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Streiks bei Amazon bis zum Ende des Jahres

In Bad Hersfeld sind tausende Beschäftigte bis zum einschließlich 30. Dezember zum Streik aufgerufen. Die beiden örtlichen Logistikzentren sind nach Weihnachten in erster Linie mit dem Umtausch von Waren betraut. Die Arbeitsniederlegung soll diesen Umtausch stören, um den Druck auf den Online-Riesen zu erhöhen endlich Tarifverhandlungen aufzunehmen.

Streiks bei Amazon bis zum Ende des Jahres

Wei­h­nachts­geschenke umtauschen gehört auch online mit­tler­weile zu den ein­fach­sten Din­gen im Leben. Wem das Geschenk nicht gefällt, sendet es ein­fach zurück und bekommt etwas Neues dafür. Was für den Kun­den oft nur ein paar Klicks bedeutet, wird ermöglicht durch tausende Hände von Men­schen, die vor und nach Wei­h­nacht­en bei Ama­zon unter beson­derem Stress arbeit­en. Wer mit seinen Arbeits­be­din­gun­gen unzufrieden ist, kann sie jedoch nicht ein­fach umtauschen. Schon vor Wei­h­nacht­en wur­den bun­desweit Logis­tikzen­tren von Ama­zon bestreikt. Auch in Pia­cen­za in Ital­ien, eines der größten Ama­zon-Logis­tikzen­tren in Europa, kam es erst­ma­lig zu Arbeit­snieder­legun­gen beim Online-Riesen.

Bun­desweit wur­den 13.000 zusät­zliche Saisonkräfte als Streikbrecher*innen zum Wei­h­nachts­geschäft angestellt, um das erhöhte Bestel­laufkom­men und die Auswirkun­gen der Streiks so ger­ing wie möglich zu hal­ten; 400 davon für den Stan­dort in Bad Hers­feld, an dem es 4.000 Fes­tangestellte gibt. Damit hat der Konz­ern wie in jedem Jahr erneut Reko­rdgewinne im Wei­h­nachts­geschäft verze­ich­nen kön­nen. Um die regelmäßi­gen Streiks in Deutsch­land abzufed­ern, hat Ama­zon mit­tler­weile in mehreren europäis­chen Län­der Logis­tikzen­tren eröffnet. Doch die Kolleg*innen wehren sich über­all seit Jahren gegen miese Arbeits­be­din­gun­gen, die immer wieder zu gesund­heitlichen Schä­den und sog­ar zu einem tödlichen Unfall im let­zten Jahr in Werne geführt haben. Ama­zon weigert sich seit Jahren Tar­ifver­hand­lun­gen mit den Gew­erkschaften aufzunehmen und die Kolleg*innen nach dem branchenüblichen Tar­ifver­trag zu bezahlen.

Und die Geschäfts­führung von Ama­zon hat noch lange nicht genug. Im let­zten Jahr eröffnete erst­mals ein Ver­sandzen­trum mit­ten in Berlin, um Bestel­lun­gen noch schneller ver­schick­en zu kön­nen. Im Som­mer dieses Jahres nahm sog­ar das so genan­nte „Ama­zon­Fresh Team“ die Arbeit in Berlin, Pots­dam und Ham­burg auf. Damit will der Konz­ern auch im Lebens­mit­tel­han­del einen Fuß in die Tür kriegen. Auch „Offline“-Filialen von Ama­zon sollen schon bald in Deutsch­land eröff­nen, in denen Büch­er, Elek­tron­ikar­tikel und vieles mehr ange­boten wer­den.

Das Mod­ell Ama­zon hat sich längst in Deutsch­land aus­ge­bre­it­et. Prekäre Beschäftigte, tar­i­flose Zustände und befris­tete Beschäf­ti­gung sind All­t­ag für Beschäftigte in Deutsch­land. Die Ausweitung auf den Lebens­mit­tel­han­del sowie die Eröff­nung von Fil­ialen bieten dem Konz­ern weit­ere Möglichkeit­en, die ohne­hin schon vorhan­de­nen Gewinne weit­er zu ver­mehren und damit die Gren­zen des Online-Han­dels zu spren­gen. In dem Sinne müssen sich auch die Arbeiter*innen auf weit­ere Kämpfe ein­stellen. Die Aus­dauer der Beschäftigten von Ama­zon, die seit vier Jahren gegen den Konz­ern kämpfen und dabei schon Erfolge bei der Lohn­höhe und dem Wei­h­nachts­geld erre­ichen kon­nten, ist dabei vor­bild­haft für die gesamte Arbeiter*innenklasse in Deutsch­land und der Welt.

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