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Poststreik: Lange Laufzeit trübt Ergebnis

Letzte Woche Mittwoch einigten sich ver.di und die Post auf ein Tarifergebnis. Das Unternehmen hat vor allem durch den boomenden Online-Handel in der Krise profitiert. Deshalb ist das Ergebnis am Ende ernüchternd. Besonders die lange Laufzeit sticht ins Auge.

Poststreik: Lange Laufzeit trübt Ergebnis
Warnstreik in Berlin-Brandenburg. Quelle: Ver.di Postdienste, Speditionen und Logistik

Drei Prozent Lohnerhöhung zum 01. Januar 2021 und dann noch einmal zwei zum Januar 2022. Die Vergütungen für Azubis und Dual-Studierende um jeweils 50 Euro im ersten und 40 Euro im zweiten Jahr erhöht. Außerdem eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro. Keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2023. Die Laufzeit beträgt 28 Monate – also Ende 2022.

Angesichts der aktuellen Krise klingt das alles sicher erst einmal nicht schlecht. Blickt man etwas tiefer, ergibt sich schnell ein anderes Bild. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen hat die Post von der Krise bisher stark profitiert. Gerade die starken Einschränkungen im Einzelhandel haben über den Online-Handel das Paketgeschäft enorm angekurbelt. Die ursprünglichen Forderungen von ver.di sahen dementsprechend deutlich anders aus.

Angetreten war ver.di für 5,5 Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie monatliche Erhöhungen um 90 Euro bei den Azubis und Dual-Studierende. Dafür gab es in den letzten Wochen regional Warnstreiks. Rund 140.000 Beschäftigte arbeiten bei der Post. Dass ver.di letztlich so nachgegeben hat, ist hier überaus fragwürdig. Denn das Unternehmen hat vor allem durch provokant niedrige Angebote geglänzt. 1,5 Prozent Lohnerhöhungen für zwölf Monate waren sie bereit zu zahlen. Das jetzige Ergebnis liegt zwar darüber. Von 5,5 Prozent in zwölf Monaten sind wir jedoch weit entfernt.

Das Kreuz mit der Laufzeit

Darüber hinaus hat sich die Post über die lange Laufzeit von 28 Monaten erst einmal wieder zweieinhalb Jahre Ruhe erkauft. Ein Mittel, das die Bosse bereits bei der letzten Tarifrunde genutzt haben. Besonders in der aktuellen Krise nimmt die ver.di-Führung damit jedoch den Beschäftigten die Möglichkeit, auf möglicherweise stärkere Krisentendenzen mit Streiks zu reagieren. Denn wer weiß heute schon, wie viel zwei Prozent Lohnerhöhung im Jahr 2022 noch wert sind? Und was passiert, wenn die Post doch wieder Bereiche auslagert, um Kosten zu sparen? Die lange Laufzeit ist deshalb vor allem ein Geschenk an die Post und nicht an die Beschäftigten. Die Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro, die als „Würdigung“ der Beschäftigten für ihre Leistungen in der Krise verkauft werden, sind absolut üblich. Nur zum Vergleich: Bei der Tarifrunde 2018 wurde 250 Euro Einmalzahlungen vereinbart.

Überhaupt ähnelt das Ergebnis sehr dem von 2018 – und das trotz des starken Gewinnzuwachses des Unternehmens durch die aktuelle Krise. Laut ver.di hat der Customer Service beispielsweise ein Umsatzplus von 48 Prozent erreicht, zwischen 2018 und 2020 habe es mehr als 100 Prozent Gewinn für Unternehmen und Aktionär:innen gegeben.

Die ver.di-Führung setzt damit ihre Politik des Burgfriedens fort. Die Warnstreiks waren nur vereinzelt und oft regional beschränkt. Dass es auch anders geht, haben die Beschäftigten 2015 gezeigt, als über 30.000 Beschäftigte im unbefristeten Streik waren. Das Ergebnis ist dementsprechend auch ernüchternd. Obwohl die ver.di-Führung vorher noch vollmundig eine Beteiligung der Beschäftigten am Corona-Plus des Unternehmens forderte, steht nun ein ähnliches Ergebnis wie 2018.

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