Unsere Klasse

Prekär durch Corona: Eine halbe Million neue Arbeitslose

Konzerne werden mit Milliarden aus Steuergeldern gerettet. Kleine Selbstständige verlieren und die Beschäftigten zahlen mit Kurzarbeit und Entlassungen.

Prekär durch Corona: Eine halbe Million neue Arbeitslose
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Die Pandemie ist noch nicht besiegt und auch auf dem Arbeitsmarkt machen sich die Auswirkungen von Covid stark bemerkbar. Die Folgen sind unter anderem Kurzarbeit, Entlassungen und schlechtere Perspektiven auf einen neuen Job.

Der Lockdown schränkt unser Privatleben massiv ein. Trotzdem müssen wir weiter zur Arbeit gehen. Eine neue Studie der Uni Konstanz zeigt, dass durch Meetings im Büro die Wahrscheinlichkeit einer Infektion um das Achtfache steigt. Die Krise wird auf unseren Rücken abgeladen und jeder weitere Tag mit dem Virus wird von Arbeiterinnen mit ihrem Leben bezahlt. Menschenleben werden hier immer wieder dem Interesse der Wirtschaft untergeordnet.

Die neuesten Zahlen der Arbeitsagentur zeigen, dass fast eine halbe Millionen Menschen im Vergleich zum Januar des Vorjahres ihren Job verloren haben. Damit steigt die offizielle Zahl der Arbeitslosen auf 2,9 Millionen Menschen bundesweit. Die Statistik umfasst dabei noch lange nicht alle Personen ohne Job. Vor allem solche mit geringen Qualifikationen und Langzeitarbeitslose haben es jetzt besonders schwer eine neue Arbeit zu finden.

So lassen diese Zahlen zum Beispiel Minijobber außen vor, die mittlerweile fast jede sechste Stelle auf dem Arbeitsmarkt ausmachen. Bei ihnen handelt es sich vor allem um Jugendliche, Studierende, Rentnern:innen und Frauen. Sie haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld. Doch auch als geringfügig Beschäftigte sind sie auf ihren Lohn angewiesen und müssen sich jetzt um neue Perspektiven kümmern. Von den Minijobber:innen haben allein zwischen März und Juni 837.000 Menschen ihre Anstellung eingebüßt, die meisten davon in der Gastronomie.

Ein weiterer großer Teil der Lohnabhängigen bezieht nun Kurzarbeitergeld; im November waren es circa 2,26 Millionen. Sie behalten zwar ihren Job, müssen aber weniger arbeiten und bekommen nur noch einen Teil ihres normalen Lohns ausgezahlt.

Unternehmen werden durch Kurzarbeitergeld und andere Maßnahmen vom Staat unterstützt, während Arbeitende nicht ihren vollen Lohn ausgezahlt bekommen oder entlassen werden. Sie müssen sehen, wo sie bleiben und Aktionäre bekommen weiter ihre Dividenden ausgezahlt. Große Unternehmen wie TUI oder Lufthansa werden gerettet und kleine Selbstständige gehen einfach in die Insolvenz, während sie auf die Auszahlung staatlicher Hilfen warten. Ungleiche Eigentumsverhältnisse verstärken sich weiter und die Reichsten werden gerade in der Krise immer reicher. Die Regierung offenbart hier ihre Position an der Seite des Kapitals.

Welche Antworten brauchte es auf die Krise? Sowohl für unsere Gesundheit als auch die ökonomische Absicherung der Lohnabhängigen?

Gesundheitsschutz darf kein Widerspruch dazu sein, die Lebenshaltungskosten decken zu können. Initiativen wie #ZeroCovid haben erste richtige Forderungen von links aufgestellt, das reicht jedoch noch nicht. Die Pandemie kann nur bekämpft werden, wenn nicht essentielle Betriebe geschlossen werden. Dazu braucht es jedoch den vollen Lohnausgleich für Beschäftigte und den gleichzeitigen Ausbau der Sozialsysteme, da schon vor der Pandemie Menschen am Rand der Existenz lebten. Ein noch nicht ausreichend erforschtes Virus muss mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen eingedämmt werden. Dazu gehört auch die Abschaffung des Patentrechts insbesondere für den Impfstoff. Es muss massiv mehr vom wirksamsten Impfstoff produziert werden und dieser darf nicht zuerst an die reichen Ländern verteilt werden. Denn unsere Zukunft ist wichtiger als die Profite der Bosse!

Die Leute, die weiterhin essentielle Aufgaben übernehmen, wie Krankenpfleger:innen oder Kassierer:innen, brauchen einen ordentlichen Schutz auf der Arbeit, der von den Beschäftigten kontrolliert wird. Klatschen und Einmalzahlungen reichen da nicht um uns abzusichern, wir Arbeiterinnen brauchen höhere Löhne!

Zu der gesundheitlichen Krise die jetzt stattfindet, kommt bald auch eine noch größere wirtschaftliche Krise auf uns zu. Im Kapitalismus kommt es nämlich auch ohne Pandemie immer wieder zu Krisen. Organisieren wir uns deshalb jetzt an unseren Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Dabei müssen wir auch die Gewerkschaften in die Pflicht nehmen, Menschen besser zu organisieren und auf kommende Angriffe vorzubereiten. Denn die Krise heißt Kapitalismus und vor allem den müssen wir unbedingt loswerden!

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