Brot und Rosen

Tausende beim alternativen CSD in Berlin [mit Fotogalerie]

Beim alternativen Christopher Street Day – X*CSD – in Berlin-Kreuzberg protestierten 5.000 Menschen gegen Homo- und Transphobie, aber auch gegen Rassismus und jede Form von Unterdrückung. Fotos von Janis Garnet.

Tausende beim alternativen CSD in Berlin [mit Fotogalerie]

Der Christopher Street Day begann 1970, ein Jahr nach den Stonewall Riots als Kampftag der LGBTI*-Bewegung. 1979 fand zum ersten Mal eine CSD-Demonstration in Berlin statt. Doch in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist der offizielle Berliner CSD zu einer unpolitischen, kommerziellen und heuchlerischen Veranstaltung geworden. Jene Parteien, die homosexuelle Menschen in unterdrückerische Regime abschieben, lassen sich an der Siegessäule als besonders tolerant feiern, während große Konzerne ihre Produkte preisen.

Die kämpferische Tradition des CSD lebt weiter, in Form einer alternativen Demonstration, die von zahlreichen Linken und antikapitalistischen Gruppen veranstaltet wird. Der Transgeniale CSD startete 1998 – dieses Jahr wurde er unter dem Namen X*CSD ausgerichtet. Am Samstag Nachmittag zogen mehr als 5.000 Menschen – mit sehr unterschiedlichen Geschlechtern – durch Kreuzberg. Die Demo versammelte sich am Oranienplatz, dem symbolischen Platz der Refugee-Bewegung. Überall waren Regenbogen-Schilder mit der Aufschrift „Refugees Welcome“ zu sehen.

Internationale Solidarität für die Kämpfe von LGBTI*-Menschen in aller Welt stand im Mittelpunkt. Denn trotz aller Fortschritte der letzten Jahrzehnte erleben wir im Rahmen der kapitalistische Krise einen Rollback. Rechte, rassistische und homophobe Kräfte sind im Aufwind. Besonders perfide ist, wie Reaktionäre sich auf LGBTI*-Rechte berufen, um Migrant*innen – vor allem aus islamischen Ländern – zu schickanieren. „Queers gegen Islamophobie“ war deswegen ein beliebtes Motto auf Protestschildern.

Das Motto der Demonstration war doppelt: „Yalla“ ist ein arabisches Wort für „beeil dich“ oder „los geht’s“, und stellt einen Bezug zum arabischen Frühling und auch zu Kämpfen von Migrant*innen in Deutschland her. Der zweite Teil des Mottos, „Queer bleibt radikal!“, richtet sich gegen die bürgerliche LGBTI*-Bewegung und alle Versuche des „Pinkwashing“. Denn beim X*CSD protestierten auch viele israelische und palästinensische Queers gegen die Besatzung („no pride in the Israeli occupation“), während sich die israelische Botschaft beim offiziellen CSD als Paradies für Schwule vorstellt.

Aktivist*innen von RIO und der RKJ protestierten mit. Unser Flugblatt – Schaffen wir zwei, drei, viele Stonewalls! – war nach wenigen Minuten vergriffen. Nur eine sozialistische Revolution kann jeder Form von Unterdrückung ein Ende setzen – aber nur der tagtägliche Kampf gegen Unterdrückung ermöglicht den Aufbau einer revolutionären Front. Der X*CSD war ein wichtiger Moment, um sehr unterschiedliche Kämpfe miteinander zu verbinden.

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