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Sri Lanka: die arbeitenden Massen brauchen eine sozialistische Lösung

Bereits kurz nach dem Wahlsieg des Kriegsverbrechers Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten vollzieht sich eine reaktionäre und repressive Welle im südasiatischen Land. Aber energische Arbeiter*innenkämpfe kündigen die kommende Konfrontation mit der Regierung an. Um siegreich zu sein brauchen sie eine klare Orientierung.

Sri Lanka: die arbeitenden Massen brauchen eine sozialistische Lösung

Bildquelle: Ind­s­tri­ALL Glob­al Union

Zwei Wochen nach der Wahl am 16. Novem­ber des Kriegsver­brech­ers Gotabaya Rajapak­sa zum Präsi­den­ten Sri Lankas sehen die Aus­sicht­en auf Gerechtigkeit und Ver­söh­nung zwis­chen den ver­schiede­nen Gemein­schaften auf der Insel düster aus. Die jahrzehn­te­lan­gen Repres­salien und schlim­men Kriegsver­brechen der sing­hale­sis­chen Regierung, vor allem unter Gotabaya Rajapak­sa als Vertei­di­gungsmin­is­ter von 2005 bis 2015, sind den Tamil*innen frisch im Gedächt­nis. Die sing­hale­sis­che Bevölkerung Sri Lankas erhob nach der Wahl Anschuldigun­gen gegen Tamil*innen und Muslim*innen auf­grund von „Illoy­al­ität“ und Sep­a­ratismus. Dies enthüllte erneut tiefe Spal­tun­gen zwis­chen den unter­schiedlichen Bevölkerungs­grup­pen. G. Rajapak­sa ver­sprach bei der Wahl, das Land zu vere­inen und die Feind­schaft zwis­chen den Singhales*innen und den Min­der­heit­en zu beseit­i­gen. Doch seit­ens der Min­der­heit­en herrscht zu Recht tiefes Mis­strauen, da gegen G. Rajapak­sa zahlre­iche Gerichtsver­fahren laufen und er sich weigert, für seine etlichen Kriegsver­brechen Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

Kurz nach der Wahl erk­lärte G. Rajapak­sa in sein­er Amt­santrittsrede vom 18. Novem­ber, die Regierung auf der Grund­lage der „bud­dhis­tis­chen Philoso­phie“ zu leit­en und die sing­hale­sis­che Kul­tur sowie das bud­dhis­tis­che Erbe fördern zu wollen. Seine Ein­wei­hungsz­er­e­monie fand in einem bud­dhis­tis­chen Tem­pel in der nördlichen Stadt Anu­rad­ha­pu­ra. Dieser wurde vom sing­hale­sis­chen Herrsch­er Dutuga­munu erbaut, der den tamilis­chen Chola-König Ellalan besiegte und die gesamte Insel unter sing­hale­sis­ch­er Herrschaft vere­inigte. Diesen Ort für seine Zer­e­monie zu wählen ist kein Zufall, son­dern ste­ht sym­bol­isch für seine Poli­tik und kann eben­so als eine War­nung an alle Min­der­heit­en gel­ten, beson­ders an die Tamil*innen. Es ist klar zu beobacht­en, dass die Regierung Rajapak­sas nun den sing­hale­sis­chen Chau­vin­is­mus weit­er­führen wird, der seit der Unab­hängigkeit von Großbri­tan­nien 1948 die poli­tis­che Bühne dominierte. Seit dieser Zeit wur­den zahlre­iche repres­sive Geset­ze gegen Tamil*innen ver­ab­schiedet und 1983 kam es zum fast 30 jähri­gen Bürger*innenkrieg zwis­chen den Tamil*innen und Singhales*innen.

Ähn­lich wie der indis­che Pre­mier­min­is­ter Modi der Bharatiya Jana­ta Par­ty (BJP) mit sein­er hin­duna­tion­al­is­tis­chen Agen­da und sein­er ras­sis­tis­chen Poli­tik gegen Muslim*innen sieht G. Rajapak­sa Sri Lan­ka als ein sing­hale­sisch-bud­dhis­tis­ches Land an. Men­schen mit unter­schiedlichem Glauben oder „Rasse“ wie Tamil*innen, tamilis­chsprachige Muslim*innen, Christ*innen und andere gehören ange­blich nicht zur ein­heimis­chen Bevölkerung der Insel und müssen sich dem sing­hale­sisch-bud­dhis­tis­chen Pri­mat unter­w­er­fen. Die Ver­fas­sung Sri Lankas, staatliche Insti­tu­tio­nen, das Mil­itär und die Wirtschaft geben dem Sin­hala-Bud­dhis­mus den Vor­rang. Jed­er Wider­stand von der Min­der­heit wird als Bedro­hung für die sing­hale­sisch-bud­dhis­tis­che Nation gese­hen. Die bud­dhis­tisch-nation­al­is­tis­che Gruppe Bodu Bala Sena, über­set­zt in etwa „die Armee der bud­dhis­tis­chen Macht“, hat in den let­zten Jahren Hass geschürt und gewalt­tätige Angriffe auf die mus­lim­is­che und christliche Min­der­heit in Sri Lan­ka durchge­führt.

Massive Angriffe auf die demokratischen Rechte

Kurz nach seinem Sieg ernan­nte G. Rajapak­sa seinen Brud­er und ehe­ma­li­gen Präsi­den­ten Mahin­da Rajapak­sa zum Pre­mier­min­is­ter ein­er Min­der­heit­en­regierung unter der Partei Sri Lan­ka Podu­jana Per­a­mu­na (SLPP). Dieser hat­te zuvor zehn Jahre lang bis zum Jahr 2015 als Präsi­dent regiert. Vor cir­ca einem Monat hat Gotabaya das Par­la­ment undemokratisch sus­pendiert, da er keine Mehrheit für sich gewin­nen kon­nte. Er will die Sus­pen­sion solange aufrecht erhal­ten, bis er eine Mehrheit im Par­la­ment erlangt hat. Daher wur­den schon für den März Neuwahlen angekündigt. G. Rajapak­sas Ziel ist es, eine Zwei-Drit­tel-Mehrheit zu sich­ern, um prob­lem­los die Ver­fas­sung ändern und sich als Präsi­dent autoritäre Voll­macht­en aneignen zu kön­nen.

Bere­its jet­zt kündigt sich eine anti­demokratis­che Wende und die weit­ere Aushöh­lung demokratis­ch­er Rechte an: aktuell wurde ein Rei­se­ver­bot für Polizist*innen und Ermittler*innen ver­hängt, die an Unter­suchun­gen wegen mut­maßlich­er Straftat­en gegen Gotabaya beteiligt waren. Alle Flughäfen in Sri Lan­ka sind in Alarm­bere­itschaft ver­set­zt. Aus­lös­er hier­für war Nis­han­tha Sil­va, ein Spitzenof­fizier, der bekan­nte öffentliche Fälle unter Ex-Präsi­dent Mahin­da Rajapak­sa unter­suchte und nach der Präsi­dentschaftswahl Mord­dro­hun­gen erhielt. Es heißt, G. Rajapak­sa per­sön­lich habe Sil­va gedro­ht, der auch direkt gegen diesen Nach­forschtun­gen anstellte. Seine Ermit­tlun­gen umfassten Morde und Kor­rup­tion an Regierungsmit­gliedern unter Mahin­da Rajapak­sa. Unter den Fällen war auch das Atten­tat auf den Redak­teur und Jour­nal­is­ten Las­an­tha Wick­re­matunge im Jahr 2009 durch ein Killerkom­man­do. Nun wur­den Namen von 704 Beamten der Krim­i­nalpolizei Sri Lankas (Crim­i­nal Inves­ti­ga­tion Depart­ment, CID) an die Ein­wan­derungs­be­hörde geschickt, um ihre Aus­reise zu ver­hin­dern. Sil­va floh in die Schweiz und beantragte dort Asyl. Die sri lankische Polizei hat daraufhin Unter­suchun­gen zu sein­er Abreise ein­geleit­et. Nach sein­er Flucht wurde laut der schweiz­er Botschaft eine Mitar­bei­t­erin der Visaabteilung ent­führt und zu Nis­han­tha Sil­va befragt. Die schweiz­er Behör­den sind empört und bew­erten den Vor­fall als einen inakzept­ablen und ern­sten Angriff auf die Diplo­matie. Das schweiz­erische Außen­min­is­teri­um sagte, dass die Botschaftsmi­tar­bei­t­erin gegen ihren Willen auf der Straße fes­thal­ten und lange bedro­ht wurde. Aus der Berichter­stat­tung gehen keine genauen Infor­ma­tio­nen über die Täter*innen her­vor. Die Schweiz habe nun den Vor­fall den sri lankischen Behör­den gemeldet und diese aufge­fordert, eine Unter­suchung einzuleit­en.

Des weit­eren sind tamilis­che und sing­hale­sis­chen Medi­en seit den Wahlen zunehmend in Alarm­bere­itschaft und fühlen sich unter Beobach­tung der Regierung. Mehreren Journalist*innen wurde vorge­wor­fen, unbe­grün­dete Anschuldigun­gen gegen G. Rajapak­sa zu erheben und Has­sre­den zu ver­bre­it­en. Sie mussten ihre Com­put­er der Polizei übergeben. Tamilis­che Aktivist*innen sind nun vor­sichtiger und ziehen in Erwä­gung, die Insel zu ver­lassen. Journalist*innen sind besorgt und zen­sieren sich selb­st. In den sozialen Medi­en haben sich Has­sre­den gegen Tamil*innen ver­bre­it­et, doch dage­gen wur­den natür­lich keine Maß­nah­men getrof­fen.

Den­noch fordern Tamil*innen weit­er­hin Gerechtigkeit für die Kriegsver­brechen sowie Nach­forschun­gen auf­grund des gewalt­samen Ver­schwindens während des Bürger*innenkrieges. Der Wahlsieg von G. Rajapak­sa ist für Tamil*innen ein großer Rückschlag. Den­noch und wie zum Trotz ver­sam­melten sich Tamil*innen wie jedes Jahr am 27. Novem­ber, dem Tamilis­chen nationalen Gedenk­tag für Maaveer­ar Naal, und führten an ver­schiede­nen Orten im Nor­dosten Zer­e­monien durch. Es ist ein Gedenk­tag für die gefal­l­enen Kämpfer*innen der Lib­er­a­tion Tigers of Tamil Eelam (LTTE), der wichtig­sten am nationalen Befreiungskampf und Bürger*innenkrieg beteiligten Organ­i­sa­tion auf Seit­en der Tamil*innen. Beson­ders in Kilinochchi, der ehe­ma­li­gen Ver­wal­tung­shaupt­stadt der tamilis­chen Eelam-Admin­is­tra­tion, nah­men Tausende an ein­er Zer­e­monie teil, gewährten getöteten LTTE-Kämpfer*innen Respekt und priesen den tamilis­chen Wider­stand für ein Tamil Eelam, also eine unab­hängige tamilis­che Nation. Lokale Behör­den behin­derten den Gedenk­tag und einige an der Vor­bere­itung beteiligte Per­so­n­en wur­den ver­haftet. Jede tamilis­che Hauptzeitung in Sri Lan­ka berichtete von dem Tag auf ihrer Titel­seite. Auch zehn Jahre nach dem gewalt­samen Ende des Bürger*innenkrieges ist der Kampf um die Frei­heit von Unter­drück­ung weit­er­hin lebendig.

Der sing­hale­sis­che Chau­vin­is­mus ist ein Hin­der­nis für die sri lankische Arbeiter*innenklasse, sodass sing­hale­sis­che, tamilis­che und mus­lim­is­che Arbeiter*innen nicht Seite an Seite kämpfen, son­dern sich für eines der reak­tionären poli­tis­chen Lager entschei­den. Der Ein­satz für das Selb­st­bes­tim­mungsrecht von Tamil*innen und die Vertei­di­gung von Muslim*innen gegen anti-mus­lim­is­chen Ras­sis­mus sowie die religiös-staatliche Unter­drück­ung sind abso­lut notwendi­ge Auf­gaben der Arbeiter*innenbewegung auf Sri Lan­ka. Die Arbeiter*inneneinheitsfront kann dabei eine Tak­tik sein, bei der ver­schieden­ste Organ­i­sa­tio­nen der Arbeiter*innenklasse (vor allem die ver­schiede­nen Gew­erkschaften) trotz ihrer unter­schiedlichen oder ges­pal­te­nen poli­tis­chen Posi­tio­nen ein bre­ites Abwehrbünd­nis gegen die Angriffe der Regierung auf die Arbeiter*innenklasse auf­bauen. Der einzige Ausweg aus dieser poli­tis­chen Krise ist ein sozial­is­tis­ches Pro­gramm, was sich auch anhand der ökonomis­chen Sit­u­a­tion und der aktuellen Entwick­lung des Klassenkampfes verdeut­licht.

Wirtschaftliche Einschnitte und auflebende Massenkämpfe

Laut ein­er Schrift der Social­ist Equal­i­ty Par­ty Sri Lakas (SEP) hat die sri lankische Arbeiter*innenklasse über die let­zten Jahre hin­weg unter „steigen­den Preisen, Masse­nar­beit­slosigkeit, Unterbeschäf­ti­gung, Pri­vatisierung und der Zer­störung der öffentlichen Dien­ste“ gelit­ten, was in den let­zten 18 Monat­en zu den größten Streik­wellen seit 1980 führte. Mit dem Rück­gang des Wirtschaftswach­s­tums und der Exporte, sowie steigen­den Unternehmens- und Staatss­chulden befind­et sich Sri Lan­ka in ein­er katas­trophalen wirtschaftlichen Lage. Zehn Tage nach G, Rajapak­sas Amt­santritt kam es zu einem Streik von 10.000 Plantagenarbeiter*innen gegen Armut­slöhne und höhere Arbeits­be­las­tung. Arbeiter*innen rebel­lieren eben­falls gegen die Zusam­me­nar­beit und Vor­gaben des Inter­na­tionalen Währungs­fonds (IWF), das Haushalts­de­fiz­it von 7 Prozent des BIP in diesem Jahr 2020 auf 3,5 Prozent zu hal­bieren. Die Spa­rau­fla­gen des IWF und die Ver­schul­dungsspi­rale sind, wie Jime­na Ver­gara und Ana Rivera es in dem Artikel „Stre­icht Argen­tiniens Schulden“ beschreiben, Mech­a­nis­men der impe­ri­al­is­tis­chen Unter­drück­ung, welche auch zur Aufrechter­hal­tung der (ökonomis­chen) Abhängigkeit von Sri Lan­ka beitra­gen. Deshalb bedeutet eine Ablehnung der ille­git­i­men und ille­galen Schulden­zahlun­gen auch ein Kampf gegen diese impe­ri­al­is­tis­che Unter­drück­ung.

Auf Sri Lan­ka ist der Kampf gegen den Kap­i­tal­is­mus eng ver­bun­den mit ein­er antikolo­nialen und anti­im­pe­ri­al­is­tis­chen Poli­tik, da das Land vor allem vom Kolo­nial­is­mus und Impe­ri­al­is­mus unter­en­twick­elt wurde. Seit dem 16. Jahrhun­dert wurde Sri Lan­ka mehrfach von Europäern kolo­nial­isiert (1518 Kolonie Por­tu­gals, 1658 Kolonie Hol­lands, 1796–1946 britis­che Kolonie) und als prof­itable und strate­gis­che Wirtschaft­skolonie aus­ge­beutet. 1946 wurde die Insel inner­halb des britis­chen Com­mon­wealths unab­hängig. Die Insel war nicht nur auf­grund der geopoli­tis­chen Lage für die europäis­chen Staat­en attrak­tiv, son­dern natür­lich auch wegen der Rohstoffe, allen voran Gewürze und Tee. Nach wie vor befind­et sich Sri Lan­ka im Span­nungs­feld des Impe­ri­al­is­mus und der regionalen Wirtschaftsmächte; heute beson­ders zwis­chen den USA und Chi­na, aber auch von Indi­en. Dies ste­ht in Verbindung mit sein­er geopolitschen Sitau­tion als Knoten­punkt auf ein­er der wichtig­sten Schiff­fahrt­srouten im Indis­chen Ozean. Ins­beson­dere der US-Impe­ri­al­is­mus ver­sucht sich dies in seinem Kon­fronta­tion­skurs gegen Chi­na zunutze zu machen und dementsprechend eine Frak­tion der poli­tis­chen Elite für sich zu gewin­nen.

Zwar hat die sri lankische poli­tis­che Elite weit­er­hin die Kon­trolle über die Wirtschaft und den staatlichen Unter­drück­ungsap­pa­rat, sowie die Unter­stützung des nach ein­er Groß­macht­stel­lung streben­den Indi­ens und der impe­ri­al­is­tis­chen USA. Aber diese Elite ist zutief­st zer­strit­ten und die sri lankische Bour­geoisie sitzt, wie es die SEP aus­drückt, „auf einem sozialen Pul­ver­fass“. Denn durch den wach­senden Wider­stand der Arbeiter*innenklasse ist ihre bürg­er­liche Herrschaft poten­tiell bedro­ht. Daher sind aktuell ver­schiedene Frak­tio­nen der sri lankischen Bour­geoisie bemüht, die demokratis­chen Rechte der Men­schen auf Sri Lan­ka auszuhölen.

Es wird zu einem direk­ten Kon­flikt zwis­chen den Arbeiter*innen und der regieren­den SLPP unter Rajapak­sa kom­men. Die Arbeiter*innenklasse muss sich zusam­men mit der armen Land­bevölkerung vere­inen und sich zu ein­er unab­hängi­gen poli­tis­chen Kraft entwick­eln, son­st wird die kor­rupte sri lankische Bour­geoisie mit Hil­fe der pro-kap­i­tal­is­tis­chen Gew­erkschafts­führun­gen weit­er­hin alles geben, das Pro­le­tari­at zu unter­drück­en und auszubeuten. Auch ange­blich „linke“ Parteien wie die sing­hale­sisch chau­vin­is­tis­che Janatha Vimuk­thi Per­a­mu­na (JVP), die im Jahr 2005 Mahin­da Rajapak­sa als Präsi­dentschaft­skan­di­dat­en unter­stützten, die Nava Sama Sama­ja Par­ty (NSSP) oder die Front­line Social­ist Par­ty (FSP) — eine Abspal­tung der JVP aus dem Jahr 2012 und eben­falls Unterstützer*innen Rajapksas — spie­len eine ver­rä­ter­ische Rolle und sind Hin­dernisse dabei, den Herrschen­den etwas ent­ge­gen zuset­zen. Auch die Tamil Nation­al Alliance (TNA) und andere Über­reste der LTTE bewe­gen sich im Rah­men der bürg­er­lich-kap­i­tal­is­tis­chen Legal­ität des poli­tis­chen Regimes auf Sri Lan­ka durch ihre Poli­tik der Protest­wahl und der Wahl des ver­meintlich „kleineren Übels“. Als dieses galt der Gegenkan­di­dat Sajith Pre­madasa von der lib­er­al-kon­ser­v­a­tiv­en Unit­ed Nation­al Par­ty (UNP) und Sohn eines ehe­ma­li­gen sing­hale­sisch-chau­vin­is­tis­chen Präsi­den­ten. Sie riefen zu sein­er Wahl auf, obwohl die UNP den Bürger*innenkrieg gegen die Tamil*innen begonnen hat­te und ihn mehr als zehn Jahre als Regierungspartei führte. Die TNA und die „Protestwähler*innen“ müssen sich aus dem Rah­men der bürg­er­lich-kap­i­tal­is­tis­chen Poli­tik Sri Lankas und der Illu­sion der Wahl zwis­chen mehreren Kriegsver­brech­ern befreien und eine klare anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Posi­tion ein­nehmen, statt die USA als ver­meintlichen „Feind ihres Fein­des“ Gotabaya zu unter­stützen. Die Herrschen­den entwick­eln immer rechtere und aggres­si­vere Angriffe gegen die Arbeiter*innenklasse und die armen Massen, doch ihre Sit­u­a­tion kann keineswegs im Rah­men des Kap­i­tal­is­mus gelöst wer­den.

Der Kampf um die Bewegung und der Kampf um die Gewerkschaften

Was bedeutet genau diese notwendi­ge unab­hängige poli­tis­che Kraft der Arbeiter*innenklasse? Anders als es die SEP ver­tritt (die sri lankische Sek­tion des Inter­na­tionalen Komi­tees der Vierten Inter­na­tionalen, IKVI) müssen diese besagten Gew­erkschaften mit pro-kap­i­tal­is­tis­chem Kurs von der sie beherrschen­den Bürokratie zurück erobert wer­den, da diese als zen­trales Kamp­for­gan ein­er stark frag­men­tierten Arbeiter*innenklasse notwendig sind. Die Bürokratie pas­siviert, ver­langsamt und ver­hin­dert Arbeiter*innenkämpfe. Eine Rücker­oberung der Gew­erkschaften basiert auf der Selb­stor­gan­isierung in Form von Arbeiter*innendemokratie in den Betrieben.

Die SEP ver­tritt die Grün­dung von „unab­hängi­gen Aktion­skomi­tees in Fab­riken, Wohnge­gen­den und Län­dereien“. Von wem sollen diese Aktion­skomi­tees unab­hängig sein? In Bezug auf die Selb­stor­gan­i­sa­tion von Lohn­ab­hängi­gen ist die SEP sehr ein­deutig und fordert eine Organ­isierung abseits „der Gew­erkschaften“, wobei sie die Basis und die kor­rupte Führung der Kamp­for­gan­i­sa­tio­nen der Arbeiter*innen gle­ich­set­zt. Sie schreiben in ihrer Erk­lärung im Dezem­ber 2019:

Während des jüng­sten Wahlkampfs schafften es die Gew­erkschaften, die Streiks zu been­den. Doch schon zehn Tage nach Gotab­haya Rajapak­ses Amt­santritt streik­ten erneut zehn­tausende Plan­ta­ge­nar­beit­er gegen Armut­slöhne und höhere Arbeits­be­las­tung […] Die Gew­erkschaften vertei­di­gen den kap­i­tal­is­tis­chen Staat und das Prof­it­sys­tem, und viele ihrer Führer sind Anhänger der Regierung. Deshalb ver­suchen sie ohne Aus­nahme, die Streiks abzuwür­gen, zu isolieren und zu been­den. […]

Diese Gle­ich­set­zung ist ein fataler Fehler. Sich völ­lig von den Mehrheits­gew­erkschaften abzuwen­den, über­lässt die Arbeiter*innen kampf­los der Kon­trolle der Bürokratie, Agen­ten des Kap­i­tals in unseren eige­nen Rei­hen, und bietet ihnen erst recht keine sozial­is­tis­che Lösung an. Dann schlussfol­gert die SEP:

Arbeit­er und Jugendliche soll­ten dem Beispiel der Plan­ta­ge­nar­beit­er von Abbot­sleigh fol­gen und Aktion­skomi­tees in ihren Betrieben und Wohn­vierteln grün­den, die unab­hängig von den Gew­erkschaften entschei­den und han­deln. Nur so kön­nen die zahlre­ichen Kämpfe der arbei­t­en­den Bevölkerung in eine gemein­same poli­tis­che Offen­sive der Arbeit­erk­lasse mün­den.

Arbeiter*innen der Teefab­rik von Abbot­sleigh haben im Dezem­ber 2018 ein Aktion­skomi­tee gegrün­det, das unab­hängig von Gew­erkschaften sein und demokratisch gewählte Entschei­dun­gen tre­f­fen soll. Die sri lankische Bour­geoisie ver­fügt wie beschrieben über einen aus­gedehn­ten Unter­drück­ungsap­pa­rat und zahlre­iche Tak­tiken und Strate­gien gegen unsere Klasse. Die Arbeiter*innen müssen mit den Mit­teln der Arbeiter*innendemokratie den unab­hängi­gen Kampf selb­st organ­isieren und zwar indem sie die Gew­erkschaften zurücker­obern und zu ihren eige­nen Kampfin­stru­menten machen.

Aktion­skomi­tees kön­nen allerd­ings aus gew­erkschaftlichen Struk­turen her­vorge­hen, wie beispiel­sweise die Komi­tees für Not­fälle und Schutz in Chile, wo alle möglichen prak­tis­chen und poli­tis­chen Funk­tio­nen erfüllt wer­den, diese jedoch nicht von Gew­erkschaften getren­nt sind.

Um die zahlre­ichen offe­nen und verdeck­ten Angriffe auf die demokratis­chen Rechte und die Lebens­be­din­gun­gen der Massen seit­ens der Herrschen­den zurück zu schla­gen, die ras­sis­tis­che und nation­al­is­tis­che Spal­tung zu über­winden, sowie das Recht auf nationale Selb­st­bes­tim­mung der Tamil*innen zu vertei­di­gen, muss von der Basis der aktuellen Arbeit­skämpfe aus Druck auf die Gew­erkschafts­führun­gen aus­geübt wer­den. Diese sollen zu dem Auf­bau ein­er Arbeiter*inneneinheitsfront aufrufen, also ein­er bre­it­en demokratis­chen Abwehrfront der gesamten Klasse. Eben­so soll­ten sie einen ambi­tion­ierten Kampf­plan auf­stellen und zu einem (unbe­fris­teten) poli­tis­chen Gen­er­al­streik aufrufen. Dies wären wirk­liche Schritte, damit unter ein­er bewussten, rev­o­lu­tionären Führung tat­säch­lich, wie die SEP schreibt, „die zahlre­ichen Kämpfe der arbei­t­en­den Bevölkerung in eine gemein­same poli­tis­che Offen­sive der Arbeit­erk­lasse mün­den“.

Der wach­sende Wider­stand in Sri Lan­ka ist Teil eines weltweit­en Auf­stiegs von Kämpfen der Arbeiter*innenklasse und armen Massen wie die aktuelle bre­ite Bewe­gung und der Gen­er­al­streik gegen den Cit­i­zen­ship Amend­ment Act (CAA) und das Nation­al Reg­is­ter of Cit­i­zens (NRC) in Indi­en, die Gelb­west­en-Bewe­gung in Frankre­ich, die aktuellen Massen­proteste in Hong Kong, Chile, Ecuador, Bolivien, Alge­rien, Libanon, Iran und Irak. Der inter­na­tionalen Arbeiter*innenklasse ste­ht das glob­al organ­isierte Kap­i­tal gegenüber. So ist es notwendig, dass sich die sri lankische Arbeiter*innenklasse glob­al ver­net­zt und inter­na­tionale Kämpfe vere­inigt und koor­diniert wer­den.

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