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VSG-Streik in Kaulsdorf: Klinikleitung droht mit der Polizei

Am Freitag verlegten die Streikenden der Vivante Service GmbH (VSG) ihr Lokal so weit in den Osten Berlins wie noch nie. Denn auch Kaulsdorf ist einer der neun Klinik-Standorte von Vivantes.

VSG-Streik in Kaulsdorf: Klinikleitung droht mit der Polizei

Am Klinikum Kauls­dorf sind zwar die Blu­men­beete bess­er gepflegt als an den meis­ten Kranken­häusern der Innen­stadt — aber im Gegen­zug ist das Man­age­ment auch stärk­er auf Krawall gebürstet als ander­norts. Bere­its als die ersten Streik­enden mor­gens um 8 Uhr das Gelände betreten, wird ihnen ein Platz in der Nähe des Hauptein­gangs ver­wehrt. Aber auch die Wiese auf der anderen Seite ist noch in guter Sicht- und Hör­weite von Patient*innen und Klinikbeschäftigten. Also schla­gen die Streik­enden ihr Lager dort auf.

Es dauert nicht lange, da kom­men zwei Men­schen von der Klinikleitung auch zum neuen Stan­dort und erk­lären, dass sie die Streik­enden lieber ganz vom Gelände schmeißen wollen. Irgend­wo auf dem Gehweg vorm Ein­gang sei ja bes­timmt noch Platz. Da dürfe gerne gestreikt wer­den — aber bitte nicht in der Nähe des Klinik-Gebäudes. Als die Kolleg*innen diese absurde Forderung ablehnen, wird kurz­er­hand mit der Polizei gedro­ht. “Ich gebe ihnen noch fünf Minuten”, heißt es. Ange­blich gebe es Beschw­er­den von Patient*innen, die sich gestört fühlen.

Damit alle über die Sit­u­a­tion im Bilde sind, wird schnell eine Ver­samm­lung ein­berufen. Ver.di-Sekretärin Janine Balder bringt es auf den Punkt: “Man will hier keine Streik­enden! Aber natür­lich wollen wir, dass die Kol­legin­nen und Kol­le­gen mit­bekom­men, dass ihr hier streikt!”
Auch Mario Kun­ze aus der Tar­ifkom­mis­sion schlägt in die gle­iche Kerbe: “Das hier ist unser Arbeit­splatz und wir haben ver­dammt noch mal ein Recht, uns hier aufzuhal­ten!” Damit sind sich nach kürzester Zeit alle einig: Wir bleiben!

Zur Bekräf­ti­gung geben sie ein Pfeifkonz­ert für die unge­bete­nen Gäste.

Die Fünf-Minuten-Frist ist mit­tler­weile ver­strichen. Es verge­hen noch weit­ere 10, 20, 30 Minuten. Doch von der Polizei ist weit und bre­it nichts zu sehen. Entwed­er hat der Klinikleit­er nur gebellt und nicht gebis­sen. Oder die Polizei ahnte bere­its, dass dieser Ein­satz wed­er rühm­lich noch gerecht­fer­tigt wäre und hat abgelehnt.

Die Klinikleiter*innen hofften trotz­dem darauf, die Streik­enden mit bösen Blick­en vertreiben zu kön­nen. Dafür standen sie geschla­gene 90 Minuten neben dem “ille­galen” Streik­lokal. Eine Sache haben sie damit unter Beweis gestellt: Im Gegen­satz zu den meis­ten Beschäftigten der VSG kön­nen sie während ihrer Arbeit­szeit auch mal anderthalb Stun­den auf dem Rasen ste­hen, ohne dass das weit­er ins Gewicht fällt.

Im Abseits: Lei­t­en­des Per­son­al bewacht den Streik. Die Kolleg*innen lassen sich nicht beir­ren.

Gegen 11 Uhr räumten die Streik­enden dann aber doch früher das Streik­lokal, als üblich. Das lag allerd­ings nicht an den Dro­hun­gen der Vorge­set­zten, son­dern daran, dass sie sich in Berlin Mitte am Aktion­stag gegen Prekarisierung beteili­gen woll­ten.

Dort unter­stützten sie die Lehrer*innen von Musikschulen und Volk­shochschulen bei ein­er Kundge­bung, nah­men an der Streikde­mo der stu­den­tis­chen Beschäftigten teil und beteiligten sich schließlich an der großen Kundge­bung gegen Prekarisierung vor dem Bran­den­burg­er Tor. Dort wur­den die Streik­enden der VSG von über 500 stu­den­tis­chen Beschäftigten und Kolleg*innen aus anderen Betrieben her­zlichst emp­fan­gen.

Daniel Fech­n­er, Mit­glied der VSG-Tar­ifkom­mis­sion, wies in sein­er kurzen Ansprache noch ein­mal auf das zen­trale Ziel des Arbeit­skampfs hin: “Ein Betrieb, eine Belegschaft, ein Tar­ifver­trag!” Die Streik­enden sind fest entschlossen, ihren Kampf fortzuset­zen, bis sie einen Fahrplan zum TVöD haben – “not­falls bis Wei­h­nacht­en”, wie eine Kol­le­gin es for­mulierte.

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