa­tion. An drei Stan­dorten in Friedrichshain, Neukölln und Span­dau wer­den die Instru­mente für Oper­a­tio­nen an allen neun Vivantes-Kliniken auf­bere­it­et. Wenn diese Abteilung bestreikt wird, kön­nen nur noch drin­gend notwendi­ge OPs durchge­führt wer­den. Sämtliche ver­schieb­baren Oper­a­tio­nen, mit denen Vivantes üblicher­weise viel Geld ver­di­ent, fall­en dann weg. Am zweit­en Streik­tag wurde auch ange­sagt, dass das OP-Pro­gramm deswe­gen herun­terge­fahren wird.

In den Kliniken Friedrichshain und in Neukölln ist die Streik­beteili­gung im Steri bere­its spür­bar. In Span­dau muss noch Überzeu­gungsar­beit geleis­tet wer­den. Aber dafür wird am Fre­itag das Streik­lokal nach Span­dau ver­legt.

Die zen­trale Bedeu­tung dieses Bere­ichs ist auch der Gegen­seite bewusst. So wurde im let­zten Ange­bot der Geschäfts­führung nur den Sterilisationsassistent*innen eine höhere Ein­grup­pierung – und damit etwa 300 Euro zusät­zlich­er Lohn – ange­boten. Doch das Ange­bot wurde von den ver.di-Mitgliedern abgelehnt. Auch die Kolleg*innen im Steri stimmten mehrheitlich dage­gen. Sie wollen solange auf die Lohn­er­höhung verzicht­en, bis es auch für alle anderen höhere Löhne gibt.

Bei der Streikver­samm­lung gab es Aus­tausch über die Streik­beteili­gung an den ver­schiede­nen Stan­dorten. Am ersten Tag war das Klinikum Neukölln am stärk­sten vertreten, am zweit­en Tag das Klinikum in Friedrichshain. Aber auch aus anderen Ein­rich­tun­gen kamen Kolleg*innen: z.B. aus dem Wernke­bach Klinikum und dem Augus­ta-Vic­to­ria Klinikum, um nur zwei davon zu nen­nen. Die VSG ist prak­tisch durch die gesamte Stadt zer­streut.

Dass noch mehr Aktio­nen zur Mobil­isierung weit­er­er Kolleg*innen stat­tfind­en müssen, war allen klar. So wurde direkt im Anschluss eine Gruppe Streik­ender los­geschickt, um auf eini­gen Sta­tio­nen Überzeu­gungsar­beit zu leis­ten. Mit Erfolg. Am Don­ner­stag sind wieder neue Kolleg*innen in die Gew­erkschaft einge­treten.

Während der Vorstel­lungsrunde in der Streikver­samm­lung am Mittwoch melde­ten sich auch drei Pfleger*innen zu Wort: „Wir sind zur Unter­stützung hier“, erk­lärten sie. Auch andere Kolleg*innen aus dem Kranken­haus stat­teten den Streik­enden Besuche ab. So nutzte ein sol­i­darisch­er Ther­a­peut seine Mit­tagspause, um mit Streik­enden zu sprechen: „Es ist eine Schande, wie mit den aus­ge­lagerten Beschäftigten umge­gan­gen wird!“ Auch am Don­ner­stag kamen Therapeut*innen – die bei Vivantes eben­falls in ein­er aus­gegliederten Tochter­fir­ma sind – zu Besuch.

Sol­i­dar­ität ist auch keine Ein­bahn­straße. Deswe­gen sind die VSG-Kolleg*innen am Don­ner­stag geschlossen zur Mah­nwache der Feuer­wehr vor dem Roten Rathaus gezo­gen. Diese Kolleg*innen protestieren rund um die Uhr unter dem Mot­to #berlin­bren­nt gegen die katas­trophalen Zustände bei sich. Die VSG und die Feuer­wehr haben viele ähn­liche Prob­leme: Unter den Sparzwän­gen des Berlin­er Sen­ats lei­den bei­de Belegschaften. Und wenn ein Ret­tungswa­gen erst nach 40 Minuten nach einem Unfall ein­trifft, dann haben die Kranken­haus­beschäftigten einen schwierigeren Job.

Unmut gab es darüber, dass die Führung der Gew­erkschaft ver.di im ersten Streikaufruf nicht alle “gestell­ten” Kolleg*innen – d.h. VSG-Beschäftigte, die schon TVöD-Löhne bekom­men – zum Streik aufgerufen hat, son­dern nur diejeni­gen vom Stan­dort, wo jew­eils das Streik­lokal ist. Nach etlichen Diskus­sio­nen bei den Streikver­samm­lun­gen hat der ver.di-Apparat eine Lösung ange­boten: Ab Fre­itag dür­fen bis zu 150 gestellte Kolleg*innen bei der VSG zum Streik kom­men, wofür sie einen per­son­al­isierten Streikaufruf bekom­men wer­den. Das soll die “Ver­hält­nis­mäßigkeit” für einen “Sol­i­dar­itätsstreik” wahren – eine von zahlre­ichen Ein­schränkun­gen des Streikrechts in Deutsch­land.

So kön­nen ab jet­zt deut­lich mehr Kolleg*innen in den Arbeit­skampf ziehen. Der Streik wird in den näch­sten Tagen wach­sen – aber braucht drin­gend Unter­stützung. Am ersten Tag hat nur Klasse Gegen Klasse eine Berichter­stat­tung gemacht; am zweit­en Tag kamen Reporter*innen von mehreren bürg­er­lichen Zeitun­gen. Vivantes ist weniger bekan­nt als die Char­ité, weshalb die Ser­vice­tochter VSG auch weniger Aufmerk­samkeit bekommt als die CFM. Um das zu verän­dern, ist die Sol­i­dar­ität von allen Lohn­ab­hängi­gen in Berlin gefragt.

Die Streik­lokale für die kom­menden Tage:

Fre­itag – Klinikum Span­dau, 8–14 Uhr, Neue Bergstraße 6, 13585 Berlin

Sam­stag – Klinikum Neukölln, 9–12 Uhr, Rudow­er Str 48

Son­ntag – Klinikum Friedrichshain, 9–12 Uhr, Lands­berg­er Allee 49, 10249 Berlin

Mon­tag – Klinikum Auguste-Vik­to­ria (Steglitz), 8–14 Uhr, Rubensstraße 125, 12157 Berlin

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