Deutschland

Sexistische Razzia in München: „Ein Polizist ist mir bis auf die Toilette gefolgt“

Donnerstag Früh fand eine Razzia wegen einer kurdischen Fahne auf Facebook statt . Sie war ganz klar auch sexistisch – die Betroffene Narges Nassimi äußert sich dazu.

Sexistische Razzia in München: „Ein Polizist ist mir bis auf die Toilette gefolgt“

Narges Nas­si­mi ist eine geflüchtete Aktivistin aus Iranisch-Kur­dis­tan. Sie lebt seit drei Jahren in München. Bis heute ist sie in den Geflüchteten‑, fem­i­nis­tis­chen und Sol­i­dar­itätsini­tia­tiv­en für Kur­dis­tan und Palästi­na involviert. Sie befand sich in der Woh­nung, als schw­er aus­gerüstete USK-Beamt*innen ein­marschierten, und sagt selb­st darüber:

Ich war nackt und kon­nte mich nicht richtig ori­en­tieren. Mein Mit­be­wohn­er hat die Tür aufgemacht. Wir waren bei­de ver­wirrt. Was wollen sie denn? Ich war schock­iert: Wie, was, wann, warum denn?

Kurz nach dem Ein­satz zeigte sich, was die Polizist*innen gesucht hat­ten: Ben­jamin Ruß, den Mit­be­wohn­er von Narges, der beschuldigt wird, auf seinem pri­vat­en Face­book-Pro­fil die Fahne der kur­dis­chen Selb­stvertei­di­gung­sein­heit­en YPG hochge­laden zu haben, um gegen die Krim­i­nal­isierung der Sym­bole des kur­dis­chen Befreiungskampfes zu protestieren. Nach Auf­nahme der Per­son­alien stell­ten die Polizist*innen fest, dass der gesuchte Mit­be­wohn­er nicht zu Hause ist. Diese Infor­ma­tion hat­te die Polizist*innen aber nicht daran gehin­dert, die gesamte Woh­nung zu belagern und die restlichen Zim­mer der Woh­nung zu betreten. Narges schildert die Sit­u­a­tion fol­gen­der­maßen:

Unsere Gäste durften sich nicht bewe­gen. (…) Darüber hin­aus sind die Polizist*innen in unser Zim­mer betreten, obwohl kein Durch­suchungs­be­fehl vor­lag.

Die starke Präsenz der USK-Beamt*innen und ihre laut­en und aggres­siv­en Töne sollte die Mit­be­wohner­in ein­schüchtern. Eine Zeit­lang ist Narges als einzige Frau in der Woh­nung, die Sit­u­a­tion wird für sie unerträglich. Auf ihre Forderun­gen wurde in kein­er Weise einge­gan­gen, es gab nur mack­er­hafte Igno­ranz.

Der Sex­is­mus erre­ichte seine bru­tal­ste Form, als Narges auf die Toi­lette gehen wollte: „Mir ist es sehr wichtig über das sex­is­tis­che Ver­hal­ten eines Polizis­ten zu schreiben, der mir bis auf die Toi­lette gefol­gt ist und die Tür geöffnet hat“, sagt sie. Was hat sich der Polizist dabei gedacht? Es ist nicht unsere Auf­gabe, eine indi­vidu­elle psy­cho­an­a­lytis­che Antwort auf die Ver­hal­tensweise des Polizis­ten zu find­en ver­suchen. Offen­sichtlich diente die Bru­tal­ität der Demü­ti­gung.

Narges klagt an:

In einem sex­is­tis­chen patri­ar­chalis­chen Sys­tem kann man nichts mehr von Staat­sap­pa­rat­en erwarten. Es ist eine beschissene pas­sive Epoche, in der nichts gibt, uns zu schützen und uns zu vertei­di­gen. Wir kön­nen es nur sel­ber tun. Ich bin krass wütend.

Dieser Fall ist ein Beispiel, dass die Polizei bar­barisch, ohne Rück­sicht auf die Würde und den psy­chol­o­gis­chen Zus­tand der Betrof­fe­nen, han­delt. Der Appa­rat beste­ht aus Schläger*innen, die uns mit allen men­sche­nun­würdi­gen Mit­teln ein­schüchtern und in die Pas­siv­ität treiben wollen. Wir verurteilen diese sex­is­tis­che Razz­ia auf das Schärf­ste und sol­i­darisieren uns mit Narges Nas­si­mi.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.