Unsere Klasse

Protest an Berliner Oberstufenzentren

Protest an Berliner Oberstufenzentren

300 LehrerInnen und SchülerInnen von Berliner Oberstufenzentren (OSZ) haben sich am Donnerstag vor der Universität der Künste versammelt, um gegen LehrerInnenversetzungen zu protestieren. Insgesamt sollen 80 LehrerInnen an den berufsbildenden Schulen versetzt werden. Damit strebt die Schulverwaltung eine genau 100prozentige Lehrerausstattung an jedem der 35 OSZ an – was im Fall von Krankheit oder Schwangerschaft nur den ersatzlosen Unterrichtsausfall bedeuten kann.

„Das ist so, als würde ein Fußballtrainer mit nur elf Spielern in die Saison starten und sich wundern, daß er bald Probleme kriegt“, erklärte Peter Sinram, Personalrat und Pressesprecher der Gewerkschaft GEW, auf der Kundgebung. Er lobte die jungen AktivistInnen, die in kürzester Zeit über Facebook 150 ihrer MitschülerInnen von einem halben Dutzend Oberstufenzentren zur Kundgebung mobilisierten.

Was die De-facto-Unterausstattung konkret bedeutet, berichtete Marian Biets (20) vom OSZ für Ernährung und Lebensmitteltechnik, wo fünf Lehrer an andere Schulen versetzt werden. Der Informatikunterricht für die Oberstufe wird nicht mehr stattfinden und die Schüler, die Informatik als Prüfungsfach gewählt haben, müssen jetzt zwei Monate vor den Prüfungen schnell einen Ersatz finden. „Der Leistungskurs Mathe findet seit drei Wochen nicht mehr statt“, ergänzte Jakob Prothman (18) von der gleichen Schule.

René Kiesel (23) vom OSZ für Bürowirtschaft II hat mit sechs MitschülerInnen ein „Schulkomitee“ gegründet und 300 Unterschriften gegen die Versetzungen gesammelt. Er glaubt, daß die Wut der Lehrer und Schüler nur größer wird, und die Proteste ebenfalls. Damit zeigt diese (noch sehr kleine) Bewegung zwei wichtige neue Qualitäten im Vergleich zu den Schulstreiks der letzten Jahre: erstens, weil selbst die größten Schulstreiks mit Zehntausenden TeilnehmerInnen die berufsbildenden Schulen kaum erreichten; zweitens, weil SchülerInnen und LehrerInnen – und auch Schulkomitees und die GEW – die Proteste gemeinsam organisieren.

dieser Artikel auf Indymedia
dieser Artikel in der jungen Welt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.