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Streik­ver­samm­lung an der FU Ber­lin plant Blo­cka­den und beschließt Soli­da­ri­tät

Streiken funktioniert besser, wenn alle gemeinsam entscheiden. An der Freien Universität sind heute bis zu 100 studentische Beschäftigte in den Streik getreten. Um 10.30 Uhr trafen sie sich im Foyer für eine demokratische Streikversammlung.

Streikversammlung an der FU Berlin plant Blockaden und beschließt Solidarität

Das Foyer vor der Mensa in der Rost- und Silberlaube war ohnehin voll: Die FAZ bewarb Studierenden-Abos, und das Deutsche Rote Kreuz bat um Blutspenden.

Aber es gab trotzdem genug Platz für eine Streikversammlung. Rund 50 Studentische Beschäftigte bildeten einen Kreis und diskutierten über ihren Streik.

Zuerst eine Vorstellungsrunde: Wo wird der Streikaufruf befolgt? Vom Info-Service waren zum Beispiel etwa 10 Kolleg*innen im Ausstand – und heute ist eine Sprechstunde, also normalerweise viel Andrang.

Am Rechenzentrum (Zedat) blieb der Druckservice, außerdem das Lernzentrum. „Sorry, we’re closed“, stand an der Glastür. Auch an mehreren Bibliotheken streikten die studentischen Hilfskräfte.

Warum streiken manche Kolleg*innen nicht mit? Manche haben Angst, andere ein schlechtes Gewissen. Die Versammlung diskutierte darüber, wie man mehr Beschäftigte gewinnen kann. Ronald Tamm vom Botanischen Garten hatte einen ganz praktischen Rat dafür. Der Arbeitskampf am Garten dauerte ganze vier Jahre. „Beim ersten Streik waren nur 20 von 100 Beschäftigten draußen“, erzählte er vor der Versammlung. Das lag daran, dass Gärtner*innen mit ihren Pflanzen „sehr verwachsen“ sein können. Aber nach dem ersten Streiktag haben alle gemerkt, dass die Welt nicht untergeht, und beim nächsten Termin haben sich mehr Kolleg*innen getraut.

Wie kann man den Streik kräftiger machen? Lange wurde debattiert, ob man auch mit Streikposten den normalen Unibetrieb blockieren sollte. Die Idee stieß auf Zustimmung. „Wir kennen das alle: Es gibt eine gute Sache an der Uni, aber man hat nicht genug Zeit, um sie zu unterstützen“, sagte der Lehrbeauftragte Stefan Bommer. „Mit einer Blockade geben wir den Leuten Zeit, Unterstützung zu leisten.“ Was genau wann blockiert wird, wird nun im kleinen Kreis entschieden.

Solidarität kam von Gewerkschafter*innen aus dem Spanischen Staat, Mexiko und Argentinien.

Spontan beschloss die Versammlung auch, sich mit den laufenden Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie zu solidarisieren. Alle Streikenden haben ein entsprechendes Gruppenfoto gemacht.

Schließlich ging es um die Perspektiven. Innerhalb der Kampagne wird darüber diskutiert, ob man erst einen einheitlichen Tarifvertrag mit allen Hochschulen akzeptiert, oder stattdessen einen „Pilotabschluss“ mit einer einzigen Hochschule anstreben sollte. Viele sprachen sich gegen jede Spaltung der Streikfront aus – aber gleichzeitig ist die Frage sehr komplex. Die Versammlung beschloss von daher, diese Frage erneut bei der berlinweiten Streikversammlung heute Abend zu diskutieren.

Gleich im Anschluss demonstrierten alle durch die Universität, bevor sie zur zentralen Kundgebung am Bebelplatz aufbrachen. Diese Versammlung war ein inspirierendes Beispiel für direkte Streikdemokratie. Ein Arbeitskampf funktioniert am Besten, wenn alle Kolleg*innen gleichberechtigt und demokratisch diskutieren und entscheiden.

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