Geschichte und Kultur

Deutschlands Geschichte braucht einen Kreislaufkollaps!

Vor 100 Jahren haben Arbeiter*innen in Deutschland eine Revolution gemacht. Wäre es nicht Zeit für eine neue? | Unsere Klasse Nr. 3 als PDF

Deutschlands Geschichte braucht einen Kreislaufkollaps!

1918

Ende 1918 ist das Kaiser­re­ich am Ende. Der bis dahin regierende Adel ist zu träge, um auf die wirtschaftlichen und poli­tis­chen Verän­derun­gen zu reagieren. Der mit ihm ein­her schre­i­t­ende Mil­i­taris­mus ist durch den erfol­glosen Krieg geschwächt. Dieser Krieg hat sich zu einem Gemet­zel bish­er nie bekan­nten Aus­maßes entwick­elt. Die Bevölkerung hungert.

In Folge davon gewin­nt die SPD immer mehr an Zulauf. Es kommt zu mas­siv­en Streiks in den Fab­riken, Auf­stän­den der Matrosen und zur Bil­dung von basis­demokratis­chen Arbeit­er- und Sol­daten­räten. Das führt zur Abset­zung des Kaisers. Deutsch­land wird kurzzeit­ig rätere­pub­likanisch von der arbei­t­en­den Bevölkerung geführt.

Lei­der ste­hen die Arbeiter*innen ohne wirk­liche poli­tis­che Führung dar. Spar­takus­bund (später KPD) und USPD sind sich uneins. Die SPD übern­immt das Zepter. Zu blöd, dass an deren Spitze schon damals eher bürg­er­lich, kleinkari­erte Per­so­n­en wie Friedrich Ebert sitzen. Für diese Clique ist die ent­standene Rätere­pub­lik ein Fiasko. Sie braucht zwar deren Massen zur Erhal­tung ihrer Macht. Aber ihre Vorstel­lung von einem „neuen“ Deutsch­land entspricht eher der des alten Deutsch­lands. Mit dem Zusatz ein­er anerkan­nten SPD als mitbes­tim­mender Partei dürfte in ihren Vorstel­lun­gen sog­ar die Monar­chie zurück­kehren.

Um dieses Ziel zu ver­fol­gen, hat die Führung der SPD die Novem­ber­rev­o­lu­tion von 1918 mehrmals ver­rat­en und das Ver­trauen der Massen in „ihre Führung“ miss­braucht.

Mit Hil­fe der ebertschen Sozialdemokratie wer­den reak­tionäre Kampfver­bände gegrün­det. Diese schießen die Novem­ber­rev­o­lu­tion blutig zusam­men und bilden später den Grund­stock der SA und SS im drit­ten Reich.

2018

Auch heute steckt Deutsch­land in ein­er poli­tis­chen Krise. Trotz vorhan­den­er Staatsmil­liar­den und ein­er guten Wirtschaft­skon­junk­tur sind die regieren­den Parteien unfähig zu han­deln. Auf kom­mu­naler Ebene sind die Ein­rich­tun­gen öffentlich­er Daseinsvor­sorge durch das Dik­tat der Schulden­bremse nahe am Zusam­men­bruch. Was nutzen Mil­liar­den Steuer­gulden, wenn es keinen funk­tion­ieren­den Appa­rat mehr gibt, der das Geld in die Infra­struk­tur investieren kann.

Auf Bun­de­sebene wer­den die Ein­nah­men für die Waffen‑, Auto- und Finanzin­dus­trie ver­ballert. Bei Bil­dung, Gesund­heit und sozialem Woh­nungs­bau bleibt es aber immer heikel zu investieren. Dort wird durch die Hin­tertür pri­vat­en Investor*innen der Weg geeb­net.

Eine Partei, die sich „die Linke“ nen­nt, stre­it­et sich mit der SPD um den sozialdemokratis­chen Platz in Deutsch­land, der ihr eigentlich nicht zuste­ht – weil Links links sein sollte. Die SPD wiederum rangelt sich mit der recht­skon­ser­v­a­tiv­en CDU um den Platz „der Mitte“. Bei­de Parteien treten sich hier mit den klein­bürg­er­lich, spießi­gen Grü­nen und der kap­i­tal ver­her­rlichen­den FDP gegen­seit­ig auf die Füße. Hier herrscht im Grunde absolute Einigkeit: Der Öffentlichkeit wer­den zwar unter­schiedliche Stand­punk­te vorge­gaukelt, aber das han­deln ist abso­lut das Selbe.

Ein­drucksvoller als Olaf Scholz (SPD) kann man das nicht aus­drück­en: „Ein deutsch­er Finanzmin­is­ter bleibt ein deutsch­er Finanzmin­is­ter!“

Durch das mit­tige Parteien-kuscheln entste­ht Rechts und Links ein Vaku­um, also ein Loch. Die recht­en Löch­er wer­den nun von der AfD bedi­ent. Wo diese hin­wollen, macht die Online-Plat­tform gegen „zu linke“ Lehrer*innen in Ham­burg deut­lich. Deutsch­land rüstet wieder mit denun­zieren­den „Block­warten“ auf. Diese Partei favorisiert die Mil­i­tarisierung Deutsch­lands. Gle­ich­falls soll alles, was nicht niet- und nagelfest ist, an das Kap­i­tal ver­hök­ert wer­den.

Links bleibt es leer – unentschlossen wie 1918.

Schluss

Der Wider­spruch zwis­chen Kap­i­tal und Arbeiter*innen ist nicht durch Sozialpartner*innenschaft über­brück­bar. Bei jedem Ver­such, Kom­pro­misse mit dem Kap­i­tal zu schließen, ver­lieren wir oder wir wer­den ver­rat­en.

Bei Kom­pro­mis­sen, zieht sich das Kap­i­tal nur kurzfristig und schein­bar zurück – um kurz darauf bru­taler und hin­ter­hältiger zu zuschla­gen. Als let­ztes Mit­tel bleibt ihnen immer noch der Faschis­mus, denn der ändert nichts am kap­i­tal­is­tis­chem Sys­tem, son­dern macht dieses durch seine Unmen­schlichkeit sog­ar noch Gewinnbrin­gen­der.

Bevor das aber nicht in den meis­ten Köpfen angekom­men ist, wer­den wir weit­er ver­lieren müssen – schlim­mer noch, wir drehen uns geschichtlich im Kreis. Wenn sich Geschichte nicht wieder­holen soll brauchen wir unser eigenes Bewusst­sein, Denken und schlussendlich gemein­sames Han­deln. Wir brauchen eine linke Partei, die kom­pro­miss­los für die Inter­essen der Arbeiter*innen ein­tritt.

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