Antirassismus

Vom Widerstand zur Emanzipation – Zweite Lesung am 13.01.

Aktivistin und KGK-Autorin Inés In hat am 30. November 2020 im Rahmen einer von Frauenkreise Berlin organisierten Online-Veranstaltung aus ihrer Abschlussarbeit „Potentiale der Theorie der Permanenten Revolution für Antikapitalistischen Antirassismus heute“ vorgelesen - am kommenden Mittwoch, den 13. Januar 2021 wird eine zweite Lesung via Zoom stattfinden.

Vom Widerstand zur Emanzipation – Zweite Lesung am 13.01.
Artwork von Courtney Lovett

Im vergangenen Sommer konnten wir beobachten, wie sich die von den USA ausgehende antirassistische Welle auf Deutschland ausgeweitet hat. Die Schikane der Polizei gegenüber Migrant:innen ist hierzulande bei Weitem kein neues Phänomen aber durch die Erweiterung polizeilicher Befugnisse in der Pandemie hat es sich verschärft. Angesichts der Proteste gegen rassistische Polizeimorde in den USA ist aber auch der Protest gegen staatlichen Rassismus in Deutschland lauter geworden. Einerseits gab es große Demonstrationen in Solidarität mit Black Lives Matter, andererseits hat die Wut auf die deutsche Polizei sich in Stuttgart und Frankfurt sogar in direkten, wenn auch spontanen und bisher unorganisierten Antworten seitens proletarischer Jugendlicher auf der Straße gezeigt.

Diese Phänomene sind Zeichen für eine zunehmende Polarisierung und anfängliche linke Reaktionen auf die Krise der Bourgeoisie, die ihrerseits zu immer schärferen Angriffen auf die Arbeiter:innenklasse führt. Dabei ist es die Jugend, die die schnellste und dynamischste Reaktion zeigt – auch wenn diese noch unzureichend bleibt.

Die letzte wesentlich größere Welle von Revolten erlebte die Welt vor mittlerweile 10 Jahren: Im Arabischen Frühling erhoben sich massenhaft Arbeiter:innen und Jugendliche in vom Imperialismus ausgebeuteten Ländern im Norden Afrikas und auf der Arabischen Halbinsel bis hin zu Syrien.
In Ägypten war dieser Prozess am tiefsten und radikalsten aber mündete trotzdem in einer Niederlage der Massen. Dies bestätigte im Negativen Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution: Wenn bürgerlichen Kräften die Führung einer solchen Revolte überlassen wird, muss sie unweigerlich scheitern.

Die Theorie der Permanenten Revolution besagt, dass unter den Bedingungen des fortgeschrittenen Kapitalismus auch grundlegende demokratische Forderungen nicht mehr von der Bourgeoisie durchgesetzt werden können. Stattdessen können umfassende demokratische Freiheiten nur noch unter Führung der Arbeiter:innenklasse erkämpft werden. Denn die Kapitalist:innen hätten zwar hier und dort einen Vorteil von der Ausweitung demokratischer Rechte, wie beispielsweise dem Recht zu Arbeiten für Geflüchtete und Asylsuchende. Aber insgesamt profitiert das Kapital viel zu sehr von der rassistischen Spaltung und Unterdrückung, als dass es sich ernsthaft auch nur gegen einen Teil davon stellen könnte. Ein trauriges Beispiel dafür ist das kriminelle Grenzregime der EU, das Menschen in Freiluftgefängnissen unter lebensbedrohlichen Bedingungen gefangen hält.

Es ist also notwendig, die Fragmentierung der Arbeiter:innenklasse zu überwinden und gemeinsam mit progressiven Teilen der Zwischenklassen für ein Programm zu kämpfen, das die Interessen aller Arbeiter:innen und ihrer Verbündeten umfasst. Um letztendlich nicht nur punktuelle Verbesserungen zu erreichen, sondern das gesamte kapitalistische System als Grundlage der Ausbeutung und Unterdrückung loszuwerden, muss dieses Programm einen sozialistischen Charakter haben und die Bewegung für Teilforderungen nahtlos übergehen in eine revolutionäre Bewegung zur Überwindung der Herrschaft des Kapitals. Genau das ist mit „Permanenter Revolution“ gemeint.

Um ein solches Bündnis aller Sektoren der Arbeiter:innenklasse zu schmieden, muss das politische Programm nicht nur die „einheimischen“, sondern auch die migrantischen Teile der Arbeiter:innenklasse ansprechen: Durch Forderungen nach Arbeitsrecht und gleichem Bildungszugang für alle, durch einen Kampf gegen Prekarisierung, von der Migrant:innen besonders stark betroffen sind und durch einen Kampf für generelle demokratische Rechte auch über die Arbeiter:innenklasse hinaus, also volle Staatsbürger:innenschaft, Wahlrecht, bezahlbaren Wohnraum, etc.

In der ersten Lesung im November ging es vor allem um die Massenproteste gegen Polizeimorde in den USA, die Entstehung des modernen Rassismus und anhand von konkreten Beispielen aus aller Welt um die spaltende Funktion von Unterdrückung, sowie um die Notwendigkeit, zusammen zu kämpfen.

Dabei kamen zahlreiche Fragen auf, deren Diskussion am kommenden Mittwoch ebenfalls fortgesetzt werden soll: Ist der allgemeine Wohlstand in einem Land wie Deutschland nicht viel zu hoch, als das je eine revolutionäre Massenbewegung entstehen könnte? Und gibt es überhaupt noch erfolgreiche Kämpfe von Arbeiter:innen?

Die wieder über Zoom stattfindende Lesung wird außerdem den Fokus auf die Niederlage des ersten Klassenkampfzyklus nach dem Aufstieg des Neoliberalismus in den 1990er Jahren, des sogenannten Arabischen Frühlings, sowie auf die Fragen von Asyl und Wohnraum legen.

Eine Aufzeichnung der ersten Lesung kann hier angesehen werden:

Die zweite Lesung kann aber unabhängig von der ersten Veranstaltung besucht werden, Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Termin

Vom Widerstand zur Emanzipation – Zweite Lesung

13. Januar 2021, 19 Uhr
Anmeldung unter: drakos@frauenkreise-berlin.de
Den Termin gibt es auch auf Facebook

 

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